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Ostasien und die Macht heiliger Klänge: Auftakt mit Musik des esoterischen Buddhismus

Gesungene Mandalas Ostasien und die Macht heiliger Klänge: Auftakt mit Musik des esoterischen Buddhismus

Musik und Liturgie des esoterischen Buddhismus haben am Dienstagabend im Mittelpunkt eines englischsprachigen Vortrags von Prof. Steven Nelson (Tokio/Japan) in der Aula der Göttinger Universität gestanden. Er  eröffnete damit  die  Ringvorlesung „Ostasien und die Macht der heiligen Klänge“. 

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Typisches Mandala aus Japan: Ausschnitt eines Taizo-kai.

Quelle: ru.acad.

Göttingen. Der Musikhistoriker und Experte für historische Spielpraxis  verdeutlichte seine Ausführungen  mit eindrücklichen  Ton- und Video-Beispielen. Was beim ersten Hören für westlich geprägte Ohren mehr dem Aufheulen einer Sirene als harmonischer Musik ähneln mag, entpuppte sich in Nelsons Vortrag als rituelle Gesangspraxis mit altehrwürdiger Tradition. Und nach behutsamem Heranführen an Texte und rituelles Umfeld – sieh da: Die Klänge entfalteten beim erneuten Hören neue Zugangsmöglichkeiten und den ein oder anderen Anklang an deutlich vertrautere gregorianische Gesänge.

Beim aktuellen Vortrag stand die buddhistische Shingon-Schule in Japan, die auch als esoterischer Buddhismus bezeichnet wird, im Fokus. Hier spielen figurale Mandalas eine große Rolle; als Beispiel zeigte der gebürtige Australier Nelson, der seine akademische Karriere aber in Japan aufgebaut hat, dazu ein aus Skulpturen gestaltetes Mandala im Lesesaal eines Tempels in Kyoto. Aber auch gesanglich interpretiert sind Mandalas wichtige Elemente im Shingon.

Im Shōmyō genannten rituellen Gesang der Shingon-Geistlichen vermengen sich aufs Spannendste Sprachen des asiatischen Raums. Sie spiegeln die Entwicklung des Buddhismus wider. Von Sanskrit über Chinesisch sowie japanisch gelesene chinesische Schriftzeichen bis zu klassischem Japanisch reicht die Bandbreite, die sich in den Texten einer einzigen religiösen Zeremonie in allen Facetten wiederfinden lässt. Wie eine solche liturgische Feier aussieht, konnten die Vortragsgäste anhand eines Videozusammenschnitts erleben – mit Erläuterungen des Referenten zu den zuvor beschriebenen Elementen und Gesängen.

Dass sich hinter dem streng spirituell ausgerichteten mönchischen Ritus charmante Menschen verbergen, wurde aber auch klar. Nelsons Kommentar zu einem der Sänger: „Er hat eine wunderschöne Gesangsstimme. Ich war mehrfach einen mit ihm trinken“, erzählte der Referent. Ob die gesungenen Mandalas  dabei auch  im Mittelpunkt standen?

Von Isabel Trzeciok

Die Vorlesungsreihe wird fortgesetzt am Dienstag, 5. Mai. Es spricht Prof. Lars-Christian Koch (Köln) zum Thema „Buddhistische Musik Koreas: Sutra-Rezitation und die musikalische Umsetzung ritueller Texte im Gesamtkomplex eines Ritus“. Beginn ist um 18.15 Uhr in der Aula der Universität, Wilhelmsplatz 1.

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