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Partha Dasgupta bei dritter Nachhaltigkeitskonferenz in Göttingen

Wirtschaftswachstum kein Problemlöser Partha Dasgupta bei dritter Nachhaltigkeitskonferenz in Göttingen

„Es ist absurd, den Wohlstand eines Landes mittels des Bruttoinlandsprodukts messen zu wollen.“ Das hat Partha Dasgupta, emeritierter Professor für Volkswirtschaftslehre an der Universität Cambridge, betont.

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Thema der Konferenz: Indonesien steigert durch den Raubbau an seinen Wäldern das Bruttoinlandsprodukt – mit Folgeschäden.

Quelle: Pförtner/dpa

Göttingen. Der Wissenschaftler sprach während der dritten Nachhaltigkeitskonferenz der Universität Göttingen und dewr Vereinigung Deutscher Wissenschaftler in der Aula am Wilhelmsplatz.

Das Bruttoinlandsprodukt, so Dasgupta, gebe den Wert der Güter und Dienstleistungen an, die während eines Jahres in einem Land nach Abzug aller Vorleistungen produziert worden seien. Es lasse weder Rückschlüsse auf das bereits vorhandene Vermögen eines Landes zu, noch darauf, wie sich dieses Vermögen durch die Produktion verändere.

So erwirtschafte Indonesien einen Teil seines Bruttoinlandsprodukts durch Raubbau an eigenen Wäldern, was zu Folgeschäden führe, gab der Volkswirt ein Beispiel. Das Land werde also bei einer umfassenderen Betrachtung nicht reicher, sondern ärmer. Um die tatsächlichen Verhältnisse in den Blick zu nehmen, müssten die Produktionskapazitäten eines Landes erfasst werden: der Kapitalstock (Infrastruktur, Produktionsmittel), das Humankapital (Größe der Bevölkerung, deren Bildungs- und Gesundheitsstand) sowie die natürlichen Ressourcen. Auch Faktoren wie der Grad der Institutionialisierung oder die Existenz sozialer Normen seien einzubeziehen.

„Bis heute glauben Politiker führender Industriestaaten, dass sich viele Probleme ihrer Länder allein durch Wirtschaftswachstum lösen lassen“, ergänzte Grünen-Politiker Stefan Wenzel, niedersächsischer Minister für Umwelt, Energie und Klimaschutz. Dabei vergrößere ein Wachstum auf Kosten der Umwelt die Probleme noch. Mittlerweile würden Unternehmen die Folgekosten des Klimawandels spüren. So registriere die Münchner Rück, die Versicherung der Versicherungen, eine weltweite Zunahme an Extremwetterereignissen. 

Dabei, so Wenzel, seien sich viele Staaten einig, dass der Klimawandel durch eine Senkung des Kohlendioxidausstoßes gestoppt werden müsse. „Die Beschlusslage ist gut“, so der Minister. Die Umsetzung lasse aber zu wünschen übrig. Wenzel: „Der Emissionshandel versagt.“ Er forderte, dass die Firmen „in die Verantwortung zu zwingen“ seien. Und: „Es geht nicht an, dass sich Aktiengesellschaften ihrer Pflichten entziehen, indem sie dort Steuern zahlen, wo sie keine Steuern zahlen müssen.“ Die Eigentumsverhältnisse bei Aktiengesellschaften seien offen zu legen, verlangte der Minister. Wer ein Promille der Aktien eines Unternehmens halte, müsse sich im Handelsregister zu erkennen geben. Derzeit sei das erst bei drei Prozent der Fall.

Von Michael Caspar

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