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Göttingen Der Mars – Kleiner Planet mit großer Anziehungskraft
Campus Göttingen Der Mars – Kleiner Planet mit großer Anziehungskraft
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07:47 28.09.2018
Die von der US-Raumfahrtbehörde NASA zur Verfügung gestellte Computer-Visualisierung zeigt den Lander InSight, der auf dem Mars eine Probebohrung durchnimmt. Quelle: NASA / AP / dpa
Göttingen

Planetenforscher Fred Goesmann sprach am Donnerstag zum Auftakt einer Vorlesungsreihe, die das Institut am Justus-von-Liebig-Weg 3 anlässlich der bevorstehenden Landung der NASA-Mission InSight anbietet. Die Landung selbst können Besucher am Montag, 26. November, von 19 Uhr an im MPI live miterleben.

Seine Kollegen und er betrieben Grundlagenforschung, erläuterte der Physiker seinen rund 100 Zuhörern, unter denen sich viele Kinder befanden. Forschung, „die kultivierte Form der Neugier“, sei ein Herantasten an die Wahrheit. Die Aussagen von Forschern müssten nachprüfbar sein und sich wiederlegen lassen. Wissenschaftler ertrügen lieber Unwissenheit, als „irgendeinen Blödsinn“ zu glauben.

Der Physiker trug die bisher bekannten Fakten über den Roten Planeten vor, der sich auf einer ellipsenförmigen Bahn um die Sonne bewege. Dadurch sei er von seinem Nachbarplaneten, der Erde, zwischen 200 Millionen und 250 Millionen Kilometern entfernt.

„Der Mars ist mit einem Durchmesser von 6800 Kilometern nur halb so groß wie die Erde“, berichtete der Planetenforscher. Aufgrund des Größenunterschieds sei die Anziehungskraft der Erde zweieinhalb mal so groß wie die des Mars. Goesmann erläuterte das anhand zweier Würfeln, die er mitgebracht hatte. Ein Zinnwürfel fühle sich auf dem Mars so leicht an wie ein gleichgroßer Aluminiumwürfel. Der Vorteil für Raumfahrer: Für den Rückflug vom Mars zur Erde müsse die Rakete nicht so stark sein.

„Der Mars hat wie die Erde eine Atmosphäre, verliert sie aber allmählich“, sagte Goesmann. Der Luftdruck betrage nur ein Hundertstel von dem auf der Erde. Zudem bestehe die Marsluft zu 95 Prozent aus Kohlendioxid. Sauerstoff enthalte sie kaum. Menschen könnten daher dort nicht atmen.

„Die Durchschnittstemperatur auf dem Roten Planeten liegt bei minus 55 Grad Celsius“, führte der Physiker aus. Auf der Erde seien es 15 Grad. An schönen Tagen werde es auf dem Mars auch mal 27 Grad Celsius warm. Im Winter herrschten eisige minus 133 Grad Celsius.

„Der Süden des Mars ist im Gegensatz zu ebenen Norden gebirgig“, berichtete der Wissenschaftler. Dort befinde sich die höchste Erhebung des Sonnensystems, der 22 Kilometer hohe Olympus Mons. Er sei fast dreimal so hoch wie der höchste Berg der Erde, der Mount Everest. Goemann führte das auf die geringere Anziehungskraft des Mars zurück. Auf der Erde könnten sich Berge nicht so hoch auftürmen. Der Olympus Mons habe ein Loch in der Mitte, das dem Krater eines Vulkans ähnele. Die Flanken würden abrupt in die Tiefe abbrechen.

„Das Marsjahr, also eine Umrundung der Sonne, ist 687 Erdtage lang“, erklärte der Physiker. Der Marstag, also die Drehung des Planeten um sich selbst, dauere eine Dreiviertelstunde länger als auf der Erde. Marsforscher lebten nach Landung einer Mission auf dem Roten Planeten, nach der Marszeit, könnten also täglich 45 Minuten länger schlafen als sonst. Nach einem Vierteljahr würden sie allerdings „noch komischer, als sie es sonst schon wären“, scherzte der Wissenschaftler.

Hinweise auf Wasser auf dem Mars

„Es gibt Hinweise, dass es auf dem Mars Wasser gibt“, berichtete Goesmann. So gebe es ein Tal, das wie ein alter Wasserlauf aussehe. Zudem deuteten Messungen auf Grundwasser in. Auch organisches Material, hätten Wissenschaftler bereits entdeckt.

Den nächsten Vortrag hält am Donnerstag, 25, Oktober, um 19 Uhr Kai Finster im MPI. Das Thema: „Mögliches Leben auf dem Mars. Ja, aber welches?“

Von Michael Caspar

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