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Nobelpreisträger Michel über Energie und Motoren

Science Festival am Göttinger Xlab Nobelpreisträger Michel über Energie und Motoren

„Wer etwas gegen den Klimawandel tun will, sollte in Wüsten Solar-Kraftwerke errichten und mit dem dort gewonnenen Strom Elektromotoren antreiben“, meint der Frankfurter Biochemiker Hartmut Michel (67). Er sprach am Dienstag beim Science Festival des Xlabs auf dem Uni-Nordcampus vor 500 Schülern.

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Quelle: Hinzmann

Göttingen. Die Kombination von Solarenergie und Elektromotoren, so der Nobelpreisträger von 1988, sei um den Faktor 500 effizienter, als die Nutzung von Biokraftstoffen oder Biomasse in Verbrennungsmotoren. „Warum verkauft uns die Politik dann aber letzteres als Lösung des Problems“, erkundigte sich eine der Zuhörerinnen. Michel deutete den Einfluss der Agrarlobby an: „Bauern verdienen mit dem Anbau von Mais für die Biogasproduktion doppelt so viel wie mit dem Anbau von Weizen.“

Der Professor ist in Frankfurt am Main Direktor am Max-Planck-Institut für Biophysik, an dem 200 Wissenschaftler und Techniker über Membranproteine forschen. Diese Stoffe spielen bei der Photosynthese eine Rolle. Sie ermöglichen es Pflanzen, unter Nutzung von Sonnenlicht aus Kohlendioxid und Wasser Zucker herzustellen.

„Effizient ist dieser Prozess allerdings nicht“, stellte Michel klar. Pflanzen nutzten vom einstrahlenden Licht weniger als die Hälfte. Davon wiederum könne eine Pflanze maximal ein Drittel speichern. Das habe verschiedene Ursachen. So schlössen sich bei intensiver Sonnenstrahlung die Blattöffnungen, damit weniger Wasser verdunste. Die Folge: Ausgerechnet dann, wenn viel Licht da sei, könne die Pflanze weniger Kohlendioxid aufnehmen. So liege die Ausbeute am Ende nur bei maximal zwölf Prozent der zugeführten Energie. Zum Vergleich: Eine Photovoltaikzelle komme heute auf 20 Prozent. Pflanzenzüchtungen könnten das Problem nicht grundlegend beheben.

„Da der Anbau von Pflanzen zudem noch den Einsatz von Dünger, Traktordiesel und Spritzmittel benötigt, verschlechtert sich die Energiebilanz von Biodiesel oder Biomasse zusätzlich noch einmal erheblich“, führte Michel aus. Besonders schlecht schneide Biodiesel ab. Selbst wenn Bauern auf der gesamten landwirtschaftlichen Nutzfläche Deutschlands, 150.000 Hektar, Raps anbauten, reiche der so gewonnene Kraftstoff nur für ein Zehntel der Fahrzeuge des Landes aus.

Bei Biomasse sei die Energiebilanz besser, so der Professor, aber der Boden lauge stärker aus. Noch besser seien die Werte bei Palmöl. Für seine Gewinnung aber werden Regenwälder abgeholzt, was den Klimawandel am Ende sogar noch beschleunige. Am effizientesten ist nach Angaben von Michel die Verkohlung von Biomasse aus schnellwachsenden Pflanzen wie Pappeln.

Der Wissenschaftler spricht sich jedoch für einen anderen Ansatz aus. Er setzt auf Solarkraftwerke in Wüstengebieten. Die Herausforderung sei dort der Transport des Stroms zum Verbraucher. Mit dem Stom ließen sich Elektromotoren antreiben. Diese setzten 80 Prozent der Energie in Antrieb um. Bei Verbrenungsmotoren seien es 20 Prozent. Der Rest verpuffe als Wärme, so Michel.

Von Michael Caspar

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