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Göttingen Neue Ausstellung über Estland und Finnland in Göttingen
Campus Göttingen Neue Ausstellung über Estland und Finnland in Göttingen
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12:14 10.10.2018
Eine Ausstellung zu Finnland und Estland im Kulturwissenschaftlichen Zentrum vermittelt Einblicke in die Geschichte und Landeskunde der baltischen Staaten. Quelle: Christina Hinzmann
Göttingen

Seit 10.000 Jahren leben Menschen im Gebiet des heutigen Estlands. Doch erst vor 100 Jahren entstand ein estnischer Staat, heißt es in der Ausstellung. 700 Jahre hätten die im 13. Jahrhundert christianisierten Esten unter fremder Herrschaft gelebt. 1940 habe sich die Sowjetunion den jungen Staat einverleibt. 1991 hätten sich die anderthalb Millionen Einwohner erneut die Unabhängigkeit erkämpft.

700 Jahre standen die Finnen unter schwedischer, dann 100 Jahre unter russischer Herrschaft, berichtet die Ausstellung. Anders als die Esten hätten die Finnen während des Zweiten Weltkriegs ihre Unabhängigkeit wahren können, aber ein Zehntel ihres Territoriums an die Sowjetunion abtreten müssen.

Beide Staaten, deren Sprachen miteinander verwandt sind, gehören heute der Europäischen Union und der Eurozone an, erfahren Ausstellungsbesucher. Über die Beziehungen der beiden Nationen sprach anlässlich der Eröffnung Prof. Marko Pantermöller von der Universität Greifswald. Ausdruck der Beziehung sei die symbolische „finnische Brücke“, die die beiden „Brudervölker“ über den Finnischen Meerbusen hinweg verbinde.

Die Esten übernahmen in moderner Zeit 800 finnische Wortstämme

Ein wenig einseitig sei die Beziehung, erläuterte der Wissenschaftler. Die Esten blickten hinauf zum großen Bruder Finnland. Viele Esten studierten und arbeiteten in Finnland. Das Land im Norden gelte ihnen als Vorbild. 800 Wortstämme hätten die Esten in moderner Zeit aus dem Finnischen entlehnt, um das von fremden Herrschern lange unterdrückte Estnisch zu einer Kultursprache zu machen. Die Finnen dagegen seien weniger an Estland interessiert.

Das ausgeprägte Interesse der Universität Göttingen an Esten, Finnen und den mit ihnen sprachlich verwandten Ungarn hob Prof. Manfred Luchterhandt, der Dekan der Philosophischen Fakultät, hervor. Seit Gründung der Hochschule 1737 forschten Göttinger über finno-ugrische Sprachen.

Die Niedersächsische Staats- und Universitätsbibliothek verfüge mit 150.000 Bänden über den größten Bestand finno-ugrischer Werke in Deutschland. In Göttingen sei 1947 das erste von heute zehn deutschen Seminaren für finno-ugrische Sprachen gegründet worden. Allerdings werde es angesichts der „Sparzwänge“ immer schwerer, den Bestand kleiner Seminare zu sichern.

Sondersammelgebiet der Deutschen Forschungsgemeinschaft

Die SUB habe ihren finno-ugrischen Bestand als sogenanntes Sondersammelgebiet der Deutschen Forschungsgemeinschaft über Jahrzehnte aufgebaut, sagte Rupert Schaab, der Gesamtleiter der SUB-Fachreferate. Er erinnerte daran, dass vor 100 Jahren der hessische Landgraf einige Monate lang designierter König des gerade unabhängig gewordenen Finnlands gewesen sei. Dann hätten sich die Finnen allerdings für eine republikanische Staatsform entschieden.

Aus dem Bestand der SUB sind 48 estnische und finnische Bücher in der Ausstellung zu sehen, berichtete Christine Bethge von der SUB. Sie hat die Ausstellung gemeinsam mit Tiina Savolainen vom Finno-Ugrischen Seminar erarbeitet. Zu sehen gibt es dort zudem eine Reihe historischer Landkarten. Bei einem Quiz können Besucher ihr Sprachgefühl testen. Finnisch und Estnisch enthalten viele Lehnworte. So bedeutet das estnische kool „Schule“ und das finnische pullo „Flasche“.

Die Ausstellung ist bis zum 15. November montags bis freitags von 7 bis 21 Uhr und sonnabends von 9 bis 18 Uhr im Foyer des Kulturwissenschaftlichen Zentrums, Heinrich Düker Weg 14, zu sehen.

Von Michael Casper

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