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Politikwissenschaftler Khosrozadeh über den Iran in der arabischen Welt

Religionskonflikte Politikwissenschaftler Khosrozadeh über den Iran in der arabischen Welt

Der Iran hat in den vergangenen Jahren in vielen arabischen Hauptstädten erheblich an Einfluss gewonnen, so im irakischen Bagdad und im syrischen Damaskus, im libanesischen Beirut und demnächst vielleicht auch im jemenitischen Sanaa.

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Khosrozadeh

Göttingen. „Das begeistert viele iranische Nationalisten, die sonst keinerlei Sympathien für die Islamische Republik hegen“, berichtet der promovierte Politikwissenschaftler Behrouz Khosrozadeh vom Göttinger Institut für Demokratieforschung. Er forscht seit Jahren über sein Heimatland.

„Zwischen Persern und Arabern herrscht eine alte Rivalität“, erläutert der Wissenschaftler. Viele Iraner empfänden es bis heute als Schmach, dass muslimische Araber im 7. Jahrhundert das mächtige iranische Reich der Sassaniden zerschlagen hätten. „Im 16. und 17. Jahrhundert haben dann die Osmanen die Region zwischen Mittelmeer und dem Irak erobert, die die Iraner als ihre Einflusssphäre betrachten“, sagt Khosrozadeh. Diese Entwicklung kehre die Islamische Republik nun mit Unterstützung von schiitischen Gruppen vor Ort um.

„Der Mullah-Staat geht dabei realpolitisch vor“, betont Khosrozadeh. Er versuche nicht, den eigenen Scharia-Staat zu exportieren. Das ermögliche es ihm, mit anderen schiitischen Gruppen zu kooperieren. Die Alawiten in Syrien  gelten den iranischen Zwölfer-Schiiten eigentlich als „Übertreiber“, weil sie Ali, den Schwiegersohn Mohammeds, vergöttlichten. Auch die Fünfer-Schiiten im Jemen, die Zaiditen,  vertreten andere religiöse Vorstellungen als die Iraner. Allen Schiiten gemeinsam sei aber die Ablehnung der islamischen Mehrheitskonfession, der Sunniten. Von ihnen fühlten sie sich dominiert und ausgegrenzt.

„Das Erstarken der Schiiten wird von den sunnitischen Arabern allerdings nicht hingenommen“, betont der Politologe. Saudi-Arabien, wo eine andere Spielart des Islamismus, der wahabitische Salafismus, Staatsreligion sei, habe die Führung dieses Lagers übernommen. Wie die Islamische Republik Iran missachte Saudi-Arabien religiöse Minderheitenrechte, kenne öffentliche Hinrichtungen und Körperstrafen wie Auspeitschungen oder das Abhacken von Händen. Frauen würden diskriminiert.

„Aus salafistischer Sicht sind die Schiiten vom Islam abgefallen, was nach dem islamischen Recht, der Scharia, mit dem Tod zu ahnden ist“, führt der Politikwissenschaftler aus. Diese konfessionelle Komponente des realpolitischen Konflikts auszuspielen, berge Risiken. Auch in Saudi-Arabien gebe es eine Minderheit von 15 Prozent Schiiten.  Sollte es zu einem  Religionskrieg  kommen, führe das zur Destabilisierung  der Region.

„Das Beispiel des Islamischen Staats in Syrien und dem Irak zeigt, wie solche Konflikte aus dem Ruder laufen können“, so Khosrozadeh. Der Islamische Staat vertrete eine Spielart des Salafismus. Seine Brutalität gegen Andersgläubige, neben Schiiten insbesondere Christen und Jesiden, erzeuge auch in der islamischen Welt Abscheu. Andererseits gingen die schiitischen Milizen in Syrien, und vor allem im Irak ihrerseits grausam gegen die sunnitische Zivilbevölkerung vor. Der Westen solle mäßigend auf die Konfliktparteien einwirken, fordert der Wissenschaftler. Das liege im Interesse von Europa, dass unmittelbar von den Entwicklungen im Nahen Osten betroffen sei. Das zeigten die Flüchtlingsströme über das Mittelmeer.

Von Michael Caspar

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