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Industriepolitik Chinas und Auswirkungen

Podiumsdiskussion Industriepolitik Chinas und Auswirkungen

Das einstige Billiglohnland China will sich mit dem Plan „Made in China 2025“ auf dem Weltmarkt neu positionieren. Ist China ein ernstzunehmender Herausforderer des Westens oder droht der Plan zu scheitern? Darüber wurden sich die Teilnehmer einer Podiumsdiskussion in Göttingen nicht einig.

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Quelle: Kracht

Göttingen. „China ist schon heute kein Billiglohnland mehr“, stellte Veranstalterin Sarah Easton, Direktorin des Göttinger Zentrums für Moderne Ostasientstudien, in der Alten Mensa am Wilhelmsplatz fest. So produziere etwa die Bekleidungsindustrie mittlerweile günstiger in Ländern wie Vietnam oder Indonesien. Das sei der Grund, warum die Wachstumsrate der chinesischen Volkswirtschaft von jährlich zehn Prozent während der Jahre 1978 bis 2010 auf seither 6,5 bis 7 Prozent eingebrochen, ergänzte Prof. Barry Naughton von der Universität San Diego.

Staat unterstützt auch gezielte Übernahmen

„China sucht nach einem neuen Wachstumsmodell für seine Wirtschaft“, führte der Volkswirt aus. Deshalb habe es den ambitionierten industriepolitischen Plan entwickelt. „Die Regierung hat zahlreiche Handlungsfelder, etwa Big Data oder die Automatisierung, definiert“, berichtete Sebastian Heilmann, Professor für die Politische Ökonomie Chinas an der Universität Trier. Um die Ziele zu erreichen, würden unter anderen günstige Kredite bereitgestellt, Anreize für Wissenschaftler geschaffen, mit Firmen zusammenzuarbeiten, oder Unternehmensgründungen gefördert. Auch gezielte Übernahmen von westlichen Weltmarktführern, wie die des Augsburger Roboterherstellers Kuka, unterstütze der Staat.

„Die Regierung stellt erhebliche Mittel zur Verfügung“, wusste Naughton. Die genauen Zahlen würden geheim gehalten. Allein für die Förderung der Halbleiterindustrie ständen 69 Milliarden US-Dollar zur Verfügung.

„Für deutsche Unternehmen bietet die Modernisierung und Automatisierung der chinesischen Industrie auf kurze Sicht gute Wachstumschancen“, sagte Heilmann, der auch Gründungspräsident des Mercator-Instituts für China-Studien ist. Auf mittlere Sicht wolle die Volksrepublik jedoch ausländische Firmen vom chinesischen Markt verdrängen. Einige deutsche Unternehmen versuchten deshalb chinesisch zu werden. Andere hofften auf ein Scheitern der hochgesteckten Ziele.

Dass die chinesische Führung eine Reihe von Herausforderungen zu bewältigen hat, stellte Heilmann klar. Treiber der wirtschaftlichen Entwicklung sei der Staat und nicht wie in Deutschland ein innovativer Mittelstand. Es gebe zudem einen Mangel an Fachkräften und in vielen Branchen, etwa der Stahlproduktion, erhebliche Überkapazitäten.

Geld sinnvoll ausgeben

Naughton wies auf Chinas Schwierigkeiten hin, mit den westlichen Abteilungen für Forschung und Entwicklung Schritt zu halten. So könnten sie ihre hohen Kosten in diesem Bereich nicht durch hohe Preise wieder hereinholen. Sie bedienten mit ihren Produkten niedrigpreisige Massenmärkte. Zudem sei es nicht einfach, die großen, vom Staat zur Verfügung gestellten Mengen an Geld sinnvoll auszugeben. Viele Mittel würden verschwendet. Nicht wenige Firmen, so Victor Shih, Prof. für Volkswirtschaft an der Universität San Diego, steckten das Geld in Immobilien. Deren Preise stiegen in den Ballungszentrum permanent. Weil ein Platzen der Immobilienblase die chinesische Volkswirtschaft ernsthaft gefährde, tue die Regierung alles, um das zu verhindern.

Naughton empfahl der Regierung, einen Teil des Geldes in die Entwicklung des zurückbleibenden ländlichen Raums zu stecken, in Bildung und den Gesundheitsbereich zu inverstieren. Auf die wachsende soziale Ungleichheit in dem kommunistischen Land wies Shih hin.

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