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Festakt mit Ministern

Nordwestdeutsche Forstliche Versuchsanstalt Festakt mit Ministern

Praxisnahe Forschung betreiben die 200 Mitarbeiter der Nordwestdeutschen Forstlichen Versuchsanstalt. Vor zehn Jahren ist sie von den Bundesländern Hessen, Niedersachsen und Sachsen-Anhalt gegründet worden. Das feierte die Einrichtung am Freitag.

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Gastgeber und Ehrengäste:Prof. Hermann Spellmann; Dr. Christiane Holländer, Hermann Onko Aeikens, Staatssekretärin Beatrix Tappeser und Minister Christian Meyer (v.l.)

Quelle: Wenzel

Göttingen. Anlass für die Gründung war der Druck zur Haushaltskonsolidierung. „Ein Viertel des Budgets sollten unsere Vorgängereinrichtungen, die Versuchsanstalten in Hessen und Niedersachsen, seinerzeit einsparen“, erinnerte sich Prof. Hermann Spellmann, der Direktor der Anstalt, vor 100 Gästen. Mit der Fusion, an der sich auch Sachsen-Anhalt beteiligt habe, sei es gelungen, die „kritische Masse an Wissenschaftlern“ zusammenzuhalten. So könnten sie weiterhin Waldbesitzer und Forstbetriebe, Verwaltungen und Politik beraten.

„Ein solcher Zusammenschluss ist nicht selbstverständlich“, betonte Spellmann. Sachsen habe seinerzeit nicht mit dem „armen Bundesland“ Sachsen-Anhalt zusammenarbeiten wollen. In Mecklenburg-Vorpommern und Brandenburg sei die Fusion an „Egoismen“ gescheitert.

Baden-Württemberg und Rheinland-Pfalz planten den Zusammenschluss als „feindliche Übernahme“ und erlitten damit Schiffbruch. Die Nordwestdeutschen seien dagegen so erfolgreich, dass sich ihnen 2011 Schleswig-Holstein angeschlossen habe. „Obwohl wir der kleinste Partner sind, werden wir auf Augenhöhe behandelt“, hob Christiane Holländer vom schleswig-holsteinischen Ministerium für Energiewende, Landwirtschaft, Umwelt und ländliche Räume, hervor.

„Ich hoffe, dass weitere Länder dazukommen“, erklärte der Niedersächsische Minister für Ernährung, Landwirtschaft und Verbraucherschutz, Christian Meyer (Grüne). Der Minister kündigte an, Hannover werde den Neubau des Gebäudes III an der Grätzelstraße finanzieren. Es versackt im moorigen Untergrund. Der Politiker: „Das wird uns einiges kosten, die Versuchsanstalt ist uns aber auch einiges wert.

Die Forscher seien ein „unverzichtbarer Partner“, erklärte Sachsen-Anhalts Minister für Landwirtschaft und Umwelt, Hermann Onko Aeikens (CDU). Derzeit werde ihre Expertise etwa beim Kampf gegen den Eichenprozessionsspinner benötigt. Staatssekretärin Beatrix Tappeser vom Hessischen Ministerium für Umwelt, Klimaschutz, Landwirtschaft und Verbraucherschutz berichtete von der Hilfe der Wissenschaftler im Rhein-Main-Gebiet.

Dort befinden sich Waldgebiete unter anderem aufgrund des Baus von Verkehrswegen und Sturmschäden in „Auflösung“.  Auf elf Millionen Euro beläuft sich das Jahresbudget der Versuchsanstalt. Weitere 3,1 Millionen warb sie 2015 an Drittmitteln ein.

Bilder: gtrul.de/NFVA

Wagner fordert Pragmatismus

Göttingen. Aus der Forstwirtschaft stammt der Begriff der Nachhaltigkeit. Der oberste Bergbauchef des Erzgebirges prägte ihn 1713. Seit er in der Ökologie-Debatte Ende der 1980er-Jahre aufgegriffen wurde, hat sich seine Bedeutung deutlich erweitert, berichtete Prof. Sven Wagner in seinem Festvortrag zum zehnjährigen Bestehen der Nordwestdeutschen Forstlichen Versuchsanstalt (NFVA).

„Hans Carl von Carlowitz ging es bei der Nachhaltigkeit um den Holzertrag“, betonte der Professor für Waldbau an der Technischen Universität Dresden. Um auch in Zukunft Bäume für den Bergbau schlagen zu können, habe Carlowitz durchgesetzt, dass nur so viele Exemplare gefällt werden, wie nachwachsen. Jahrhundertelang habe niemand außerhalb der Forstwirtschaft von diesem Konzept Kenntnis genommen.

Die Brundtland-Kommission für Umwelt und Entwicklung der Vereinten Nationen habe den Begriff zur „nachhaltigen Entwicklung“ erweitert, so Wagner. Nun gehe es nicht mehr nur um wirtschaftliche, sondern auch um ökologische und soziale Aspekte. In der Debatte um Erhaltung der Biodiversität (Artenvielfalt) und der Bodenfruchtbarkeit gerate jedoch der Gegenwartsnutzen des Waldes aus dem Blick.

Nur wenn die Eigentümer aus der Erhaltung des Waldes Nutzen ziehen, setzen sie sich auch für ihn ein. In Deutschland sei das der Fall. Dort sei in den vergangenen 300 Jahren keine waldtypische Pflanzenart ausgestorben. In den Tropen dagegen werde Kahlschlag betrieben, weil Sojafelder mehr Nutzen versprechen.

Der Wald, so der Wissenschaftler, komme nur artenreich und vital mit dem Klimawandel zurecht. Wagner warb im Umgang mit den Herausforderungen der Zukunft für „Pluralismus und Pragmatismus“. Es müsse ein Nebeneinander geben: Kiefer- und Fichten-Monokulturen für wirtschaftliche Effizienz und an anderer Stelle ein sich natürlich entwickelnder Wald. Wagner, früher NFVA-Leiter des Bereichs Waldbautechnik, ist seit 1999 in Dresden tätig.  mic

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