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Organ-Karten für Göttinger Chirurgen

Digitalisierung in der Medizin Organ-Karten für Göttinger Chirurgen

Nachrichten lesen, einkaufen, Urlaubsfotos teilen – für viele Menschen sind Geräte wie Laptops, Tablet-Computer und Smartphones eine Art Schaltzentrale des modernen Lebens. Über das Internet wird kommuniziert und informiert. Längst gehört es auch für viele Bars, Cafes, Bahnhöfe und Hotels zum Standard, ihren Gästen einen Internetzugang bereitzustellen.

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Moderne Technik in den unterschiedlichsten Formen: Vorbereitung auf eine Operation am offenen Herzen.

Quelle: Oliver Berg

Göttingen. Aber es gibt auch Orte, an denen das Internet und die Digitalisierung immer wichtiger werden, ohne dass man es zunächst vermutet hätte. Zum Beispiel in der Arztpraxis oder im OP.

In seinem Vortrag „Der digitale Patient – Wie die Digitalisierung der Medizin die Chirurgie verändern wird“ berichtet Prof. Heinz-Otto Peitgen vom Bremer Fraunhofer-Institut für Bildgestützte Medizin Mevis über die jüngsten Entwicklungen der digitalen Medizin. Sein Beitrag im Alten Rathaus ist der letzte Teil der 10. Göttinger Akademiewoche zum Thema „Digitales Wissen: Wie verändert sich die Wissenschaft?“.

Peitgen nennt das Internet die wahrscheinlich mächtigste Innovation unserer Zeit, die in Zukunft die Medizin ganz wesentlich verändern werde. So sagt er die Weiterentwicklung von Sensoren voraus, die die Gesundheitsdaten eines Patienten messen und sammeln können. „Diese Sensoren werden so miniaturisiert, dass sie jederzeit getragen werden können“, meint Peitgen. So könne etwa der Blutdruck lückenlos überwacht werden.

Lückenlose Überwachung des Blutdrucks

Für den Wissenschaftler ist das vermehrte Sammeln von Daten eine der wichtigsten Errungenschaften der neuen Medizin. So habe sich die Medizin bislang auf Statistiken und Mittelwerte gestützt. „Aber jeder von uns spürt, dass eine Erkrankung eine höchst individuelle Angelegenheit ist“, sagt er. Je mehr Messdaten zu einem Patienten vorliegen, desto individueller könne eine Behandlung stattfinden, erklärt er.

In einem Video zeigt der Wissenschaftler ein konkretes Beispiel. Bei einer Operation an einer Leber filmt der Chirurg das Organ mit einem Tablet-PC. Auf dem Bildschirm ist zu sehen, wie ein Computerprogramm die Gefäßstruktur der Leber farblich absetzt.

Individuelle Behandlung der Patienten

Es arbeite wie eine Karte, die den Chirurgen den richtigen Weg zeige, sagt Peitgen. Generiert werde diese Karte auf Basis computertomografischer Aufnahmen. So wenig Gewebe wie möglich zu entfernen, um die Leber so funktionstüchtig wie möglich zu erhalten, sei das Ziel dieser Behandlung.

Doch nicht nur die Medizin selbst werde sich durch das Internet verändern, meint Peitgen, sondern auch der Patient. „Er tritt nun selbstbewusst auf. Er stellt Fragen. Und er übt auch Kritik“, prognostiziert der Wissenschaftler. Weil der Erkrankte über das Internet leicht an Informationen gelange, werden sich Arzt und Patient künftig auf Augenhöhe begegnen, glaubt Peitgen: „Der Patient wird bei dem Kontakt mit dem Arzt so etwas wie ein Partner.“

Während der Reihe der Akademie der Wissenschaften zu Göttingen gab es vier Vorträge zum Thema „Digitales Wissen – Wie verändert sich die Wissenschaft?“.  Rund 500 Besucher kamen zu den Veranstaltungen im alten Rathaus.

Von Daniela Lottmann

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