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Göttingen Aeikens stellt Ackerbaustrategie vor
Campus Göttingen Aeikens stellt Ackerbaustrategie vor
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12:12 25.10.2018
Hermann Onko Aeikens Quelle: Harald Wenzel
Göttingen

Staatssekretär Hermann Onko Aeikens hat am Mittwoch in Göttingen die neue Ackerbaustrategie der Bundesregierung erläutert, die aktuell erarbeitet wird. Mit ihr gebe Berlin den Landwirten Entwicklungsziele vor, so Aeikens.

Fachleute würden derzeit einen Entwurf des Eckpunktepapiers erstellen, der dann mit den anderen Ressorts sowie mit den Verbänden abgestimmt werde, führte der Staatssekretär des Bundesministeriums für Ernährung und Landwirtschaft vor mehr als 200 Zuhörern aus. Er sprach bei einer Veranstaltung, die die Agrarwissenschaftler gemeinsam mit der Albrecht-Thaer-Gesellschaft in der Universität ausrichteten. Im Herbst 2019, so Aeikens, präsentiere Bundesministerin Julia Klöckner (CDU) die Strategie.

Es werde nicht alles nach den Wünschen der Bauern gehen, stellte der Christdemokrat klar. Der Einfluss der Landwirte sinke. Ihre Zahl nehme aufgrund des technischen Fortschritts seit Jahren immer mehr ab. Selbst die CDU im ländlichen Raum müsse verstärkt auf andere gesellschaftliche Gruppen Rücksicht nehmen. Die Gesellschaft, betonte der Staatssekretär, habe zu großen Teilen den Bezug zur Landwirtschaft verloren. Dinge, die früher als normal gegolten hätten, etwa das Schlachten von Nutztieren, weckten heute Emotionen. Durch verschiedene Skandale habe die Agrarbranche einen „Imageschaden“ erlitten.

Insektensterben als mahnendes Beispiel

Aeikens nannte das Insektensterben als Beispiel. Sicher sei die Landwirtschaft nicht allein an diesem Problem schuld, aber die Öffentlichkeit verlange von der Politik schnelle Antworten. Es gebe einen wachsenden gesellschaftlichen Druck, den chemischen Pflanzenschutz zurückzufahren. Der Staatssekretär warnte die Bauern, das mit Sätzen abzutun wie: „Wir sind nicht verantwortlich. Das ist doch nicht so schlimm. Das war schon immer so.“

In der Ackerbaustrategie, so Aeikens, werde es die Empfehlung geben, die Fruchtfolgen zu erweitern. Monokulturen seien nicht mehr zielführend. Landwirte sollten verstärkt auch neue Kulturpflanzen anbauen. Warum es dann strenge Auflagen bei Faser- und Medizinalhanf gebe, die eine Kultivierung in Deutschland fast unmöglich machten, wollte ein Student wissen. Das habe das Berliner Gesundheitsministerium gegen den Willen seines Hauses durchgesetzt, bedauerte der Staatssekretär.

Digitalisierung der Landwirtschaft

Zur Verringerung des chemischen Pflanzenschutzes könnten auch die Züchtung resistenter Sorten oder die Digitalisierung einen Beitrag leisten, sagte der gebürtige Ostfriese. Sein Ministerium wolle auf dem Feld der Digitalisierung in Berlin Referenzministerium werden. Es habe mit Prof. Engel Friederike Hessel eine ehemalige Göttinger Dozentin als Digitalisierungsbeauftragte berufen.

„Reagieren Sie stärker auf Trends“, forderte der Christdomokrat seine Zuhörer, überwiegend Studierende der Agrarwissenschaften, auf. Der Bio-Anteil an den Lebensmitteln werde in den kommenden Jahren in Deutschland von jetzt zehn auf 20 Prozent steigen. Die einstige Konfrontation zwischen ökologisch und konventionell produzierenden Höfen habe deutlich nachgelassen. Beide Seiten näherten sich an. Verbraucher wünschten sich zudem mehr Regionalität und mehr Direktvermarktung.

Solarparks, Windkraftanlagen und Biogas

Auf Nachfrage der Studierenden ging der Staatssekretär auf die Rolle der Landwirtschaft bei der Energiewende ein. Er äußerte sein Bedauern, dass auf Ackerflächen Solarparks entstehen. „Photovoltaik gehört auf die Dächer“, befand er. Geringer werde die Zahl neuer Windkraftanlagen auf Ackerflächen. Die Toleranz der Bevölkerung habe deutlich abgenommen. Und während des Dürresommers habe es Anfragen beim Ministerium gegeben, ob der Mais für Biogasanlagen nicht besser als Tierfutter dienen sollte.

Von Michael Caspar

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