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Schriftsteller Pau Pedrón erhält Lichtenberg-Medaille

„Rilke hätte ein spanischer Dichter sein können“ Schriftsteller Pau Pedrón erhält Lichtenberg-Medaille

Seinen Aufenthalt in Spanien sehnte Rainer Maria Rilke lange herbei. 1912 kam er dort an, war in Toledo, Ronda und Madrid. Im andalusischen Ronda ist seit seiner Abreise im Februar 1913 sein Hotelzimmer nicht belegt worden, sondern seitdem ein kleines Rilke-Museum. Die Spanier müssen ein Faible für den Schriftsteller haben.

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Goldstück Lichtenberg-Medaille: Akademie-Präsident Starck (links) übergibt die Schatulle an Preisträger Pau Pedrón mit Laudator Lehfeldt (Mitte) in der Aula der Universität.

Quelle: Heller

Dr. Antonio Pau Pedrón, Jurist und Erforscher der deutschen Literatur, hat mit seinen Büchern über Hölderlin, Novalis, Rilke und Hilde Domin diese deutschen Dichter in Spanien bekannt gemacht. Dafür und für seine hervorragenden Bücher über deutsche Literatur erhielt der Spanier am Freitag in der Aula der Universität die höchste Auszeichnung der Akademie der Wissenschaften zu Göttingen: die goldene Lichtenberg-Medaille, die seit 2004 jährlich verliehen wird.

Als Vermittler zwischen der deutschen und spanischen Kultur würdigte Akademie-Präsident Prof. Christian Starck den 1953 geborenen Preisträger. Dieser sei ein Kenner der deutschen Rechts- und Literatursprache hob Laudator Prof. Werner Lehfeldt hervor. Der Vize-Präsident der Akademie ging auf Pau Pedróns Werk „Rilke in Toledo“ ein, das gründlich die deutsche Rilke-Forschung berücksichtige. Aber nicht nur Rilke habe der Preisträger bekannt gemacht: 2008 erschien von ihm die erste Hölderlin-Biografie in Spanien und die jüngste Monografie befasst sich mit Novalis.

Die Preisverleihung im Beisein des spanischen Botschafters war zugleich die öffentliche Sommer-Sitzung der Göttinger Akademie. Diese hatte „Rilkes Beziehung zu Spanien: wie sie war, wie sie hätte sein können und wie sie ist“, den Vortrag von Pau Pedrón, zum Thema. Darin stellte Pau Pedrón unter Beweis, dass die deutsche Sprache ihm sehr geläufig ist. „Wahlheimat ist eines der schönsten Worte dieser Sprache“, sagte er und verwies auf die zwei Heimaten seiner Kindheit: Spanien und Deutschland. Der Preisträger machte keinen Hehl daraus, dass er, seit 2000 Mitglied der königlichen Akademie der Rechtswissenschaften in Spanien, die Akademien um ihre Freiheiten beneidet. Sie seien „Festungen des Nachdenkens“.

Mit Details ausgeschmückt beschrieb er die schwierige Beziehung. Rilke hatte, nachdem er Werke des spanischen Künstlers El Greco sah, sich die Reise lange vorgenommen. In Spanien aber sei er, unfähig die Eindrücke zu verarbeiten, nah am Selbstmord gewesen. Dass er eine andere Beziehung zu dem Land hätte aufbauen können, steht für Pau Pedrón fest: doch dem verschlossen sich die spanischen Künstler, denen Rilke 1902 in Paris begegnete. „Dann hätte Rilke ein spanischer Dichter sein können“, meint Pau Pedrón. Der 1926 verstorbene Rilke werde in Spanien seit den 1940er-Jahren geschätzt. „Kann man den Einfluss eines Dichters erleben, wenn man die Sprache, in der er sich ausdrückt, nicht versteht“, fragte der Preisträger. Und erklärte damit den Erfolg seiner Werke in Spanien.

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