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Raum für Experimente

Wissenschaft Raum für Experimente

Dutzende Glasschränke reihen sich im Souterrain-Geschoss der Göttinger Physik-Fakultät aneinander. Dort werden mehr als 1000 verschiedene Versuche aufbewahrt. „Mit ihnen veranschaulichen die Professoren den Lehrstoff“, erläutert Holger Schebela (46), Leiter des Teams Vorlesungsvorbereitung.

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Gut sortiert lagern im Souterrain der Physik-Fakultät Geräte für mehr als 1000 Versuche.    

Quelle: Theodoro da Silva

Göttingen. Wie lässt sich die Geschwindigkeit des Lichts messen? Wie funktioniert ein Flaschenzug? Solche und viele andere Fragen können Schebela und seine Kollegen Joachim Feist (53) und Michael Hillmann (56) mit Hilfe von Experimenten beantworten. Teils sind es eigene Entwicklungen, teils stammen sie von Lehrmittelherstellern wie der Göttinger Phywe Systeme oder LD Didactic. „Die Effekte müssen stark sein, damit sie in einem Hörsaal mit 300 Studierenden auch in der letzten Reihe gesehen werden können“, betont Schebela.

Die drei Universitätsmitarbeiter bauen die Versuche in den Gängen zwischen den Glasschränken auf. In den Fächern eines großen Schranks, der noch aus der Alten Physik in der Bunsenstraße stammt, finden sich Verschleißteile: Teflonschläuche, Federn oder Stecker. Auch eine Schachtel Zigaretten liegt in einer der Schubladen. „Manchmal benötigen wir Rauch“, erklärt Schebela.

Der Physiker Holger Schebela.

Quelle: Theordoro da Silva

Einfache Experimente bauen die Vorlesungsvorbereiter innerhalb von zehn Minuten auf. Für andere benötigen sie eine Stunde. „Es funktioniert nicht immer alles sofort“, räumt Schebela ein. Pro Vorlesung gibt es bis zu fünf Experimente. Weil es in der Lehre Schlag auf Schlag gehen muss, stehen während des Semesters die Gänge voll mit Versuchsaufbauten. Vom Souterrain aus lassen sie sich direkt in vier der fünf Physik-Hörsäle am Friedrich-Hund-Platz 1 schieben.

„Nach der Vorlesung kommen oft Studierende auf uns zu, um sich alles noch einmal erklären zu lassen“, berichtet Schebela. Er und seine Kollegen passen auf, dass es an den Aufbauten nicht durch unachtsames Verhalten zu Unfällen kommt. „Gefäße können implodieren, Stromschläge sind möglich“, warnt der gelernte Industrieelektroniker.

Physikexperimente während der Vorlesungen sind heute an Universitäten Standard. Das ist nicht zuletzt einem Göttinger Professor zu verdanken. Robert Wichard Pohl, der von 1916 bis 1951 in Göttingen lehrte, ersann als erster systematisch für den gesamten Lehrstoff Experimente. Er ist Verfasser des Standardwerks zum Thema, das in mehreren Bänden zwischen 1927 und 1954 erschienen ist. Eine Neuauflage des Buchs hat sein Sohn, der mittlerweile emeritierte Physikprofessor Robert Otto Pohl von der Cornell-Universität in den USA, mit einem Kollegen herausgegeben. „Der Sohn, der in Göttingen eine Wohnung hat, schaut von Zeit zu Zeit bei uns vorbei“, berichtet Schebelas Vorgänger, Manfred Schrader (70). Er betreut heute ehrenamtlich die historische Sammlung der Physik, deren Magazin sich ebenfalls im Souterrain befindet.

Die Versuchsvorbereiter in Deutschland sind organisiert. „Wir treffen uns einmal im Jahr, um uns auszutauschen, 2016 in Greifswald“, sagt Schebela.

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