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Göttingen Warum wir Steuern zahlen
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13:39 21.05.2017
Steuererklärung: Was das Handeln zur Zahlung von Steuern entscheidet, untersuchten Göttinger Forscher. Quelle: dpa
Göttingen

Die Wissenschaftler fanden heraus, dass in der Regel sowohl unter Zwang als auch aus Verantwortungsgefühl Steuern gezahlt werden. Die Motivation dahinter scheint aber jeweils eine andere zu sein. Die Ergebnisse der Studie sind in der Fachzeitschrift Social Cognitive and Affective Neuroscience erschienen.

Eine Zwang ausübende Steuerbehörde arbeitet mit strengen Kontrollen und Strafen, wohingegen eine Steuerbehörde, die mit Legitimität ans Ziel kommen möchte, auf Transparenz und professionelle Unterstützung der Steuerzahler setzt. In zwei Experimenten mit jeweils rund 80 Teilnehmern untersuchten die Wirtschafts- und Neuropsychologen aus China, Großbritannien, Österreich und Deutschland, unter welchen Bedingungen sich jemand entschied, ein fiktives Jahreseinkommen zu versteuern. Im ersten Experiment ging es um die Entscheidungsdauer, im zweiten beobachteten die Wissenschaftler zusätzlich die Hirnaktivität der Teilnehmerinnen und Teilnehmer mittels Elektroenzephalografie (EEG), um den exakten Zeitverlauf des Entscheidungsprozesses noch genauer abbilden zu können. Darüber hinaus beurteilten die Teilnehmer beider Experimente das Verfahren mittels eines Fragebogens.

Die Ergebnisse zeigten, dass die Teilnehmer unter beiden Szenarien Steuern zahlten – allerdings aus unterschiedlichen Motiven. Während sie unter Zwang angaben, Steuern lediglich zu zahlen, weil sie mussten, erklärten sie im anderen Fall, dass sie Steuern auch freiwillig abgeführt hätten. Auf neuronaler Ebene wurde deutlich, dass Steuerentscheidungen unter Zwang offenbar einfacher zu treffen sind. „Während der Zwang vermutlich einfache kalkulierende Prozesse auslöst, führt Legitimität zu einem komplexeren Konflikt zwischen Selbstinteresse und dem Gemeinwohl der Gesellschaft“, erläutert Dr. Katharina Gangl vom Georg-Elias-Müller-Institut für Psychologie an der Universität Göttingen.

Die Wissenschaftler vergleichen ihre Beobachtungen im Labor mit dem Phänomen des Schnellfahrens im Straßenverkehr: „Angedrohte Kontrollen führen dazu, dass man seinen Fahrstil nur deshalb anpasst, weil man einer Strafe entgehen will“, so Gangl. „Der eigentliche Zweck, nämlich die Verkehrssicherheit, gerät dabei in Vergessenheit. Umgekehrt dürfte der Ansatz der Legitimität, der das nachvollziehbare Erklären von Sachverhalten beinhaltet, zum Nachdenken anregen und moralische Aspekte der Entscheidung in den Vordergrund rücken. Dies könnte bewirken, dass man langsamer fährt oder Steuern zahlt, weil man seinen Beitrag zum Gemeinwohl leisten möchte, und nicht nur, weil man muss.“

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