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Politologe Beyme fordert Gelassenheit

Muslime in Deutschland Politologe Beyme fordert Gelassenheit

Für einen gelasseneren Umgang mit Muslimen hat Klaus von Beyme in Göttingen geworben. Der Heidelberger Politikwissenschafler trat vor 80 Zuhörern im Theologicum der Universität für mehr Toleranz etwa bei Kopftüchern und Minaretten ein. Die beiden großen muslimischen Feste sollten gesetzliche Feiertage werden.

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Der Heidelberger Politikwissenschafler Klaus von Beyme.

Quelle: HW

Göttingen . Die aufgeregte Diskussion über angeblich nicht integrierbare Muslime erinnert von Beyme (81) an die Art, wie Protestanten im deutschen Kaiserreich über angeblich nicht integrierbare Katholiken sprachen. Die deutsche Gesellschaft habe sich stark säkularisiert und reagiere deshalb befremdet auf fromme Muslime, gab er zu bedenken. Ängste verstärkten die Medien, die mit Sensationen Auflage zu machen suchten.

Der Wissenschaftler warnte davor, den Terror im Namen des Islams mit dem Islam gleichzusetzen. Menschen mit psychischen Problemen, die im Westen gescheitert seien, handelten als Einzeltäter oder dienten sich Gruppen wie dem Islamischen Staat an. Die Mehrheit der Muslime lehne solche Taten als unislamisch ab.

Klaus von Beyme.

Quelle: dpa

Unverständnis äußerte von Beyme über die Aufregung angesichts von Minaretten. Diese könnten durchaus architektonische Attraktionen seien. Christen, die sich gegen den islamischen Gebetsruf aussprechen, sollten bedenken, dass in der säkularisierten Gesellschaft auch läutende Kirchenglocken als störend empfunden werden.

Kopftücher erinnern von Beyme an seine schlesische Heimat. Ein Kopftuch halte Frauen nicht davon ab, sich Bildung anzueignen, betonte er. Zurückhaltender äußerte er sich über die Burka. Argumente, dass auch Ärzte im Operationssaal oder Skifahrer auf der Piste ihr Gesicht verhüllten, überzeugten ihn nicht.

Als „absurd“ bezeichnete es der Politologe, von muslimischen Migranten perfekte Deutschkenntnisse zu verlangen oder ihnen die Verwendung der Muttersprache in der Familie zu verbieten. Auch die Polen, die im 19. Jahrhundert ins Ruhrgebiet eingewandert seien, sprachen damals weiterhin Polnisch. In Frankreich sind nach Angaben von Beyme perfekt Französisch sprechende Muslime mit nordafrikanischen Wurzeln schlechter integriert als muslimische Zuwanderer in Deutschland.

Dass Muslime gegen die Verletzung ihrer religiösen Gefühle protestieren, ist nach Einschätzung des Professors kein Zeichen für mangelnde Integrationsfähigkeit. Tierschützer fühlten sich durch Pelze in ihren Gefühlen verletzt, Atheisten durch Kreuze in Klassenzimmern. Diese Gruppen äußerten ebenfalls ihre Unzufriedenheit. Von Beyme hielt seinen Vortrag in der Vorlesungsreihe „Kirche, Staat, Politik“.

Vortrag:

"Perspektiven und Weiterentwicklungen des gegenwärtigen Religionsverfassungsrechts" sind Thema des letzten Vortrags der Reihe "Kirche-Staat-Politik. Perspektiven auf ein komplexes Verhältnis". Prof. Hans-Michael Heinig spricht am Dienstag, 12. Juli, um 18.15 Uhr im Theologicum, Platz der Göttinger Sieben 2, Raum T02.

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