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Neue Ausstellung in Ethnologischer Sammlung

Ledertaschen und Muschelketten Neue Ausstellung in Ethnologischer Sammlung

Prachtvolle Ledertaschen aus Westafrika zu Muschelketten aus dem Südpazifik: Das Ethnologische Institut in Göttingen hat die Sammlungen der Professoren Peter Fuchs (emeritiert 1994) und Erhard Schlesier (1991) in einer Ausstellung neu erschlossen.

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Mit Kula-Zeremonialgaben geschmücktes Boot. Dobu, Papua-Neuguinea, Südpazifik.

Quelle: Susanne Kühling, 1993

Der Hörsaal im zweiten Obergeschoss des Instituts war zur Eröffnung der Schau völlig überfüllt. Einige Studierende fanden nur noch auf dem Fußboden Platz zum Sitzen. Bis in die Flure standen Zuhörer.

900 Objekte haben die Wissenschaftler in den Jahren 1956 bis 1991 für die Ethnologische Sammlung des Instituts erworben. Ein Großteil davon lagert bis heute im Magazin. Von „einzigartigen Zeitdokumenten“ sprach Gundolf Krüger, der Kustos der Sammlung. Sie stammten aus einer Zeit der Umbrüche, die etwa durch die Entkolonisierung geprägt gewesen sei.

Beide Wissenschaftler fotografierten, filmten und fertigten Tonaufzeichnungen an. „Das war damals neu“, erzählte Fuchs. Zu seiner Studienzeit hätten sie oft nicht gewusst, wie Worte afrikanischer Sprachen ausgesprochen würden, so der Professor. In der Ausstellung ist ein Tonband gleichen Typs zu sehen, mit dem er damals arbeitete. „Die Batterien reichten eine Stunde“, sagte er. Vielfach sei das Gerät aber bereits vorher stehen geblieben, weil Sand hineingeraten sei. Der Professor entwickelte große Geschicklichkeit beim Reparieren.

Institutsmitarbeiterin Julia Racz sprach in ihrem einführenden Vortrag die Schwierigkeiten der Ethnologen an, Zugang zu den Menschen zu finden. Ihre Anwesenheit habe die Situation verändert, die sie eigentlich objektiv beschreiben wollten. Auch die physischen und psychischen Strapazen erwähnte Racz.

Beide Forscher interessierten sich für Kontakte zwischen verschiedenen Völker in ihrer Region. Fuchs reiste bereits Anfang der 1950er-Jahre als Student in die Sahara, um mehr über das Volk der Touareg zu erfahren. Die Touareg ziehen mit Karawanen durch die Wüste. Beim Volk der Kanuri, etwa in der Oase Fachi in Niger, kaufen sie Salz und Datteln, die sie dann beim Ackerbau-Volk der Haussa gegen Hirse tauschen.

Schlesier befasste sich mit dem rituellen Gabentauch von Muschelketten zwischen Insulanern des Südpazifiks. Kula wird das genannt. In einem der vier neu gestalteten Räume können Besucher selbst mit Muscheln, Kokosnussschalen und einem Haifisch entsprechende Tauch-Erfahrungen sammeln. Es gibt dort das Kula-Spiel des Göttinger Autoren Reinhold Wittig, das mittlerweile auch im Südpazifik Verbreitung findet.

Bis 16. Dezember sonntags von 10 bis 16 Uhr im Ethnologischen Institut, Theaterplatz 15 in Göttingen.

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