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Prachtstück in Neubearbeitung

Fuldaer Sakramentar Prachtstück in Neubearbeitung

Die liturgische Handschrift „Fuldaer Sakramentar“ aus dem Jahr 975 gehört zu den größten Schätzen der Niedersächsischen Staats- und Universitätsbibliothek (SUB) in Göttingen. Anlässlich des Welttag des Buches wurde eine wissenschaftliche Neuerscheinung über die Prachthandschrift in Göttingen vorgestellt.

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Verbunden mit dem Text: Initiale.

Quelle: SUB

Bereits als Student hatte der Autor Dr. Christoph Winterer in Göttingen angefragt, ob es möglich wäre, die Handschrift für seine Magisterarbeit einzusehen. Das Vertrauen, das Helmut Rohlfing, Leiter der SUB-Abteilung Spezialsammlungen und Bestandserhaltung, ihm entgegengebracht habe, sei für ihn einmalig gewesen. So entstand eine Leidenschaft, die nun zu der ersten umfassenden kunsthistorischen Würdigung dieses Werkes der ottonischen Epoche unter dem Titel „Das Fuldaer Sakramentar in Göttingen“ führte.

Die nach ihrem Entstehungsort, dem Benediktinerkloster Fulda, benannte Handschrift enthält wie alle Sakramentare die Gebete und sonstigen heiligen Texte, die während eines Gottesdienstes von dem Vorsteher der Messe verlesen wurden. Sie ist unsere „bedeutendste mittelalterliche Handschrift“, erklärte Dr. Norbert Lossau, Direktor der SUB. Über 500 Initialen schmücken die Handschrift, sowie mehr als 30 Miniaturen. 

Für das Buch von Winterer seien unzählige dieser Beispiele mittelalterlicher Buchmalerei digitalisiert worden. Auf den fast 600 Seiten des Buches von Winterer finden sich nun einige hundert farbige Abbildungen. So könne man die Handschrift, die auf etwas unklaren Wegen von Fulda über die Universität Helmstedt nach Göttingen kam, in Zukunft genießen. Dies Beispiel zeige, warum die SUB ihre einzigartige Sammlung den Forschern auch weiterhin öffnen wolle, so Lossau.

Zum Wohle des Textes

„Das Fuldaer Sakramentar erschien mir in der Literatur unterbewertet“, erklärte Winterer einen seiner Beweggründe sich in seinen Forschungsarbeiten mit dem „Fuldaer Sakramentar zu beschäftigen. Aus diesem Zeitraum gebe es sicher ästhetisch ansprechendere und einflussreichere Handschriften, ihn aber überzeugten zum einen an den Bildzyklen die Beweglichkeit der Figuren. Zum andern seien die Initialen eigentümlich mit den Bildern verbunden. Hier habe es zum Wohle des Textes keine Verselbständigung des Kunstwerkes gegeben. 

Auch sei ein Anspruch der Autoren an den Leser erkennbar, Bezüge zwischen den Miniaturen herzustellen und Text und Bild gründlich zu durchdringen. „Er sollte eine intellektuelle Herausforderung sein.“

Die Mönche, die an dieser Handschrift gearbeitet haben, wollten, ist sich Winterer sicher, etwas Programmatisches   hinterlassen. „Sie trauen sich in ihren Bilder etwas, das nicht im Text steht“: Fasziniert sei er gewesen von einem Bild, auf dem in zwei Medaillons Erzbischöfe abgebildet sind. Aus dem Vergleich mit anderen Handschriften habe sich ergeben, dass dies Papst Gregor und Papst Gelasius seien. Etwas, was zu dieser Zeit vollkommen unüblich war. Überhaupt finde sich so viel Gelasisches in der Handschrift. Die Fuldaer, so Winterer, griffen auf eine Tradition zurück, die im Ruch stand, römisch zu sein. Weil ihre Dokumentation ihrer Meinung nach ohne diese Tradition nicht vollständig gewesen wäre.

Christoph Winterer: „Das Fuldaer Sakramentar in Göttingen. Benediktinische Observanz und römische Liturgie“. Imhof Verlag, ISBN 978-3-86568-190-4, 119 Euro.

Christiane Böhm

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