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Neue Form solarer Ausstöße von MPS-Forschern entdeckt

Wellenfronten auf der Sonne Neue Form solarer Ausstöße von MPS-Forschern entdeckt

Die Sonne ist ein eruptiver Stern: Immer wieder spuckt sie in heftigen Ausbrüchen Teilchen und Strahlung ins All. In Messdaten von 2010 haben Göttinger Sonnensystemforscher eine völlig neue Form solarer Ausstöße entdeckt: großräumige Wellenfronten in der Atmosphäre der Sonne.

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Ein Blick auf die rechte Seite der Sonne am 26. Januar 2010. In dem roten Quadrat breitet sich in der Sonnenatmosphäre einige riesige Wellenfront aus. Die Aufnahmen gelangen mit Hilfe der Raumsonde "Stereo A" und zeigen die Sonnenatmosphäre im extremen, ultravioletten Licht.

Quelle: Nasa

Göttingen. Die Wellenfronten, welche die Forscher in Daten vom 26. Januar und 2. Februar 2010 detektierten, erstreckten sich über mindestens eine halbe Million Kilometern und breiteten sich mit Geschwindigkeiten von etwa 300 Kilometern pro Sekunde aus.

Sie treten kurz nach einem schwachen Röntgenblitz auf, unterscheiden sich jedoch deutlich von dieser typischerweise gebündelten Form des Strahlungsausstoßes. Koronale Massenauswürfe als Auslöser der Wellen wurden nicht beobachtet.

Das gelang unabhängig voneinander den Forschern um Nariaki Nitta vom Lockheed Martin Advanced Technology Center in den USA und um Dr. Radoslav Bucík vom Max-Planck-Institut für Sonnensystemforschung (MPS) in Göttingen „Das neue Phänomen gleicht einer Art Explosion“, so Bucík.

Zeitgleich mit der explosionsartigen EUV-Welle schleudert die Sonne helium-3-reiche Teilchenströme ins All. Solche Ausstöße sind seit Jahren bekannt, ließen sich bisher jedoch nicht erklären. „Wir glauben nun, dass die EUV-Wellen, die Helium-3-Teilchen beschleunigen“, so Dr. Davina Innes vom MPS.

„Unsere Auswertungen zeigen, dass die Eigenschaften der Wellenfront, wie etwa ihre Energie, auch die Eigenschaften der Teilchen beeinflusst“, fügt ihre MPS-Kollegin Dr. Lijia Guo hinzu. Wie dies genau geschieht, ist jedoch noch immer unklar. Die Forscher vermuten einen noch unverstanden Mechanismus, der die Teilchen ins All beschleunigt.

Um sowohl das Wellenphänomen, als auch die Helium-3-Ausstöße zu beobachten und so den Zusammenhang zwischen beiden zu erkennen, war ein zweifacher Blick auf die Sonne nötig. Da sich die Sonne dreht, verlassen ausgestoßene Teilchen den Stern auf gebogenen Bahnen ähnlich wie die Wasserstrahlen eines rotierenden Rasensprengers.

Die Teilchen, die die Erde erreichen, haben deshalb ihren Ursprung auf der von der Erde aus betrachtet rechten Seite der Sonne. Diese Ursprungsregion ist von der Erde aus nicht gut sichtbar.

Die Aufnahmen gelangen mit der Raumsonde „Stereo A“. Während die erdnahe Sonde ACE den Helium-3-reichen Teilchenstrom detektieren konnte, lieferte deshalb Stereo A Aufnahmen ihrer Ausgangsregion – und der zeitgleichen EUV-Welle.

Die Forscher glauben, dass das neue Phänomen kein seltenes ist, sondern sich nur bisher nicht beobachten ließ. „Leider wird sich aber auf absehbare Zeit keine weitere Beobachtungsmöglichkeit bieten“, beklagt Bucík.

 

Zwillingssonden umkreisen die Sonne

Stereo A ist eine von zwei Zwillingssonden der Nasa, die 2006 ins All startete. Die Sonden, genannt A und B, umkreisten die Sonne in entgegengesetzter Richtung und ermöglichten so einen dreidimensionalen Blick auf unser Zentralgestirn. Seit dem Ausfall von Stereo B im Oktober vergangenen Jahres kreist Stereo A im Alleingang weiter.

Erst 2025 wird Stereo A wieder dieselbe günstige Beobachtungsposition auf der rechten Seite der Sonne einnehmen wie bereits 2010. ACE (Advanced Composition Explorer) ist eine Raumsonde der Nasa. Seit 1997 untersucht sie solare, interstellare und kosmische Teilchen von einem Beobachtungsstandort in der Nähe der Erde.

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