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Plagiatsvorwurf gegen Absolventen der Medizinischen Fakultät der Universität Göttingen

Unter Verdacht Plagiatsvorwurf gegen Absolventen der Medizinischen Fakultät der Universität Göttingen

Jörg Rüdiger Siewert ist Leitender Ärztlicher Direktor der Uniklinik Freiburg, sein einstiger Schüler Hans-Fred Weiser Präsident des Verbandes der Leitenden Krankenhausärzte Deutschlands. Siewert legte 1972 an der Medizinischen Fakultät der Universität Göttingen die Hochschullehrerprüfung (Habilitation) ab, Weiser machte hier zwei Jahre später den Doktor.

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Das heutige Jacob-Grimm-Haus: Hier war die Chirurgie der Universitätsklinken bis zum U mzug ins 1976 bezugsfertige Klinikum beheimatet.

Quelle: Vetter

Freiburg/Göttingen. Die Prüfungsschriften  beider  in Fachkreisen bekannter Mediziner weisen angeblich  „vollständige Textidentitäten“ auf, und zwar „im Methodenteil, Ergebnisteil und in der Diskussion“.

Weisers 50-seitige Doktorarbeit decke sich zu fast einem Drittel mit Siewerts umfänglicherer Habilitationsschrift. Das behauptet der Freiburger Publizist Hermann Scharnagl, langjähriger Leiter des Buchverlags  Herder.

Scharnagl nimmt für sich „ein riesiges Informantennetz in der ganzen Republik und  der Professorenschaft“ in Anspruch, namentlich auch aus Göttingen. Diese Informanten bleiben jedoch anonym, wohl  in einer besonderen Variante von  „ärztlicher Schweigepflicht“.

„Laborjournal“

Ob im konkreten Fall  Weiser bei Siewert abgeschrieben hat oder umgekehrt, der eine mit oder ohne Wissen des anderen, scheint bisher allerdings  unklar. Die Eigenleistungen von Doktoranden in einer Arbeitsgruppe um einen Habilitanden wurden vor Jahrzehnten noch nicht nach heutigen Standards ausreichend dokumentiert.

Weiser erklärt der Fachzeitschrift „Laborjournal“, seine Dissertation sei längst fertig gewesen, als Siewert habilitiert wurde. Dieser verweist in einer Danksagung selber auf den Doktoranden, ohne ihn aber zu zitieren.

Mitte Dezember teilte die Universitätsmedizin Göttingen mit, dass  sich „das  unabhängige Ombudsgremium der Universitätsmedizin  mit dem Sachverhalt zu Prof. Siewert beschäftigt“ hat. Diese Stelle hält sich aber nicht für zuständig, weil sie  nur für Vorwürfe gegen aktuelle Mitforscher, nicht aber für Ehemalige zu prüfen habe.

Der Vorsitzende des Ombusdsgremiums, Prof. Friedemann Nauck, verweist auf den klaren Wortlaut der  „Ordnung zur Sicherung guter wissenschaftlicher Praxis“. Die Frage einer Überprüfung der Qualifikationsschriften von Siewert und Weiser stellt sich in Göttingen also gar nicht, auch wenn das unbefriedigend erscheinen mag. Demgegenüber sehen sich andere Hochschulen wie die in  Bayreuth (Fall Guttenberg), Düsseldorf (Schavan), Freiburg, Wuppertal, Duisburg-Essen oder die Charité in Berlin  sehr wohl auch für Ehemalige zuständig, auch wenn diese nicht mehr an ihrer einstigen Universität tätig sind.

„Kommission zur Sicherung der Redlichkeit in der Wissenschaft“

Indes hat der 74-jährige Siewert den Rektor der Universität Freiburg, an der er heute tätig ist, gebeten, den Vorwürfen des Informanten Scharnagl nachzugehen. Dabei konnte es freilich nicht um den Bestand oder die Rücknahme der Habilitation gehen, weil diese Lehrerlaubnis  eben in Göttingen verliehen worden war.

Der Freiburger Rektor berief gleichwohl im November ein Ad-hoc-Gremium aus dem eigenen Hause: Im Ergebnis erkannte es keine Indizien für „einen Anfangsverdacht auf wissenschaftliches Fehlverhalten“. Mit dabei war auch der Vertreter der Medizin in der ständigen „Kommission zur Sicherung der Redlichkeit in der Wissenschaft“.

Demgegenüber hatten andere Stimmen aus der Fakultät vergeblich vorgeschlagen, wegen der nötigen Distanz in Sachen Siewert auswärtige Gutachter mit der  Überprüfung  zu betrauen.

Was steckt dahinter, jahrzehntelang in den Archiven ruhende Arbeiten wieder auf die Tagesordnung zu setzen? Im Falle Siewert /Weiser handelt es sich offenbar um die Nebenwirkung einer anderen Affäre. Mitte September entzog die Universität Freiburg einem ihrer bekannten  Professoren, dem Ehrenpräsidenten der Deutschen Gesellschaft für Sportmedizin Hans-Hermann Dickhuth, seine Habilitation von 1983 – wegen angeblichen Plagiats bei Doktoranden.

Für diese intern umstrittene Entscheidung hatte sich namentlich ein Mitglied im Vorstand der Medizinischen Fakultät besonders stark gemacht: Jörg-Rüdiger Siewert.

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