Volltextsuche über das Angebot:

9 ° / 8 ° Regenschauer

Navigation:
Neues Institut der Universitätsmedizin Göttingen eröffnet

Signal von Gehirn und Nerven zur Prothese Neues Institut der Universitätsmedizin Göttingen eröffnet

Biomedizinische Signalverarbeitung steht im Mittelpunkt der Forschung am neuen Institut für Neurorehabilitationssysteme der Universitätsmedizin Göttingen.

Voriger Artikel
Universitätsmedizin eröffnet Institut für Neurorehabilitationssysteme
Nächster Artikel
Vor 70 Jahren: Uni Göttingen öffnet als eine der ersten Hochschulen wieder

Hat sich vor fünf Jahren für die Prothese entschieden: Patrick Mayrhofer.

Quelle: Theodoro da Silva

Göttingen. Bei der Eröffnung am Freitag berichtete der armamputierte Patrick Mayrhofer aus Wien, welche Erfahrungen mit einer orthobionischen Armprothese er seit fünf Jahren macht.

Nach einem Unfall mit Starkstrom konnte der Patient seine linke Hand nicht mehr nutzen. Operationen brachten nicht den erhofften Erfolg. Mayrhofer entschied sich für die Prothese, deren Funktion er zuvor kennenlernen konnte. „Sechs Wochen nach der Amputation konnte ich mehr tun, als die drei Jahre zuvor“, berichtete der junge Mann im Gespräch mit Orthobionik-Professor Cornelius Frömmel in der Paulinerkirche bei dem Symposium zur Eröffnung des seit April bestehenden Instituts.

Dessen Direktor Prof. Dario Farina erklärte, sein Ziel sei es, neue medizinische Möglichkeiten zu schaffen auf dem Gebiet der biomedizinischen Signalverarbeitung. Sein Team erarbeitet Methoden zur Interaktion zwischen Mensch und Maschine unter Nutzung von Muskel-, Nerven- und Gehirnsignalen. Das ist von großer Bedeutung, um Prothesen zu verbessern.

Am Institut für Neurorehabilitationssysteme werden dazu sowohl die nervalen Prozesse der Muskelbewegung als auch die Biomechanik der Muskulatur und der Gelenke menschlicher Extremitäten untersucht. Dafür setzen die Forscher auch verschiedene mathematische Verfahren ein, um die Bewegungsmuster von gesunden und kranken Menschen zu simulieren. Farina, seit 2010 UMG-Professor für Biomedizinische Neuroinformatik und -stimulation, arbeitet mit vielen Partnern in der klinischen Medizin und der Industrie, insbesondere dem Duderstädter Unternehmen Ottobock Healthcare, zusammen.

Damit folge Farina, der in Italien und Dänemark tätig war, bevor er nach Göttingen kam, der mehr als 100 Jahre alten Tradition an der Universität Göttingen: „Hier kooperieren Grundlagenforschung und Industrie erfolgreich“, sagte Prof. Ulf Diederichsen, Vizepräsident der Universität Göttingen. Dazu komme die Vielzahl der verschiedenen wissenschaftlichen Disziplinen, die in dem Institut vertreten seien, betonte Prof. Heyo K. Kroemer, UMG-Vorstandschef, der den Blick auf die Interdisziplinarität des neuen Instituts richtete.

Die Verbesserung von den Prothesen, wie sie Mayrhofer trägt und über sein Nervensystem und Gehirn steuert, ist bei aller Komfortabilität auch der Wunsch des Patienten. Mayrhofer erklärte, dass seine bionische Hand über zwei Funktionen verfügt: Er kann sie drehen und damit greifen. Für den Wechsel zwischen diesen Funktionen, die Hand zu steuern und zu kontrollieren, sei viel Training erforderlich. „Das zu verbessern, wäre mein Wunsch an die Forschung“, erklärte Mayrhofer, der seit zwei Jahren für die Firma Ottobock, die ihm ermöglichte, seine Prothese in der Erprobung zu testen, beruflich tätig ist.

Voriger Artikel
Nächster Artikel
Ausstellung „on/off“ über den Nobelpreis in der Alten Mensa Göttingen