Volltextsuche über das Angebot:

7 ° / 6 ° wolkig

Navigation:
Neurowissenschaftliche Erkenntnisse über das Riechen

Wie der Kölner Dom Neurowissenschaftliche Erkenntnisse über das Riechen

Warum der Mensch zwei Nasenlöcher hat? Zwei Augen braucht er, um dreidimensional sehen zu können, und mit zwei Ohren ist zu hören, woher ein Geräusch kommt. Zwei Nasenlöcher jedoch? Bisher hat die Forschung diesbezüglich keine nachvollziehbare Antwort gefunden.

Voriger Artikel
Ägyptologe Loprieno hält Julius-Wellhausen-Vorlesung
Nächster Artikel
Göttinger Forscher entdecken erste Fossilien von Klebfallen einer fleischfressenden Pflanze

Der Duft von Keksen: Ihr Geruch wird von jedem Menschen unterschiedlich wahrgenommen.

Quelle: dpa

Göttingen. Auch ansonsten wird das Potenzial des Sinnesorgans Nase eher stiefmütterlich wahrgenommen: Das haben Dr. Ivan Manzini und Prof. Johannes Frasnelli, die bei der „Denk-Bar“ im Apex als Experten zum Thema „Riechstörungen“ so dargestellt.

Jeder Fünfte, hat nach Angaben von Frasnelli, der in Kanada an der Universität von Québec in Trois-Rivières lehrt, Probleme mit dem Riechen. Häufig falle das den Betroffenen erst spät auf oder gar nicht. Ganz anders als bei Menschen, denen das Augenlicht erlischt oder deren Hörfähigkeit abnimmt. Auch bei Kindern, die von Geburt an nicht riechen können, falle das erst in späteren Jahren auf. Dabei ist im Riechorgan ordentlich was los, kommentiert der Neurophysiologe der Göttinger Universität Manzini. Dort finden sich Hüllzellen, Körnerzellen, periglomeruläre Zellen, Vorläuferzellen, Basalzellen, Mitralzellen und noch einiges mehr, was für den Laien klingt wie von einem anderen Stern.

Die Nase ist ein komplexes System und wie Manzini sagt, bei nahezu jeder Spezies gleich aufgebaut und gleichzeitig gebe es aller Wahrscheinlichkeit nach keine zwei Menschen, mit denselben Riechfähigkeiten. Grund dafür sind die beinah 400 sogenannten olfaktorischen Rezeptoren, die in unterschiedlicher Kombination in unserer Nase stecken und die die Geruchsmoleküle aufspalten, um uns so einen Sinneseindruck zu hinterlassen. Wir alle nehmen also der Theorie nach, Gerüche unterschiedlich wahr.

Wie der Kölner Dom

Aber nicht nur unsere Nase kann riechen, auch Fettgewebe, Nebennieren, Darm, Leber, Eierstöcke und Spermazellen besitzen olfaktorische Rezeptoren und seien damit in der Lage Gerüche zu verarbeiten. Zum Glück hinterlassen sie dabei keinerlei Wahrnehmung im Gehirn. 

Schon länger ist bekannt, dass wir ohne das Riechen auch nicht schmecken könnten, zumindest nichts über die Geschmacksqualitäten süß, salzig, sauer, bitter und umami (herzhaft) hinaus. Zum Beweis werden Kaubonbons herumgereicht, auf denen mit zugehaltener Nase gekaut werden soll. Erst nach einer kurzen Weile darf die Nase befreit werden und die Aromen, die dann von hinten über den Gaumen durch die Nase strömen, verraten den Probanden im Publikum endlich die Geschmacksrichtung des Kaubonbons. Frasnelli sagt, die Nase sei wie der Kölner Dom. Wenn man erstmal durch die Tür hindurch ist, sprich den Nasenlöchern, dann eröffne sich eine gigantische Halle. 

Das Neuroforum „Denk-Bar“ wird veranstaltet vom  Exzellenzcluster und DFG-Forschungszentrum für Mikroskopie im Nanometerbereich und Molekularphysiologie des Gehirns (CNMPB).

Von Serafia Johansson

Voriger Artikel
Nächster Artikel
Uni Göttingen begrüßt zum #unistartgoe Studienanfänger