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Restaurierungswerkstatt der Universitätsbibliothek Göttingen

„Campus-Ansichten“ Restaurierungswerkstatt der Universitätsbibliothek Göttingen

Die Tageblatt-Sommerserie „Campus-Ansichten“ bietet Einblicke und Ausblicke, die die Universität und Forschungsinstitute in Göttingen von Seiten zeigen, die nur wenigen Menschen bekannt sind. Um die Restaurierungswerkstatt der Universitätsbibliothek geht es in Folge 6.

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Buch- und Papierrestauratorin Magdalena Schumann.

Quelle: Pförtner

Mäuse haben an den Büchern genagt, Schimmel die Seiten befallen. Risse klaffen in den Buchrücken. Solche und andere Schäden beseitigen die sieben Mitarbeiter der Restaurierungswerkstatt, die die Niedersächsische Staats- und Universitätsbibliothek im Papendiek 14 betreibt.

 
„Es war gut gemeint, genügt aber heutigen Ansprüchen nicht mehr“, meint die Buch- und Papierrestauratorin Magdalena Schumann (52). Vor ihr auf dem Arbeitstisch liegt ein gebundener Band mit Originalbriefen aus dem Nachlass des Göttinger Orientalisten Johann David Michaelis. Weil die Briefe unterschiedlich groß sind, wird das Papier beim Blättern verschieden stark belastet. An vielen Stellen ist es eingerissen.

 
Vorsichtig löst Schumann die Seiten aus der stabilen Bindung, eine Herausforderung angesichts des zarten Papiers. Auf den Briefen bleibt Kleber zurück. Die Restauratorin trägt Tylose auf, eine gelartige Substanz. Dadurch quillt der Kleber und lässt sich abschaben. Mit einem Latex-Schwämmchen reinigt Schumann die Schriftstücke von Staub. Risse schließt sie mit Kleister und Japanpapier. Jeden Arbeitsschritt dokumentiert sie. Am Ende kommen die Briefe lose in eine Mappe aus säurefreiem Papier. Wissenschaftler können die Schriftstücke im Lesesaal unter Aufsicht einsehen.

 
In einem der Nachbarzimmer stellt der Buchrestaurator und studierte Bibliothekar Sandor Balogh (55) den Lederrücken eines Buches aus dem Jahr 1482 wieder her. Er ersetzt fehlende Lederstücke. Wie seine Kollegen vor 500 Jahren verwendet er Proteinleim und Weizenstärkekleister. „Das hat sich bewährt“, sagt Balogh. 80 Arbeitsstunden benötigt er, um das Buch wieder gebrauchsfähig zu machen. „Das ist noch nicht einmal besonders viel“, berichtet er.
„Schönheit ist nicht das Ziel. Benutzer sollen den Büchern ihr Alter hinterher noch ansehen können“, nennt die Gruppenleiterin, Diplom-Restauratorin Rebecka Thalmann (36), eine der Vorgaben. Arbeit gäbe es für deutlich mehr Kollegen. Die Zahl der Mitarbeiter sei aber über die Jahre konstant geblieben.

 
Der Bestand an Schriften aus der Zeit vor 1850 ist groß. „Die Professoren und Bibliothekare trugen seit Gründung der Hochschule 1734 rund 3100 Inkunabeln, Drucke aus der Zeit Gutenbergs, für Forschung und Lehre zusammen“, sagt Johannes Mangei (46), der die Abteilung Spezialsammlungen und Bestandserhaltung leitet. Es gibt 65 000 historische Karten. Im Heynesaal der Bibliothek stehen 160 000 alte Bücher. Hinzu kommen noch 13 000 Handschriften und Autographen sowie 400 Nachlässe von Geistesgrößen wie Georg Christoph Lichtenberg oder Carl Friedrich Gauß.

 
„Insgesamt besitzt die Bibliothek 7,7 Millionen Bücher“, erklärt Mangei. Damit sei sie eine der größten und wichtigsten Deutschlands, wenn auch kleiner als die Staatsbibliotheken in Berlin und München, die jeweils mehr als zehn Millionen Bücher besäßen.

 

Von Michael Caspar

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