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Podiumsdiskussion über die Chancen und Risiken moderner Hirnforschung

Beweise im Kopf Podiumsdiskussion über die Chancen und Risiken moderner Hirnforschung

Es klingt ein bisschen nach Science-Fiction: Durch Messungen des Gehirns werden Gedanken ausgelesen und als Film auf dem Computerbildschirm sichtbar gemacht. Doch was sich heute nach Hollywoodstreifen anhört, ist in ferner Zukunft womöglich ein wirksames Verfahren in der realen Welt.

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Immer weiter entschlüsselt: Das menschliche Gehirn als Beweisinstrument.

Quelle: Steffen

Göttingen. Schon heute arbeiten Forscher daran, durch Messungen der Hirnaktivität Rückschlüsse auf die gefassten Gedanken schließen zu können.

Ausgereifte Methoden könnten viel verändern. Vor allem im Justizverfahren, meint Prof. Reinhard Merkel bei der Podiumsdiskussion „Sind deine Gedanken (noch) frei? Chancen und Risiken moderner Hirnforschung“ im Hörsaal des Zentralen Hörsaalgebäudes der Universität. Zum Beispiel wenn Erinnerungen überprüft werden können oder durch genaue Analyse ermittelt werden kann, wie gefährlich ein potenzieller Krimineller wirklich ist.

Merkel forscht als Professor für Strafrecht und Rechtsphilosophie an der Universität Hamburg und ist Mitglied des Deutschen Ethikrats. Zusammen mit Prof. John-Dylan Haynes vom Bernstein Center for Computational Neurosciences in Berlin nimmt er an der Diskussion teil, die vom Politik-Mentoring-Team des Instituts für Politikwissenschaft und der Fachschaft Biologie der Universität Göttingen veranstaltet wird.

Joachim Müller-Jung, Ressortleiter für Natur und Wissenschaft der Frankfurter Allgemeinen Zeitung moderiert den Abend.

Wie weit die Hirnforschung heute ist, stellt Haynes in einem kurzen Vortrag vor. So könne man ein statistisches Bild mittels Magnetresonanztomographie erstellen, das die aktiven Hirnareale etwa beim Betrachten bestimmter Bilder zeige. „Wir sehen, dass jeder Gedanke ein eigenes Aktivierungsmuster erhält“, sagt Haynes. Anhand dieser Aktivierungsmuster sei es möglich, bis zu einem gewissen Grad, die Gedanken auszulesen.

Allerdings noch nicht in einem verlässlichem Rahmen: „Diese Leistung hat man noch nicht erbracht. Das ist alles noch Grundlagenforschung“, meint Haynes. Den Einsatz solcher Methoden sieht er kritisch: „Wir tun uns keinen Gefallen damit, wenn wir diese Verfahren, die gerade erst aus der Forschung herausgefallen sind, allzu schnell zur Anwendung bringen.“

Strafrechtsprofessor Merkel hingegen steht den neuen neurowissenschaftlichen Verfahren optimistisch gegenüber. Für ihn können die Messungen im Gehirn zukünftig ein wertvolles Mittel sein, um Angeklagte vor Gericht zu entlasten. „Das hat einen sehr geringen Beweiswert.

Aber jeder Beweis, und das ist das gute Recht eines Beschuldigten, kann vor Gericht vorgebracht werden“, sagt Merkel. Wegen des geringen Beweiswertes würden sich diese Methoden allerdings nicht zur Überführung eines Beschuldigten eignen, meint Merkel. Denn am Ende gelte vor allem eine Maßgabe vor Gericht: im Zweifel für den Angeklagten.

Von Daniela Lottmann

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