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Neues Lager für Chemikalien der Uni Göttingen

1000 giftige Substanzen Neues Lager für Chemikalien der Uni Göttingen

Die Tageblatt-Serie „Campus-Ansichten“ bietet Einblicke und Ausblicke, die die Universität und Forschungsinstitute in Göttingen von Seiten zeigen, die nur wenigen Menschen bekannt sind. Um das Chemikalienlager geht es in Folge 21.

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Dekan Philipp Vana (links) und Sicherheitsingenieur Friedhelm Kost öffnen die Tür zu einer der Räume des neuen Chemiekalienlagers.

Quelle: CH

Göttingen. Einem Bunker ähnelt das graue, fensterlose Gebäude, das Anfang 2015 hinter der Fakultät für Chemie auf dem Norcampus eröffnet worden ist. In dem Bau mit den massiven Wänden befindet sich das zentrale Chemikalienlager. Es hält auf 540 Quadratmetern mehrere 1000 Substanzen vorrätig.

Handverlesen ist die Schar der Universitätsbediensteten, die Schlüssel zu dem Gebäude haben. Dekan Prof. Philipp Vana (44) und sein Referent, Sicherheitsingenieur Friedhelm Kost (60), gehören dazu; außerdem die drei Mitarbeiter des Lagers. Kein Fremder darf die Räume alleine betreten. Die strengen Regeln haben einen guten Grund: hochgiftige Substanzen werden gelagert: ätzend, krebserregend, leicht entzündlichen oder explosiv sind die Chemikalien.

Die Sicherheitsanforderungen des Gebäudes, in dessen 20 Räumen drei bisher getrennte Lager zusammengeführt worden sind, liegen hoch. Der Technische Überwachungsverein (Tüv) hat die Einrichtungen abgenommen und überprüft sie alle drei Jahre. Eine starke Lüftung wälzt die Raumluft innerhalb einer Stunde achtmal um. „So können keine explosiven Gasmischungen entstehen“, erklärt Kost. Die Lampen und elektrischen Geräte sind durchweg explosionsgeschützt. Die Lichtschalter befinden sich außen auf dem Flur.

In Räumen, in denen Flaschen mit Flüssigkeiten stehen, dient ein Gitterrost als Fußboden. „Fällt eine Flasche herunter, läuft die Flüssigkeit sofort ab und wird in einer großen Wanne aufgefangen“, erläutert Kost. Treffen Spritzer den Mitarbeiter, kann er die Notdusche benutzen, die es in jedem Lagerraum gibt. Die Augen lassen sich mit einer speziellen Vorrichtung ausspülen. Und wenn irgendwo ein Feuer entsteht, strömen Gase aus Öffnungen in der Decke, die es sofort zum Verlöschen bingen.

Aus Sicherheitsgründen erfolgt das Befüllen von Flaschen mit Flüssigkeiten wie Aceton, Chloroform oder Tuluol automatisch. Mehrere Glaskästen mit jeweils einigen Hähnen gibt es in der Abfüllanlage. Mitarbeiter stellen die Flaschen an den richtigen Ort. Bedienen müssen sie den Hahn über ein Display an der Wand. Die Anlage ermöglicht es der Universität, die Flüssigkeiten fassweise und damit günstiger zu kaufen.

Noch befindet sich das Chemikalienlager in der Aufbauphase. Erst 15 der 35 Kubikmeter Lagerraum werden genutzt. Es soll wachsen und später auch die Versorgung anderer wissenschaftlicher Einrichtungen des Nordcampus mit Chemikalien übernehmen. Bisher gehen im Lager 50 bis 100 Bestellungen am Tag über den Computer ein. Das Programm hat ein Universitätsmitarbeiter, Daniel Frank, geschrieben. „Stoffe, die nicht vorrätig sind, lassen sich über Nacht bei verschiedenen Großhändlern ordern“, sagt Dekan Vana.

Das Lager nimmt auch Abfälle an, die in den chemischen Instituten anfallen. „55 Kubikmeter Flüssigkeiten und 15 Kubikmeter feste Stoffe sind das im Jahr“, weiß Kost. Die Wissenschaftler müssen die Zusammensetzung der von ihnen abgegebenen Abfälle detailliert protokollieren.

Von Michael Caspar

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