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Gottgegebener Herrschaftsauftrag

"Landwirtschaft zwischen Idylle und Hightech“ Gottgegebener Herrschaftsauftrag

Wie viel Fleisch dürfen wir vernünftigerweise essen? Und welche Rechte und Pflichten tragen wir als Menschen gegenüber Tieren? Darüber hat Dr. Clemens Dirscherl, Agrarbeauftragter des evangelischen Bauernwerkes Baden Württemberg, bei der Ringvorlesung „Landwirtschaft zwischen Idylle und Hightech“ gesprochen.

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Referent Dirscherl fordert einen ethischen Umgang mit Nutztieren.             

Quelle: dpa

Göttingen. „Das Tier und wir“, so betitelte Dirscherl seinen Einstieg in das Thema. Eine praktischer Ethik sei in der Landwirtschaft angebracht. Dabei weiß er offenbar, wovon er spricht, denn er durchforstet nicht nur Theorie, sondern ist auch praktisch in der Materie. Der promovierte Sozialpsychologe sitzt seit 20 Jahren in diversen landwirtschaftlichen Gremien. Mit Äußerungen wie „Jesus ist gestorben für uns Menschen und nicht für den Hamster meiner Tochter“ hat er sich mehrfach bei  Tierschutz-Organisationen wie Peta unbeliebt gemacht.

Der Schöpfungsgedanke der Bibel stehe für ein vegetarisches Leben, aber beispielsweise im ersten Buch Mose werde der Fleischkonsum sogar „in Massen“ von Gott gesegnet. Der gottgegebene Herrschaftsauftrag für den Menschen verlange vor allem Fürsorge. Die Beziehung von Mensch und Tier diene als Spiegel der Gerechtigkeit. Doch allein in biblischen Versen könne nicht argumentiert werden, denn die Schrift stehe für eine angemessene tierethische Bewertung vor dem Problem der anthropozentrischen Sicht, sagte Dirscherl.

Er plädierte vielmehr für Nachhaltigkeit und zitierte er Albert Schweitzer: „Ich bin Leben, inmitten von Leben, das leben will.“ Schon das Wort Agrarkultur beinhalte aber das lateinische ‚colere‘, zu deutsch: pflegen. Und zu dieser Pflege gehöre eben die Nutzung. Eine Agrarkultur stelle somit die Frage nach „schützen und nützen“, so Dirscherl. Dem stehe ein Agrarbusiness gegenüber, von dem heute vermehrt die Rede ist. Statt traditionell bäuerlicher Hauswirtschaft, dem in Agrarlehrbüchern verankertem Oikos, konzentriere sich das Geschäft auf Kommerz, Größenwahn und Massennachfrage. Dabei dürfe aber nicht der gesamtgesellschaftliche Auftrag hinter den Fragen des ethischen Umgangs mit Tieren vergessen werden. Auch wenn Dirscherl beteuert, nicht als Pfarrer eingeladen zu sein, predigte er eine berufsethische Orientierung bei der Frage der landwirtschaftlichen Nutzung von Tieren. Trotzdem glaube er nicht an eine vegane Revolution. Fleisch essen ja, aber nach bestem Wissen und Gewissen.

Den Abschluss der Reihe bildet am Dienstag, 12. Juli, ein Vortrag von Prof. Bernward Märländer vom Göttinger Institut für Zuckerrübenforschung. Er spricht um 18.15 Uhr in der Aula der Universität, Wilhelmsplatz 1, zum Thema „Nachhaltige Produktivitätssteigerung: Konsequenzen für Wissenschaft und Wirtschaft“.

Von Leslie Whatsack

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