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Göttingen Potenziale und Grenzen der Biolandwirtschaft
Campus Göttingen Potenziale und Grenzen der Biolandwirtschaft
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00:21 10.04.2018
Reisbauern in Indonesien. Quelle: r
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Göttingen

Nach Angaben der Universität Göttingen wird der Anbau von Biolebensmitteln im Vergleich zur industriellen Landwirtschaft gemeinhin als schonender für Mensch, Tier, Umwelt und Klima wahrgenommen. Viele Studien besagen, dass der Ökolandbau eine größere Artenvielfalt und eine geringere Schadstoffbelastungen mit sich bringt. Um herauszufinden, ob der Ökolandbau auch vor dem Hintergrund der globalen Herausforderungen als grundsätzlich nachhaltig eingestuft werden kann, werteten Meemken und Qaim von der Fakultät für Agrarwissenschaften an der Universität Göttingen rund 150 Einzelstudien und Meta-Analysen zu den Effekten des Ökolandbaus in unterschiedlichen Teilen der Welt aus. Dabei habe sich gezeigt, dass Biolebensmittel im Vergleich mit Produkten aus konventioneller Landwirtschaft keinen unterschiedlichen Effekt auf die Gesundheit haben.

„Nur ein Prozent der Ackerfläche wird nach den Regeln des Ökolandbaus bewirtschaftet“

Die Wissenschaftler entdeckten zudem, dass die Vorteile des Biolandbaus für Umwelt und Klima nicht gelten, wenn die Effekte pro Produkteinheit statt pro Hektar Ackerfläche verglichen werden, heißt es in einer Mitteilung. Für ökologische Lebensmittel benötige man wegen der niedrigeren Erträge mehr Ackerfläche als für die gleiche Menge konventioneller Produkte. So würden sich die Umwelt- und Klimavorteile des Ökolandbaus im Vergleich zur konventioneller Landwirtschaft ausgleichen und für einige Parameter sogar umkehren: „Die Ertragsunterschiede müssen berücksichtigt werden, weil die globale Nachfrage nach Lebensmitteln weiter wächst“, sagt Qaim. „Bisher wird weltweit nur ein Prozent der Ackerfläche nach den Regeln des Ökolandbaus bewirtschaftet. Wollte man zukünftig die ganze Welt mit Bioprodukten ernähren, bräuchte man deutlich mehr Fläche, was nur auf Kosten von Wäldern und anderen natürlichen Lebensräumen möglich wäre.“

Des Weiteren seien Biolebensmittel zur Ernährungssicherung in Entwicklungsländern ungeeignet, da sie im Schnitt erheblich teurer als konventionelle Produkte sind. „Für einheimische Grundnahrungsmittel gibt es in Entwicklungsländern aufgrund der niedrigen Einkommen bisher kaum einen Markt für teurere Bioprodukte“, erklärt Meemken.

„Benötigt werden produktive und zugleich umweltfreundliche Systeme“

Die Autoren der Studie kommen nach Angaben der Universität zu dem Schluss, dass der Ökolandbau zwar in bestimmten Situationen vorteilhaft ist, aber nicht als Leitbild für global nachhaltige Landwirtschaft und Ernährungssicherung gelten kann. Eben so wenig kann die industrielle Landwirtschaft mit ihrem hohen Einsatz von Chemikalien als Modell für Nachhaltigkeit dienen. „Benötigt werden produktive und zugleich umweltfreundliche Systeme. Solche Systeme standörtlich angepasst zu entwickeln, erfordert die intelligente Kombination von Methoden des Ökolandbaus und der konventionellen Landwirtschaft – auch unter Berücksichtigung ganz neuer Technologien“, so Meemken und Qaim.

Die Ergebnisse sind in der Fachzeitschrift „Annual Review of Resource Economics“ erschienen.

Von Madita Eggers

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