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Neuer Ort für Nakba-Ausstellung

Veranstalter kritisieren Verschiebung Neuer Ort für Nakba-Ausstellung

Die Ausstellung „Die Nakba - Flucht und Vertreibung der Palästinenser 1948“ wird noch in diesem Jahr in Göttingen eröffnet. Nach der vorläufigen Absage der Schau in der Universität sollen die Informationstafeln in der Galerie Alte Feuerwache ab Mittwoch, 30. November, gezeigt werden.

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Informationen zur Nabka-Ausstellung

Informationstafeln der Wanderausstellung des Vereins „Flüchtlingskinder im Libanon“.

Quelle: r

Göttingen. Die Galerie zeigt aktuell die Ausstellung „Wall“ mit Fotografien von Kai Wiedenhöfer. Die Aufnahmen zeigen die Mauer zwischen Israel und den besetzten palästinensischen Gebieten. Die nachfolgende Nakba-Ausstellung werden die Universitätsprofessoren Irene Schneider und Kai Ambos mit der Göttinger Regionalgruppe der Deutsch-Palästinensischen Gesellschaft veranstalten. Arabistikprofessorin Schneider teilte die nun für 30. November geplante Ausstellungseröffnung mit. Die von der Universitätspräsidentin am Sonntag beschlossene nochmalige Verschiebung der Nakba-Ausstellung „ist indiskutabel“, erklärte Schneider am Montag. Das heiße aber auch nicht, dass die Ausstellung zum späteren Zeitpunkt nun nicht mehr an der Universität stattfinden solle.

Explizit auf mögliche Konflikte hingewiesen

Die Inhalte der vom Verein „Flüchtlingskinder im Libanon“ seit 2008 gezeigten Wanderausstellung sind seit Ende Oktober kontrovers diskutiert worden, als die Eröffnung von Ausstellung und Vortragsreihe für den 1. November angekündigt wurden: Der Allgemeine Studierendenausschuss forderte die Absage, jüdische Gemeinden kritisierten die einseitige Darstellung. Die Ausstellung basiere „schlicht und ergreifend auf historischen Fakten“, betonte Schneider und fügte hinzu: „Was in Israel völlig neutral diskutiert wird, ist hier nicht aussprechbar“.

Termin

Die Ausstellung „Die Nakba - Flucht und Vertreibung der Palästinenser 1948“ wird am Mittwoch, 30. November, um 18 Uhr in der Göttinger Galerie Alte Feuerwache, Ritterplan 4, eröffnet. Öffnungszeiten: montags bis freitags von 10 bis 12 und 15 bis 18 Uhr, sonntags von 11 bis 13 Uhr (bis 16. Dezember).

Sie könne die Ausstellung verantworten, so Schneider. Die Universitätsleitung will die Ausstellung im Sommersemester 2017 zeigen und hat „entschieden, externe wissenschaftliche Analysen in Auftrag zu geben und erst dann die Ausstellung unter Einbeziehung der Ergebnisse und mit einem adäquaten Raum für Gegenpositionen in der Universität zu zeigen.“ Die Entscheidung bedeute, dass die Universitätspräsidentin die Professoren Schneider und Ambos nicht als neutral sehe, kritisierte Schneider. Sie und ihr Kollege Ambos planen die Ausstellung in Verbindung mit einer Vortragsreihe seit 2015. Die Präsidentin, die rechtzeitig „explizit auf mögliche Konflikte mit der Ausstellung“ hingewiesen worden sei, habe zu kurzfristig reagiert. Universitätspräsidentin Ulrike Beisiegel will noch in dieser Woche die an der Nakba-Ausstellung Beteiligten zu einem Gespräch treffen. Die Professoren wollen ihre Kritik in der nächsten Sitzung des Senats der Universität darstellen.

Bereichernde Kritik

Dossier

Weitere Informationen zur Nakba-Ausstellung selbst und zur Kontroverse darum finden Sie auf unserer Themenseite.

Der Fachschaftsrat (FSR) Sozialwissenschaften und der Allgemeine Studierendenausschuss (AStA) forderten die Absage der Ausstellung. Zur Verschiebung aufs Sommersemester 2017 teilte Vorsitzende Vivien Bohm mit, „nun gilt es sicherzustellen, dass eine unabhängige Überprüfung stattfindet. Die Entscheidung, ob diese Ausstellung zeigbar ist oder nicht, sehen wir durch eine wissenschaftliche Überprüfung deutlich besser gewährleistet als durch das Gerichtsurteil aus Freiburg.“ FSR und AStA kritisieren aber auch die begleitende Vortragsreihe. Diese und die Filme verfolgten eine „antiisraelische Stoßrichtung“. Und Bohm stellt fest, dass seit 2015 lediglich Pläne für eine Veranstaltungsreihe zum Themenkomplex Nahostkonflikt bekannt waren, aber nicht das konkrete Vorhaben. Und dieses sei „in der letztendlich einseitigen Ausgestaltung nicht tragbar.“ Der Fachschaftsrat Sozialwissenschaft bleibt bei seiner Forderung, die Ausstellung abzusagen.

Konstruktive Kritik und frühzeitige Transparenz

Die Fach-/Basisgruppe Arabistik/Islamwissenschaft, Turkologie, Iranistik, Indologie hatte sich für eine kritische Auseinandersetzung mit der Ausstellung ausgesprochen und die Vorgehensweise von AStA und FSR Sowi kritisiert. Zur aktuellen Entscheidung erklärte die Gruppe: „Durch konstruktive Kritik im Vorfeld von Seiten des FSR Sowi und des AStA sowie einer frühzeitigen Transparenz über die Vorgehensweise und Bedenken des Präsidiums hätte diese Beschädigung unserer Universität vermieden werden und die Ausstellung auch im Sinne der Kritik bereichernd sein können.“

Palästinensische Sichtweise

Seit 2008 zeigt der Pfullinger Verein „Flüchtlingskinder im Libanon“ die Ausstellung „Die Nakba – Flucht und Vertreibung der Palästinenser 1948“. Diese hat „das schlichte Anliegen, die bei uns in Deutschland weitgehend unbekannte palästinensische Sichtweise auf die Zeit um 1948 darzustellen“, erklärt Ingrid Rumpf. Die Vereinsvorsitzende verweist auf dreimal erhebliche Zuschüsse vom Bundesministerium für Wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung, zuletzt im Jahr 2012, für die Projekte im Libanon, wo palästinensische Kinder und Jugendliche unterstützt werden.
Die Nakba-Ausstellung wurde bisher an mehr als 130 Orten im In- und Ausland gezeigt. Prof. Jan Hildebrandt von der Göttinger Regionalgruppe der Deutsch-Palästinensischen Gesellschaft (DPG) hat sie kürzlich in Bremen gesehen. Sie gebe die Fakten der Jahre 1947/48 in Palästina wieder. Dort mussten Palästinenser ihre Heimat verlassen, weil auf dem Territorium auf Beschluss der Vereinten Nationen am 14. Mai 1948 der Staat Israel gegründet wurde. „El Nakba“, die Katastrophe, folgte mit der Vertreibung und Flucht von etwa 750  000 Palästinensern. Der Gedenktag der Nakba ist am 15. Mai.

DPG: Plötzliche Ablehnung bleibt unverständlich

Das Thema Vertreibung aufzuarbeiten und auch die Ausstellung zu zeigen, sei seit März 2015 das Ziel der DPG gewesen, so Hildebrandt. Gespräche mit der Gesellschaft für christlich-jüdische Zusammenarbeit und Schreiben an Vertreter der Jüdischen Gemeinde und Kirchengemeinden habe es gegeben. Als Ausstellungsort sei die Universitätskirche St. Nikolai im Gespräch gewesen. Stattdessen kamen die Zusammenarbeit mit Professorin Schneider und die Planung für die Veranstaltungsreihe mit Vorträgen, Film und Ausstellung. Dass es zum Ortswechsel kommt, ist nach Ansicht von Hildebrandt konsequent, um die Nakba-Ausstellung jetzt zu zeigen, auch wenn, „die Feuerwache nur ein Ersatz, keine Alternative ist.“ In der Galerie veranstaltet die DPG noch bis zum 27. November zwei Fotoausstellungen zu Israel und Palästina.
Es sei grundsätzlich richtig, das Thema aufzuarbeiten, wie es die Universitätsleitung nun vorgebe, und im Sommersemester zu zeigen, so Hildebrandt. Ihm bleibe aber unverständlich, dass die Ausstellung nach dem Vorlauf nun plötzlich abgelehnt worden sei. 

Dem Gütesiegel folgt die Gretchenfrage

Als einseitig und ohne Einbeziehung der jüdischen Meinung zum Thema hat Dr. Achim Doerfer Vortragsreihe und Ausstellung an der Universität Göttingen Anfang November kritisiert. Die nun vorgesehene Verschiebung hält Doerfer für sinnvoll. Für ihn stellt sich die „Gretchenfrage 2017 - wird man ein Gesamtkonzept vorlegen, das Bürger und Studenten informiert?“ Die bisher geplante Darstellung sei nur These gewesen, so Doerfer. Eine Veranstaltung im wissenschaftlichen Rahmen sollte These, Antithese und Synthese vorweisen.

Veranstaltungsort brüskiert die Universität

Der neue Veranstaltungsort, so das Vorstandsmitglied der Jüdischen Gemeinde Göttingen, „brüskiert die Uni und die Studenten“. Seiner Meinung nach erhält die Nakba-Ausstellung „ein Gütesiegel, weil Professoren der Universität Göttingen sie veranstalten“.

Von Kontaktaufnahme ist nichts bekannt

Dass es 2015 eine schriftliche Kontaktaufnahme der Deutsch-Palästinensischen Gesellschaft zur Jüdischen Gemeinde gegeben hat, die eine gemeinsame Veranstaltung zum Thema Vertreibung zum Ziel hatte, ist Doerfer nicht bekannt. Auch im Vorstand nicht: „Keiner kann sich daran erinnern.“

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