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Otto-Hahn-Preis für Göttinger Physikochemiker

Frankfurter Paulskirche Otto-Hahn-Preis für Göttinger Physikochemiker

Der Göttinger Wissenschaftler Jürgen Troe hat am Dienstag in Frankfurt den Otto-Hahn-Preis erhalten. Er wurde ffür seine bahnbrechenden Arbeiten zur Reaktionskinetik geehrt, die für die Energie- und Atmosphärenforschung wichtig sind.

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Physikochemiker Jürgen Troe.

Quelle: MPIbpC

Frankfurt/Göttingen. Troe gilt als einer der weltweit führenden Physikochemiker mit einem außergewöhnlichen wissenschaftlichen Gesamtwerk, dessen Experimenten originelle neue Ideen zugrunde liegen. Der Otto-Hahn-Preis wurde ihm von der Stadt Frankfurt, der Gesellschaft Deutscher Chemiker und der Deutschen Physikalischen Gesellschaft in der Paulskirche verliehen. Troe sei durch sorgfältige Analyse seiner Ergebnisse zu neuen Ansätzen in der physikochemischen Grundlagenforschung gelangt, die auch für die Erforschung der Verbrennungs- und Atmosphärenvorgänge von großem Nutzen seien, lautete die Begründung für die Verleihung des Otto-Hahn-Preises.

 

„Ich freue mich sehr darüber, dass mit dieser Auszeichnung mein Arbeitsgebiet, die Reaktionskinetik, einmal wieder Beachtung findet – also das Gebiet, in dem die Fragen nach dem ‚Wie’ chemischer Reaktionen und nach dem ‚Wie schnell’ mit physikalisch-chemischen Methoden untersucht werden“, sagte Troe, der als Emeritus-Direktor am Max-Planck-Institut (MPI) für biophysikalische Chemie und als Niedersachsenprofessor an der Universität Göttingen forscht. Troe ist nach Manfred Eigen und Stefan Hell der dritte Forscher am MPI für biophysikalische Chemie, der für seine Arbeiten mit dem Otto-Hahn-Preis ausgezeichnet wurde.

 

In seiner Forschung untersucht der Preisträger den zeitlichen und molekularen Ablauf chemischer Reaktionen. Viele Vorgänge in der belebten und unbelebten Natur wie die Photosynthese, das Feuer oder die Chemie der Erdatmosphäre unterliegen auf Molekülebene sehr ähnlichen Prinzipien. Derartige Prozesse lassen sich in vielfältiger Weise starten, beispielsweise durch Wärme oder durch Lichtenergie, die von den Molekülen absorbiert wird. Die Moleküle erreichen dadurch hoch aktive Zustände oder es entstehen reaktive Teilchen, die eine Kette von Reaktionen auslösen. Physikochemikern ist es gelungen, den Ablauf dieser Reaktionen mithilfe modernster experimenteller Messmethoden mit einer Zeitauflösung bis in den Femtosekundenbereich zu verfolgen – der Zeitskala, auf der sich Atome bewegen. Damit wird ihre ultraschnelle innermolekulare Dynamik direkt sichtbar. Ein weiterer Fokus der Arbeit von Troe und seinen Mitarbeitern liegt derzeit auf Reaktionen von Molekülionen und Elektronen in Gasen, beispielsweise in „Plasmen“, in denen elektrisch neutrale und geladene Teilchen nebeneinander existieren. Auf der Erde lässt sich dieser Zustand durch elektrische Entladungen erzeugen oder er entsteht in einem Blitz. Im Weltall befindet sich sogar der größte Teil der Materie in diesem Zustand. „Mit den Ergebnissen aus unseren Untersuchungen entwickeln wir Modelle, die in vielen Gebieten von Nutzen sind: von der Astro- und Atmosphärenchemie über die Plasma- und Photochemie bis hin zur Verbrennungschemie. Auch Prozesse in der Großindustrie lassen sich damit optimieren“, sagt Troe.

 
Der Preisträger wurde 1965 an der Universität Göttingen in physikalischer Chemie promoviert. Im Jahr 1971 wurde er als ordentlicher Professor an die École Polytechnique Fédérale in Lausanne (Schweiz) berufen. 1975 kehrte er als Direktor an das Institut für Physikalische Chemie der Universität Göttingen zurück. Von 1990 bis zu seiner Emeritierung im Jahr 2008 war Troe zudem Direktor am MPI für biophysikalische Chemie und leitete dort die Abteilung Spektroskopie und Photochemische Kinetik. Mit der gleichnamigen Emeritusgruppe führt er seine Arbeiten am Institut seitdem fort. Die ihm im Jahr 2008 verliehene Niedersachsenprofessur ermöglicht ihm darüber hinaus, auch an der Göttinger Universität am Institut für Physikalische Chemie weiter zu forschen. Nicht zuletzt ist er Mitglied zahlreicher wissenschaftlicher Gremien und war als Mitglied des deutschen Wissenschaftsrats aktiv. Neben der Niedersachsenprofessur hat Jürgen Troe zahlreiche weitere Auszeichnungen erhalten. Er ist Honorarprofessor der École Polytechnique Fédérale in Lausanne, hält Ehrendoktorwürden der Universitäten Bordeaux (Frankreich), Helsinki (Finnland) und Karlsruhe, ist Ehrenmitglied der Deutschen Bunsen-Gesellschaft sowie Mitglied zahlreicher Akademien im In- und Ausland.

 

Über den Otto-Hahn-Preis

Der Otto-Hahn-Preis wurde nach dem Kernchemiker und Nobelpreisträger Otto Hahn benannt und im Jahr 2005 durch Zusammenfassung des „Otto-Hahn-Preises für Chemie und Physik“ und des  „Otto-Hahn-Preises der Stadt Frankfurt am Main“ neu geschaffen. Er ist mit 50 000 Euro und einer Medaille in Gold dotiert und wird im Abstand von zwei Jahren alternierend auf den Gebieten der Chemie und der Physik verliehen. Der Preis, der von der Stadt Frankfurt, der Gesellschaft Deutscher Chemiker und der Deutschen Physikalischen Gesellschaft gemeinsam verliehen wird, dient der Förderung der Wissenschaft durch die Anerkennung herausragender wissenschaftlicher Leistungen insbesondere in Chemie, Physik und angewandten Ingenieurwissenschaften. cr

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