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Philae ist gelandet!

Erfolgreiche Weltraum-Mission Philae ist gelandet!

Erstmals in der Geschichte der Raumfahrt ist die Landung eines Mini-Labors auf einem Kometen gelungen. Mehr als eine halbe Milliarde Kilometer von der Erde entfernt setzte das kühlschrankgroße Landegerät Philae am Mittwochnachmittag auf dem Himmelskörper „67P/Tschurjumow-Gerassimenko“ auf.

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So soll es aussehen, wenn die Landeeinheit Philae auf dem Kometen arbeitet. (ESA-Animation)

Quelle: dpa

Darmstadt. Es war zunächst aber noch unklar, ob „Philae“ wie geplant mit Harpunen im Kometenboden verankert werden konnte. Im Satellitenkontrollzentrum der Europäischen Weltraumorganisation Esa in Darmstadt löste die Premiere im All großen Jubel aus. Das Labor war an Bord der Raumsonde Rosetta zehn Jahre lang zu dem Kometen mit dem Spitznamen „Tschuri“ gereist.

Am Mittwochmorgen war es von seinem „Taxi“ gelöst worden. „Unsere ehrgeizige Rosetta-Mission hat sich einen Platz in den Geschichtsbüchern gesichert“, sagte Esa-Generaldirektor Jean-Jacques Dordain. „Mit „Rosetta“ öffnen wir die Tür zum Ursprung des Planeten Erde und fördern ein besseres Verständnis unserer Zukunft.“

„Rosetta“ und das Landegerät sollen den Kometen analysieren, um möglichst viel über ihn und den Beginn des Sonnensystems vor rund 4,6 Milliarden Jahren zu erfahren. Auch Hinweise auf die Entstehung des Lebens erhoffen sich die Forscher, etwa durch den Nachweis von organischen Molekülen wie Aminosäuren. Bis zum Tag der Landung legte „Rosetta“ rund 6,5 Milliarden Kilometer im All zurück.

Das Aufsetzen des Labors war besonders schwierig: Die Oberfläche des Kometen ist mit Gesteinsbrocken übersät, es gibt dort hoch aufragende Felswände und steile Abgründe.

Die Sonde war 2004 mit einer Ariane-5-Rakete von der Weltraumstation Kourou in Französisch-Guayana gestartet. Deutschland hat sich mit 300 Millionen Euro an der „Rosetta“-Mission beteiligt. Bei der Summe handelt es sich um knapp ein Drittel der Gesamtkosten von einer Milliarde Euro, wie aus einer Mitteilung der Bundeskoordinatorin für die Luft- und Raumfahrt, Brigitte Zypries, hervorgeht.

dpa

 
Das erste Foto, das "Philae" von der Oberfläche aufgenommen hat.

Das erste Foto, das "Philae" von der Oberfläche aufgenommen hat.

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Fotos aus dem Max-Planck-Institut für Sonnensystemforschung in Göttingen. © Vetter

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„Niemand brachte den Film zurück“

Göttingen. Treffer – und zum Glück nicht versenkt! Auch in Göttingen  haben viele Interessierte der Landung Philaes entgegengefiebert. Kein Wunder, denn das Max-Planck-Institut für Sonnensystemforschung (MPS) war maßgeblich an der Entwicklung verschiedenster Geräte der Mission beteiligt. Mehr als 500 Menschen kamen in das MPS.

„Ich habe gerade Rosetta gebaut, und das war gar nicht schwer“, sagt Marco. Der Fünfjährige ist stolz auf sein gebasteltes Modell und schon wieder auf dem Sprung: „Gleich backe ich noch den Kometen“. Kinderaktionen begeistern die Kleinen, kommentierter Livestream und allerlei Informationen interessieren die Großen.

Dr. Achim Gandorfer vom MPS moderiert den Tag. Er war nicht an der Mission beteiligt und könne das Geschehen „aus sicherer Distanz kommentieren.“ Ein Ereignis, das über Generationen verbindet. So ist auch Dr. Peter Czechowsky im MPS. Der ehemalige Geschäftsführer des Instituts habe zwar nicht wissenschaftlich am Projekt mitgearbeitet, aber die Entwicklung trotzdem beobachten können. Er verweist auf Dr. Helmut Rosenbauer. Ohne den ehemaligen Direktor des Instituts sei „die Mission in dieser Art nicht möglich“, sagt Czechowsky. Rosenbauer sei maßgeblich für das Landegestell verantwortlich gewesen.

Das bringt die Besucher des Instituts auch zum Jubeln: Als um kurz vor Vier über den Livestream die ersten Bilder eintreffen, ist sichtbar, dass das Landegestell vollkommen ausgefahren ist. Bilder die von Osiris geschossen wurden. Dem Kamerasystem, an dem Dr. Rainer Kramm beteiligt ist. Der Wissenschaftler gehört zu den Pionieren. „Anfang der 80er Jahre haben wir angefangen Kameras für den Weltraum zu bauen.“ Dabei gab es ein Problem: „Niemand brachte den Film zum Entwickeln zurück“, sagt Kramm. So entstanden weltweit „die ersten Kameras mit elektronischem Scanner“.

„Auf Planeten und Monden sei man schon gelandet“, sagt Dr. Marc Hofmann vom MPS nachdem um 17.03 Uhr in Göttingen das Landesignal von Philae ankam, „aber noch niemand hat das auf einem Kometen geschafft“. So richtig glauben will es aber anscheinend niemand. „Heute Abend geschieht nichts mehr“, sagt Dr. Johannes Wicht. Der Wissenschaftler des Instituts muss mit seinen Kollegen den Tag erst einmal Revue passieren lassen.

Von Friedrich Schmidt

Zum ersten Mal soll ein Labor auf einem Kometen landen. Mit dieser Mission will Europas Weltraumorganisation Geschichte schreiben. © dpa

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Die ersten Daten

Köln. Um 16.30 Uhr herrscht im Kontrollzentrum des Deutschen Zentrums für Luft- und Raumfahrt in Köln (DLR) Hochspannung. Bernd Chares kann es kaum noch erwarten. Vor 20 Jahren hat, der Werkstattleiter des Max-Planck-Instituts für Sonnensystemforschung in Göttingen mit den Arbeiten an dem Landegerät begonnen.

„Ich habe fast jedes Teil in den Händen gehabt“, sagt er. Jetzt ist er ähnlich aufgeregt wie ein Kind, das auf das Christkind wartet. Klappt die Landung, oder klappt sie nicht? Ein Dutzend Wissenschaftler und Ingenieure des Göttinger Instituts sind nach Köln gekommen, um das Landemanöver zu begleiten. „Das ist mit Abstand die schwierigste Landung, die es je gab“, sagt Institutssprecher Dr. Norbert Krupp.

Dr. Hermann Böhnhardt, der wissenschaftliche Leiter der Landemission, hat eine lange und aufregende Nacht hinter sich. Es gab technische Probleme mit der sogenannten Kaltgasdüse und mit der Primärbatterie. Deshalb ist er erst um 4 Uhr morgens ins Bett gekommen. „Das war es aber wert“, sagt er.

Jetzt hat er noch eine Überraschung für die Wissenschaftler und Ingenieure im Kontrollraum anzukündigen. Ein irischer Musiker war so fasziniert von der Rosetta-Mission, dass er eigens für die Landung ein Musikstück komponiert hat, das nun beim gespannten Warten auf das erste Signal des Landers eingespielt wird.

Dr. Harald Krüger, wissenschaftlicher Leiter des Instruments „Dim“, ist ein wenig enttäuscht. Zwei Stunden zuvor hat er die ersten Daten des Staubeinschlagmonitors erhalten. „Leider gibt es viele Störereignisse“, sagt er. Vermutlich werde das Instrument durch einen Solargenerator gestört. Es soll ermitteln, welche Teilchen bei der Annäherung des Kometen an die Sonne freigesetzt werden. Krüger hofft jetzt auf die Messungen von der Nachtseite des Kometen. „Dort dürften eigentlich keine Störungen zu erwarten sein.“

„Eine Stunde nach der Landung sollen die ersten Messungen beginnen“, sagt Dr. Fred Goesmann, Leiter des wissenschaftlichen Instruments Cosac.  Diese sollen Aufschluss darüber geben, welche organischen Moleküle sich im Kometenkern befinden.

Der Projektmanager der Philae-Sonde, Dr. Reinhard Roll, sitzt gemeinsam mit seinen Kollegen abgeschirmt im vorderen Bereich des Kontrollraums. Das Diagnose-Team checkt  permanent die Daten der Subsysteme, die am Max-Planck-Institut entwickelt wurden.

Um kurz nach 17 Uhr treffen schließlich die ersten Signale ein. Die Team-Mitarbeiter im Kontrollraum fallen sich in die Arme. Der Jubel bekommt allerdings schon bald einen Dämpfer: Die Harpunen sind nicht abgefeuert worden. Deshalb ist zunächst nicht klar, ob der Lander auf dem Kometen geblieben ist oder gleich wieder abgehoben hat. Für die Wissenschaftler bleibt es spannend.

Von Heidi Niemann

Landung live auf Twitter

Während der gesamten Mission wird die European Space Agency (ESA) über auch über Twitter live über den Fortschritt der Landung berichten. Die wichtigsten Hastags sind dabei: #CometLanding, #Rosetta und #67p.

Zusätzlih gibt es am Dienstag, 11. November, ein halbstündiges Twitter-Frage-und-Antwort-Event mit Matt Taylor, dem verantwortlichen Rosetta-Wissenschaftler. Interessierte können ihre Fragen per Hashtag #askESA stellen. Die Antworten gibt es nach dem Event über die Accounts von Matt Taylor sowie der ESA.

           
           

 

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