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Ohne tausend Fußnoten

Meik Woyke über Public History Ohne tausend Fußnoten

Mit neuen Wegen zur Geschichte beschäftigt sich eine Vortragsreihe an der Universität Göttingen. Über Public History und die Arbeit einer politischen Stiftung sprach Meik Woyke, Friedrich-Ebert-Stiftung.

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Eine Ausstellung über Willy Brandt (hier mit dem sowjetischen Botschafter Valentin Fallen) gehört zu den klassischen Projekten der Friedrich-Ebert-Stiftung.

Göttingen. Geschichtliche Themen haben Konjunktur. Historische Romane verkaufen sich genauso gut wie Krimis mit geschichtlichem Hintergrund, TV-Sendungen zur Geschichte haben ihre festen Sendeplätze. Wie aber gehen Geschichtswissenschaftler und Mittler von Geschichte mit diesem Interesse um? Dr. Frauke Geycken, Institut für Mittlere und Neuere Geschichte, hat die Vortragsreihe organisiert.

Die Wissenschaftler, so meint sie, müssen ihren Elfenbeinturm verlassen und sich einbringen. Meik Woyke, Redaktion des Archivs für Sozialgeschichte bei der Friedrich Ebert-Stiftung, sprach über „Public History an der Schnittstelle von Geschichte, Wissenschaft und Politik“.Public History, so Woyke, was soll das eigentlich sein?

Für ihn ginge es darum Themen wissenschaftlich fundiert, aber eben auch attraktiv aufzubereiten. Akademisch abgesichert solle es sein, aber eben nicht immer das dicke Buch „mit Tausenden Fußnoten und darüber drei Zeilen Fließtext“.Politische Bildungsarbeit ist eines der Ziele der Friedrich-Ebert-Stiftung, die der SPD nahesteht.

„Die Stiftung“, so Woyke, „versammelt sozusagen das Archiv der Sozialdemokraten.“ 55 Kilometer ergeben die gesammelten Akten Rücken an Rücken aufgestellt. Für Projekte wie Ausstellungen, Workshops oder Bücher versuchen Woyke und seine Kollegen herauszufinden, was gerade von hohem Interesse ist. Themen wie die Räterepublik waren in den 1960ern und 1970er Jahren sehr gefragt. Heute dagegen interessiert eher soziale Gerechtigkeit und Demokratiegeschichte.

Meik Woyke von der Friedrich-Ebert-Stiftung.

Quelle: r

Dabei fühlt er sich als Wissenschaftler – Woyke hat Geschichte, Germanistik und Erziehungswissenschaften studiert und arbeitete unter anderem zwei Jahre als wissenschaftlicher Mitarbeiter der Forschungsstelle für Zeitgeschichte in Hamburg – unabhängig. „Ich bewege mich in einem bestimmten Wertekanon, leiste fundierte historische Arbeit, nicht Hofberichterstattung.“Ausstellungen etwa über „Willy Brandt -Ein politisches Leben“ oder den Widerstand im 3. Reich sind die klassische Projekte.

Verstärkt wurden aber auch die Bemühungen im Internet, ein Quellen- und Videoportal aufgebaut und für Nutzer die Möglichkeit geschaffen, eigene Beiträge einzustellen. Zum Beispiel zum Thema sozialdemokratischer Erinnerungsort.Besonders erfolgreich, so Woyke, war in der vergangenen Zeit ein History Camp, das er zusammen mit dem Haus der Geschichte organisiert hat. Unter dem Motto Open History können  die Teilnehmer hier selber festlegen, worüber sie diskutieren wollen. 300 Teilnehmer hatte die zweitägige Tagung.

Kommende Veranstaltungen:

Die nächsten Vorträge in der Reihe „Wissenschaft und Öffentlichkeit-Neue Wege zur Geschichte“:

Mittwoch, 1. Juni, Stefan Bergmann, DAMALS – Ein Geschichtsmagazin im Spannungsfeld zwischen Wissenschaft und Öffentlichkeit. 8. Juni, Dr. Jens-Christian Wagner, Stiftung Niedersächsische Gedenkstätten, Celle  Lernen aus heilloser Geschichte. Ein Plädoyer für eine zukunftsfähige Gedenkstättenarbeit. 

15. Juni Dr. Regina Löneke, Göttingen, PD Dr. Ira Spieker, Institut für Sächsische Geschichte und Volkskunde Dresden, Zur Repräsentation eines nationalen Gedenk-ortes: Von der wissenschaftlichen Analyse zur theatralen Vermittlung am Beispiel des Grenzdurchgangslagers Friedland.

22. Juni, Dr. Barbara Beuys, Köln Wenn die Grabplatten sich öffnen. Mit Sachbüchern Menschen und Zeiten lebendig machen. Beginn ist jeweils um 14 Uhr im Zentralen Hörsaalgebäude, Platz der Göttinger Sieben, Hörsaal 008. 

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