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Orientalisten und der Hass auf den Islam

Diskussion in der Paulinerkirche Orientalisten und der Hass auf den Islam

Über „Orientalistik und Islam: Islamophilie, Islamophobie und das Unbehagen in der Islamwissenschaft’“ haben die emeritierten Professoren Werner Ende aus Freiburg und Udo Steinbach aus Marburg diskutiert. 200 Zuhörer waren in die Paulinerkirche gekommen. 

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Islamwissenschaftler: Steinbach, Ende und Gastgeber Jens Peter Laut (von links) in der Paulinerkirche.

Quelle: Hinzmann

Wenn hunderttausende Deutsche in die Türkei auswandern würden, gäbe das auch Probleme“, erklärte Werner Ende auf die Frage nach Islamophobie, Islamfeindschaft, in Deutschland. Taxifahrer in Istanbul würden ablehnend auf „die Christen und Schweinefleischfresser“ reagieren, die ihnen den Arbeitsplatz streitig machten. Die Gegenwart zeige, wie schwer sich muslimische Gesellschaften mit ethnischen und konfessionellen Minderheiten täten. Es handele sich also um kein deutsches Problem, betonte der Islamwissenschaftler in der vom Seminar für Arabistik/Islamwissenschaft, Seminar für Turkologie und Zentralasienkunde und Centrum Orbis Orientalis der Universität Göttingen organisierten Veranstaltung.

Udo Steinbach verortete islamophobe Einstellungen in der deutschen Gesellschaft vor allem bei Politikern, die sich an der öffentlichen Meinung orientierten, Medien, denen es um Sensationen gehe, und Lobbygruppen, die sich für Israel stark machten. Islamwissenschaftler müssten Brücken bauen, forderte der Professor. Sie hätten daraufhin hinzuweisen, dass der Islam an sich nicht gewalttätig sei und sich durchaus mit der Moderne vereinbaren lasse. 

Tiefgreifender Wandel

Seit der Islamischen Revolution im Iran 1978/79 erwarte die Gesellschaft von Islamwissenschaftlern Stellungnahmen zu tagesaktuellen Fragen, so Steinbach. Das Fach habe seither einen tiefgreifenden Wandel erlebt. Früher hätten sich Kollegen, die nicht mindestens 500 Jahre alte Handschriften studierten, kaum Hoffnungen auf eine akademische Karriere machen können, erinnerte sich Ende.  

Mittlerweile haben sozialwissenschaftliche Methoden Einzug gehalten, hoben beide Professoren hervor. Die Beschäftigung mit aktuellen Themen nimmt nun allerdings soviel Raum ein, dass Ende für eine Rückbesinnung auf die Philologie und die Geschichtsschreibung des frühen Islams warb. 

Auch solche Wissenschaftler müssten „politisches Verständnis“ mitbringen, forderte Steinbach. Der „Gau“ der Disziplin sei ein Auftritt der islamophilen und etwas weltfremden Orientalistin Annemarie Schimmel 1989 in einer Talkshowsendung gewesen. Schimmel hätte dort den Eindruck erweckt, das Todesurteil iranischer Ayatollahs gegen den Schriftsteller Salman Rushdie zu billigen, so der Professor aus Marburg.

Michael Caspar

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