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Bis zur körperlichen Erschöpfung

Ringvorlesung zu Lichtenberg Bis zur körperlichen Erschöpfung

Seine Gesundheit war angeschlagen, seine Angst, ernsthaft krank zu sein, ausgeprägt. Trotzdem hielt der Göttinger Physiker Georg Christoph Lichtenberg (1742-1799) 35 Stunden in der Woche Vorlesungen, berichtete Historiker Prof. Marian Füssel zum Auftakt der Ringvorlesung über den „leidenden Professor“.

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Marian Füssel

Quelle: Wenzel

Göttingen. „Er war grade einmal 1,46 Meter groß, hatte einen Buckel und litt zeitlebens unter Herz- und Atemproblemen“, sagte Füssel vor 350 Zuhörern in der Aula am Wilhelmsplatz. Trotzdem habe der gebürtige Hessen in Göttingen an einer „der damals modernsten Universitäten Europas“ als Hochschullehrer Kariere gemacht.

„1767 berief ihn die hessisch-darmstädtische Universität Gießen zum Profesor für Physik und Englische Sprache“, führte Füssel aus. Lichtenberg habe aber stattdessen, zur Verärgung des Landgrafen, der dem Studenten einst ein Stipendium gezahlt habe, eine Professur in Göttingen angenommen. „Dabei erhielt er dort nur die Hälfte des Geldes, das ihm Gießen zahlen wollte“, führte Füssel aus.

„In Göttingen war Lichtenberg zunächst außerordentlicher, dann ordentlicher Professor“, sagte der Historiker. Eine Beförderung in den kleinen Kreis von Hochschullehrern, die zur Promotion berechtigt waren, habe der Physiker aber angesichts der damit verbundenen Gremientätigkeit ausgeschlagen. Begründet habe er das mit seiner schlechten Gesundheit. „Damit verzichtete er auf ein wegen der Promotionsgebühren einträgliches Geschäft“, so Füssel.

„Lichtenberg besserte sein Professorengehalt mit Einnahmen aus Privatvorlesungen auf“, berichtete der Historker. In seinem Wohnhaus an der heutigen Prinzenstraße habe ihm ein Hörsaal in Form eines Amphietheaters für mehr als 100 Zuhörer zur Verfügung gestanden. Seine Vorlesung über Experimentalphysik habe sich wegen der zahlreichen Experimente und Lichtenbergs Humor großer Beliebtheit erfreut. Dabei habe sich der Professor auf Manuskripte gestützt, die bis ins Detail ausgearbeitet gewesen seien. Nach den stundenlangen Vorlesungen sei er regelmäßig zuhause zusammengebrochen.

„Lichtenberg klagte oft über das geringe Vorwissen der Studenten“, sagte Füssel. Geärgert habe ihn, wenn die Zuhörer einschliefen. Bei den Experimenten hätten ihm technische Mitarbeiter assistiert. Auch seine zweite Frau habe mitangefasst. Die Universität habe ihm später die Experimentensammlung abgekauft.

„Zeitgenossen war Lichtenberg, der nur wenige wissenschaftliche Arbeiten veröffentlichte, vor allem als außergewöhnlicher Lehrer bekannt“, sagte der Historiker. Seine umfangreiche Korrespondenz und die Sudelbücher, die seinen Ruf als Philosoph und Schriftsteller begründeten, seien erst posthum veröffentlicht worden.

Plus- und Minuszeichen

Den Schriftsteller, Physiker und Aufklärer Georg Christoph Lichtenberg will eine Ringvorlesung vorstellen, die der Darmstädter Germanist Prof. Ulrich Joost konzipiert hat. Der Physiker Lichtenberg, so Joost, habe die wissenschaftlichen Grundlagen für den Fotokopierer geschaffen. Von ihm stammten die mathematischen Zeichen Plus und Minus für die beiden elektrischen Ladungstypen. Als Schriftsteller sei vor allem wegen seiner Aphorismen bekannt. Lichtenbergs Werk nähmen Historiker, Theologen und Philosophen, Physiker und Mathematiker, Literaturwissenschaftler und Kunsthistoriker aus Deutschland, der Schweiz, den Niederlanden und England in zwölf Vorlesungen immer dienstags um 18.15 Uhr in der Aula am Wilhelmsplatz in den Blick. Zudem gebe es eine Podiumsdiskussion und eine physikalische Präsentation. Am 25. April spricht Prof. Alfred Nordmann über Lichtenbergs Sprachdenken.

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