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Das Geheimnis des 100-jährigen Blutes

Parkinson-Forschung in Göttingen Das Geheimnis des 100-jährigen Blutes

Parkinson, auch Schüttellähmung genannt, gilt als unheilbar. Wissenschaftler aus Göttingen und Kassel forschen in einem internationalen Projekt nach den Ursachen. Dabei geht es um das Riechvermögen und das Blut von Hundertjährigen.

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Oberarzt Jens Ebentheuer zeigt die Roentgenaufnahme eines Gehirns, dass Merkmale von Parkinson aufweist.

Quelle: epd

Göttingen/Kassel. „Die Krankheit ist zwar in meinem Körper, aber der Hausherr bin immer noch ich“, sagt Walter Hast. Der 63jährige leidet unter Parkinson, einer als unheilbar geltenden Nervenkrankheit. Sie macht sich durch fortschreitende Unbeweglichkeit, Steifigkeit und Zittern bemerkbar. Unter anderem durch Hilfe von Medikamenten ist es aber möglich, die Symptome der Krankheit zu lindern. Weil er nachfolgenden Generationen helfen will, hat Hast sich nun in der Kasseler Paracelsus-Elena-Klinik einem Forschungsprojekt zur Verfügung gestellt: Wissenschaftler untersuchen die Ursachen der Parkinson-Krankheit und möchten eine bessere Frühdiagnostik entwickeln.

Schon seit 2015 betreiben Mitarbeiter der Klinik mit der Universität Göttingen entsprechende Forschungen. An der Studie „Propag-Ageing“ sind neun Institutionen aus fünf Ländern beteiligt. Sie läuft bis 2019 und wird von der Europäischen Union mit fast sechs Millionen Euro bezuschusst.

„Wenn wir die Parkinsonsymptome eindeutig feststellen können, ist es schon zu spät“, erklärt Klinikleiterin Claudia Trenkwalder. Denn wenn die Diagnose Parkinson sicher gestellt werden kann, seien bereits mehr als die Hälfte der Dopamin produzierenden Nervenzellen zerstört. Dopamin ist ein wichtiger Botenstoff, dessen Mangel die Krankheit auslöst.

Unter anderem wird nun daran geforscht, wie mögliche Früherkennungszeichen besser eingegrenzt werden können. Heftige Bewegungen in der sogenannten REM-Schlafphase oder eine Störung des Riechvermögens können solche Hinweise sein, müssen es aber nicht. „Wir suchen vor allem nach Biomarkern“, sagte Trenkwalder. Das sind charakteristische Merkmale, die auf einen krankhaften Prozess im Körper hinweisen. So wird in dem Projekt etwa in Bologna eingelagertes Blut von gesunden 100-Jährigen und 105-Jährigen mit dem Blut von Parkinsonpatienten verglichen. „Hier hoffen wir Merkmale für gesundes Altern zu entdecken“, sagt Trenkwalder. Denn mit wachsendem Alter erhöht sich das Risiko, an Parkinson zu erkranken.

Über die Ursache von Parkinson vermute man bisher, dass giftige Stoffe die Magenwand durchschreiten und so ins Gehirn gelangen. Im Alter werden die Organschranken durchlässiger. Deshalb trete Parkinson meist erst bei über 60-Jährigen auf. Äußere Einflüsse wie etwa der Kontakt mit Pestiziden oder Lacken könnten die Entstehung der Krankheit befördern. Ein erhöhtes Risiko sei aber auch genetisch bedingt.

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