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Göttingen Bunte Flummis und ein künstlicher Tornado
Campus Göttingen Bunte Flummis und ein künstlicher Tornado
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19:39 02.02.2018
Wirbelsturm: Die Nachwuchsforscher führen Messungen an einem künstlichen Tornado durch.  Quelle: Christoph Mischke
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Göttingen

 Zum achten Mal ist das DLR Gastgeber dieser Veranstaltung, bei der die angehenden Forscher im Alter von 15 bis 18 Jahren Aufgaben aus allen Bereichen der Physik in Theorie und Praxis lösen müssen. Die Jugendlichen haben sich vorher unter mehr als 650 Teilnehmenden des Wettbewerbs für diese Bundesrunde im Auswahlwettbewerb zur IPhO qualifiziert. Die Olympiade will an Physik besonders interessierte Schüler motivieren und fördern und bietet ihnen frühzeitig die Möglichkeit, auf nationaler und internationaler Ebene Kontakte zu knüpfen.

„Wir finden beim DLR immer hervorragende Rahmenbedingungen vor“, sagt Wettbewerbsleiter Dr. Stefan Petersen vom mitorganisierenden Leibniz-Institut für die Pädagogik der Naturwissenschaften und Mathematik an der Universität Kiel. „Die Schüler erleben hier den direkten Kontakt zu den DLR-Wissenschaftlern“, so Petersen, „und sehen unmittelbar wie Forschung funktioniert.“ Das passe ausgezeichnet zur Philosophie der Veranstaltung, die nicht nur aus dem Lösen von Aufgaben in einer Wettbewerbssituation bestehe, sondern den Jugendlichen auch ein bleibendes Erlebnis bieten solle. Neben Räumlichkeiten und Personal hat Oliver Boguhn, Leiter des DLR School Lab, das ergänzende Programm organisiert. „Wir bieten den jungen Leuten Führungen durch das DLR an, waren bereits im PS-Speicher in Einbeck und eine Stadtrallye durch Göttingen steht ebenfalls auf dem Programm.“

Im DLR experimentierten Schüler bei der Physiker-Olympiade.

Die Aufgaben für die Nachwuchswissenschaftler sind vielfältig. Neben zahlreichen theoretischen und experimentellen Klausuren stehen auch Praxis-Seminare an, deren Aufgaben die Schwerpunkte des DLR abbilden. Die Berechnung von Planetenumlaufzeiten ist ebenso gefordert wie das Lösen von Aufgaben aus dem Bereich der Turbinenphysik. Die Bahnschwingungen von Segelflugzeugen im Gleitflug oder auch die Geschwindigkeit der Ausbreitung von Druckwellen in einem Tunnel sind weitere Themenbereiche.

Am Mittwoch standen unter anderem Experimente mit Flummis auf der Agenda – Fallstudien im Wortsinn. Das Sprungverhalten der kleinen, bunten Gummibälle wurde mit einer Hochgeschwindigkeitskamera aufgezeichnet, um die Flugbahn später am Computer genau nachvollziehen zu können. Am Tornado-Simulator konnten die Jugendlichen unter Donnergrollen und künstlichen Blitzen die Entstehung eines Wirbelsturms nachvollziehen und Messungen vornehmen, die real nur unter höchster Gefahr möglich gewesen wären. Einige Schüler wagten sich auch in den Tornado-Schutzraum-Simulator. Der in Europa einzigartige Simulator ist Teil eines „Tornado-Parcours“ im School-Lab und „vermittelt unseren Besuchern ein realistisches Bild, was passiert, wenn ein Tornado auftritt“, erklärt DLR-Projektbetreuer Erhard Langkeit.

Bei der feierlichen Preisverleihung am kommenden Freitag in der Aula des Felix-Klein-Gymnasiums werden die Sieger der Physik-Olympiade für ihre herausragenden Leistungen geehrt. Nach der Finalrunde des Wettbewerbs geht es für die fünf erfolgreichsten Knobler im Sommer zur 49. IPhO nach Lissabon in Portugal. Vier besonders junge Schüler erhalten für ihre Leistungen eine Einladung zum Auswahlseminar für die diesjährige Europäische Science-Olympiade. Darüber hinaus erhalten drei Kandidaten ein Forschungspraktikum im DLR.

Von Christoph Mischke

Deutschlands beste Physik-Talente kommen erneut aus Ostdeutschland

Deutschlands beste Physik-Talente kommen aus den ostdeutschen Bundesländern. Das hat sich beim Auswahlverfahren für die Internationale PhysikOlympiade 2018 vom 27. Januar bis 2. Februar am Deutschen Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR) in Göttingen gezeigt. Von den 15 Bestplatzierten stammen elf aus den östlichen Bundesländern. Insgesamt hatten sich sechs Schülerinnen und 44 Schüler im Alter von 15 bis 18 Jahren unter bundesweit mehr als 930 Kandidaten für die Auswahlrunde im DLR Göttingen qualifiziert. Die 15 Erstplatzierten treten im Mai noch einmal gegeneinander an, um die fünf Besten zu ermitteln, die Deutschland im Juli auf der 49. Internationalen PhysikOlympiade in Lissabon vertreten werden.

Springende Flummis und künstlicher Tornado

Neben den Klausuren erwarteten die Kandidaten Seminare, Exkursionen und Einblicke in die Forschungsarbeit am DLR Göttingen. So lernten die Schüler beispielsweise, mit modernen Hochgeschwindigkeitskameras das Sprungverhalten von Flummis zu untersuchen. Am Tornado-Simulator konnten sie erleben, wie ein Wirbelsturm entsteht.  "So verstehen die Schüler, wie spannend Physik sein kann", sagte Dr. Oliver Boguhn, Leiter des DLR_School_Lab Göttingen.

Dr. Stefan Petersen, Wettbewerbsleiter vom Leibniz-Institut für die Pädagogik der Naturwissenschaften und Mathematik an der Universität Kiel, freute sich über ein in den vergangenen Jahren immer größer werdendes Interesse am Physikwettbewerb: "Mehr als 930 Schülerinnen und Schüler haben sich beworben – so viele wie noch nie." Auch sei im Laufe der Jahre der Anteil der Mädchen unter allen Bewerbern von anfangs unter 20 auf über 25 Prozent gestiegen.

Die Internationale PhysikOlympiade (IPhO) fördert in Physik besonders interessierte Schülerinnen und Schüler und bietet ihnen frühzeitig die Möglichkeit, auf nationaler und internationaler Ebene fachliche Kontakte zu knüpfen. Jedes der etwa 80 Teilnehmerländer entsendet ein Team aus bis zu fünf Olympioniken, die einzeln in Klausuren antreten. Der jährlich stattfindende bundesweite Auswahlwettbewerb wird vom Leibniz-Institut für die Pädagogik der Naturwissenschaften und Mathematik (IPN) an der Universität Kiel in Zusammenarbeit mit den Kultusministerien der Länder und unter finanzieller Unterstützung durch das Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) koordiniert.

Die Aufgaben und Experimente der Auswahlrunde in Göttingen wurden von einem Team aus Wissenschaftlern und Mitarbeitern des DLR Göttingen sowie der Wettbewerbsleitung am IPN in enger Zusammenarbeit mit ehemaligen Teilnehmerinnen und Teilnehmern erstellt.

Die Sieger

Die 15 Sieger werden vom 27. bis 31. Mai im Alfred-Wegener-Institut Bremerhaven noch einmal gegeneinander antreten. Drei erhielten außerdem ein einwöchiges Praktikum im DLR als Sonderpreis. Die fünf besten werden Deutschland Ende Juli auf der 49. Internationalen PhysikOlympiade in Lissabon vertreten. Bei der feierlichen Preisverleihung wurden am 2. Februar die Sieger von Prof. Dr. Arnulf Quadt,
Vorstandsmitglied der Deutschen Physikalischen Gesellschaft (DPG), Dr. Oliver Boguhn, Leiter des DLR_School_Lab und Christina Nolte, Bundessprecherin der jungen DPG, für ihre herausragenden physikalischen Leistungen geehrt.

Folgende Schüler haben sich für die nächste Auswahlrunde qualifiziert (in der Reihenfolge der Platzierung):

  • Platz 1: David Ventzke, Wilhelm-Ostwald-Schule (Leipzig)
  • Platz 2: Pascal Reeck, Wilhelm-Ostwald-Schule (Leipzig)
  • Platz 3: Hayk Soghomonyan, Herderschule (Rendsburg)
  • Platz 4: Franz Loose, Martin-Andersen-Nexö-Gymnasium (Dresden)
  • Platz 5: Wilhelm Holfeld, Martin-Andersen-Nexö-Gymnasium (Dresden)
  • Platz 6: Max Schneider, Gymnasium "Glückauf" (Dippoldiswalde)
  • Platz 7: Jule Schrepfer, Goetheschule (Ilmenau)
  • Platz 8: Tim Pokart, Max-Steenbeck-Gymnasium (Cottbus)
  • Platz 9: Titus Bornträger, Georg-Cantor-Gymnasium (Halle)
  • Platz 10: Lukas Hellmann, Albert-Schweitzer-Gymnasium (Erfurt)
  • Platz 11: Daniel Schiller, Hebel-Gymnasium (Schwetzingen)
  • Platz 12: Sebastian-Philip Harris, Gymnasium der Stadt Rahden (Rahden)
  • Platz 13: Shenzhi Jia, Johannes-Kepler-Gymnasium (Chemnitz)
  • Platz 14: Nico Heitmann, Gymnasium der Stadt Rahden (Rahden)
  • Platz 15: Lucas Kersten, Fallstein-Gymnasium (Osterwieck)

Vier besonders junge Schüler erhielten für ihre Leistungen außerdem eine Einladung zum Auswahlseminar für die diesjährige Europäische ScienceOlympiade. Für sie winkt in diesem gesamtnaturwissenschaftlichen Teamwettbewerb ein Ticket nach Ljubljana in Slowenien. Die vier sind:

  • Nico Heitmann, Gymnasium der Stadt Rahden
  • Lukas Hellmann, Albert-Schweitzer-Gymnasium (Erfurt)
  • Shenzhi Jia, Johannes-Kepler-Gymnasium (Chemnitz)
  • Franz Loose, Martin-Andersen-Nexö-Gymnasium (Dresden)

Darüber hinaus können drei Kandidaten durch ein Forschungspraktikum am DLR die in der Woche gewonnenen Eindrücke weiter vertiefen. Dieser Sonderpreis ging an:

  • Berin Becic, Frankenwald-Gymnasium Kronach
  • Ricardo Ochel, Ökumenisches Domgymnasium (Magdeburg)
  • Alexis Michel, Königin-Katharina-Stift (Stuttgart)
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