Menü
Göttinger Tageblatt / Eichsfelder Tageblatt | Ihre Zeitung aus Göttingen
Anmelden
Göttingen Auseinandersetzung zwischen Studenten und Studentenwerk
Campus Göttingen Auseinandersetzung zwischen Studenten und Studentenwerk
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
19:16 14.12.2017
Bewohner protestieren in der Mensa gegen das Studentenwerk Göttingen. Quelle: Swen Pfšrtner
Göttingen

Vertreter der Vereinigungen, die zu der Kundgebung aufgerufen hatten, formulierten vor den rund 300 Menschen, die in die Zentralmensa auf dem Campus gekommen waren, ihre Forderungen. „Wir sind heute hier, um gegen das Verhalten des Studentenwerks zu demonstrieren“, erklärte eine Rednerin. Man wolle eintreten für ein transparentes und soziales Studentenwerk. Eine der zentralen Forderungen: Das Studentenwerk solle im kommenden Jahr mit der Sanierung der Häuser Rote Straße 1-5 und Burgstraße 46 beginnen, in denen Selbstverwaltung studentische Wohngemeinschaften leben. Der Verwaltungsrat des Studentenwerks, der zeitgleich tagte, was die Demonstranten zum Anlass für die Kundgebung nahmen, solle das Studentenwerk an seinen sozialen Auftrag erinnern und dazu beitragen, dass Geld für den Beginn der Sanierung in den Haushalt 2018 eingestellt werde.

Investitionen in soziale Infrastruktur

Das Studentenwerk wies derweil „alle Anschuldigungen zurück“ und erklärte „die Vorwürfe für absurd“.Es habe seit 2017 begonnen, 47,6 Millionen Euro in die soziale Infrastruktur der Studierenden zu investieren. Dieser Kurs soll bis 2021 fortgesetzt werden. Dabei sollen 31,6 Millionen Euro in den Bereich Studentische Wohnen fließen, 16 Millionen Euro den Bereich Mensen und Cafeterien. Etwas mehr als die Hälfte der Investitionssummen müsse über Kredit finanziert werden, der Rest aus Eigenmitteln. Dadurch stiegen die Mieten in den Wohnheimen des Studentenwerks um durchschnittlich 37 Euro, allerdings nur für Mietverhältnisse, die nach dem 1. Januar geschlossen wurden, teilt das Studentenwerk mit. Notwendig sei dies wegen der Sanierungslast der Wohnheime und den deutlich gestiegenen Instandhaltungskosten.

Auch den Vorwurf der Sanierungsverschleppung in den Häusern in der Burg- und der Roten Straße will das Studentenwerk nicht akzeptieren. Aufgrund des sehr unterschiedlichen Immobilienbestandes sei diese Aufgabe sehr anspruchsvoll. Und das Studentenwerk führt Beispiele seiner Fürsorge an. Am Kreuzbergring habe das Studentenwerk seit 2011 acht Wohnheime zur Erhaltung des studentischen Wohnraums umgesetzt. Eine weitere Sanierung dort wurde im Oktober 2017 beendet, ab März 2018 soll auch das Gebäude Kreuzbergring 32 saniert zur Verfügung stehen. Weitere Sanierungsbeispiele liste das Studentenwerk auf. Prof. Jörg Magull weist darauf hin, dass die Häuser an der Roten- und Burgstraße nicht verfallen sollen. Er will weiterhin eine Lösung mit den Bewohnern finden - „idealerweise mit einem Trägerverein, dessen Satzung eine Vermietung an Studierende sicherstellt“.

Papierbahn mit Forderungen ans Studentenwerk

Gegen den Vorwurf, das Studentenwerk arbeite ohne studentische Beteiligung, wendet das Studentenwerk ein, dass per Satzungsvorgabe Studentenvertreter sowohl im Vorstand als auch im Stiftungsrat mitarbeiten. Auch die Bewohner der umstrittenen Häuser seien kontinuierlich in die Planungen der Sanierung und Umbauten eingebunden gewesen. Magull: „Im Fall Rote Straße hatten und haben wir kein Interesse an der Eskalation des Konflikts. Wir setzen auf die Vermittlungskompetenz von Oberbürgermeister Rolf-Georg Köhler.“ Der soll den Streit demnächst schlichten.

Die Demonstranten rollten am Ende ihrer Kundgebung eine Papierbahn aus, auf der alle Anwesenden Forderungen an das Studentenwerk aufschreiben konnten. Eine Auswahl: Kollektive Mietverträge, mehr Gemeinschaftsräume – Scheiß auf breite Flure, kümmert euch wenigstens um funktionierende Feuermelder, Einsturz verhindern – Leben retten.

Die angekündigte vorzeitige. Schließung der Mensa und des Cafés, um niemand irgendwelcher Gefahren auszusetzen, nahm Magull zurück. Die AStA-Vorsitzende Silke Hansmann habe einen friedlichen Verlauf der Kundgebung garantiert, lautete die Erklärung.

Erklärung des Studentenwerks Göttingen

Das Studentenwerk Göttingen hat in einer Pressemitteilung ausführlich Stellung bezogen zu den Vorwürfen. Unter anderem heißt es darin: „Die Antwort des Studentenwerks zu den Mieterhöhungen lautet: In einer Größenordnung von 47,6 Millionen Euro hat das Studentenwerk Göttingen seit 2017 begonnen, in die soziale Infrastruktur der Studierenden zu investieren und setzt diesen Kurs bis 2021 fort. 31,6 Millionen Euro fließen in den Bereich Studentisches Wohnen, 16 Millionen Euro in den Bereich Mensen und Cafeterien. Etwas mehr als die Hälfte der Gesamtinvestitionssumme muss durch Kreditaufnahmen finanziert werden, was einem Betrag von 25,387 Millionen Euro entspricht. Etwas weniger als die Hälfte der Investitionssumme erfolgt durch Eigenmittel.

Hierdurch stiegen die Mieten in den Wohnheimen des Studentenwerks Göttingen für Mietverhältnisse ab 1.1.2017 um durchschnittlich 37 Euro. Diese Erhöhungen wurden differenziert vorgenommen. Es waren nur Mietverträge, die nach dem 1.1.2017 neu geschlossen wurden, von diesen Erhöhungen betroffen. Die Gründe für die Mietpreisanpassungen liegen in der Sanierungslast in den Wohnheimen, die konstant hoch bleiben wird, sowie in den deutlich gestiegenen Instandhaltungskosten.“

Weiter wird angeführt, „zur Kritik, Vorstand und Stiftungsrat des Studentenwerks würden ohne Beteiligung studentischer Vertreter/innen arbeiten sowie Studierende nicht ausreichend in Planungen einbeziehen, entgeg-net das Studentenwerk: Per Satzungen ist jeweils klar festgelegt, dass sowohl im Vorstand als auch im Stiftungsrat des Studentenwerkes studentische Vertreter mitarbeiten. Dies wird in beiden Gremien auch so umgesetzt: Im mit neun Personen besetzten Vorstand arbeiten drei studentische Vertreter/innen mit, im zwölfköpfigen Stiftungsrat fünf studentische Vertreter/innen. Darüber hinaus betont Geschäftsführer Prof. Dr. Jörg Magull, dass beispielsweise die Bewohner-innen und Bewohner der Häuser Rote Straße/Burgstraße zahlreich und kontinuierlich in die Planungen der Sanierungs- und Umbaumaßnahmen integriert waren – in vielen gemeinsamen Meetings mit dem Studentenwerk und teilweise im direkten Kontakt mit dem beauftragten Architekturbüro: „Im Fall Rote Straße hatten und haben wir kein Interesse an der Eskalation des Konfliktes. Wir setzen auf die Vermittlungskompetenz von Oberbürgermeister Rolf-Georg Köhler. Gespräche mit den Bewohnern der Roten Str./Burgstraße würden wir wieder aufzunehmen, um eine Lösung für alle Parteien zu finden.“

Von Peter Krüger-Lenz

Kommentare
Die Debatte geht am Morgen weiter
Die Kommentarfunktion ist zwischen 23:00 und 06:00 Uhr nicht aktiv – denn wir wollen eine gute Moderation der Beiträge gewährleisten.
Wir freuen uns am Morgen über Ihre konstruktiven Beiträge zum Thema!
Göttingen Forschungsförderpreis der DFG - Göttinger Physiker erhält Leibniz-Preis

Für seine Forschung an Nanostrukturen erhält der Göttinger Physiker Prof. Claus Ropers den mit 2,5 Millionen Euro dotierten Gottfried Wilhelm Leibniz-Preis der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG). Die DFG würdigt damit seine führende Rolle auf dem Gebiet der zeitaufgelösten Elektronenmikroskopie.

15.12.2017
Göttingen Archäologisches Institut - Adventsbasar zwischen Gipsabgüssen

Die Sammlung der Gipsabgüsse der Universität Göttingen veranstaltet am Sonntag wieder einen Adventsbasar. Im Angebot: unter anderem Gipsabgüsse kleiner Skulpturen und Reliefs.

14.12.2017

Von 1964 bis 1970 war Horst Kern Assistent am Soziologischen Seminar der Universität Göttingen. Von 1977 bis 1995 Professor am Seminar und bis 1998 Präsident des Soziologischen Forschungsinstitut (Sofi). Diese Zeit stand im Zentrum seines Vortrags am Mittwochabend im Oeconomicum.

14.12.2017