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Schulprojekt der Uni Göttingen analysiert Islam-Bild in den Medien

Mehr als Islamischer Staat Schulprojekt der Uni Göttingen analysiert Islam-Bild in den Medien

Den einen Islam gibt es nicht. Die Religion wird vielmehr von Völkern, Gruppen und Menschen ganz unterschiedlich verstanden und gelebt. Diese Vielfalt kommt in Spiel- und Dokumentarfilmen oft nicht zum Ausdruck. So lautet eins der Ergebnisse des Schulprojektes IslaMovies der Universität Göttingen.

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Quelle: dpa

Göttingen. Der Islamische Staat im Irak und Syrien beansprucht, den wahren Islam zu vertreten. „Sunnitische Gelehrte werfen dem System aber eine falsche Auslegung des Korans vor“, berichtet Schülerin Burcu Kocakaplan. In der Islamischen Republik Iran ist die schiitische Form des Islams Staatsreligion. „Dort existiert jedoch eine Massenbewegung, die die Staatspolitik als unvereinbar mit dem Schiitentum betrachtet“, sagt Schülerin Maren Petrich.

 
Diese Zweideutigkeit kommt in der Berichterstattung oft nicht zum Ausdruck, fassen die Teilnehmer bei ihrer Abschlusspräsentation zusammen. Viele Muslime, so Kocakaplan, hätten das Gefühl, dass Islam im Westen einseitig mit Gewalt gleichgesetzt werde. Die Ausgrenzung von Muslimen als potienzielle Terroristen setzten die Schüler in einem Stop-Motion-Kurzfilm in Szene, bei dessen Erstellung die Künstlerin Angelika Kehlenbach half.

 
Ein anderer Film zeigt, wie sich eine der Oberstufenschülerinnen mit schwarzem Umhang und Gesichtsschleier bekleidet. „Das ist in den Golfstaaten üblich“, erklärt Prof. Jens Scheiner vom Courant-Forschungszentrum „Bildung und Religion“, der das Schulprojekt mit Unterstützung durch die Lehrer Marcel Gerlach (Bad Gandersheim) und Ellen Runde (Göttingen) leitet. Auch viele Salafistinnen tragen den Gesichtsschleier. Die Schüler dokumentierten einen Gang der jungen Frau durch die Göttinger Fußgängerzone. Die Blicke der Menschen schwanken zwischen Mitleid, Entsetzen und Feindseligkeit. Ein junger Mann macht im Vorbeigehen das Geräusch einer explodierenden Bombe.

 
Die Elftklässler zeigen auch die Präsenz von Muslimen, ihren Geschäften und Moscheen in Göttingen. „In meiner Schule gibt es viele Muslime“, kommentiert Jan-Sören Zinke. Einige gehörten zu seinen Freunden. Wenn Menschen sich kennenlernten, schwänden die Ängste. „Das Projekt hat meine Neugier auf den Islam verstärkt“, erklärt Schülerin Petrich.

 
Ein Jahr lang trafen sich die 20 Schüler aus Göttingen und Bad Gandersheim monatlich für vier Stunden im Y-Lab, dem geisteswissenschaftlichen Schullabor der Universität. Sie befassten sich mit Religionsstifter Mohammed, dem Koran und der arabischen Schrift. Sie analysierten Filme unter technischen Gesichtspunkten und fragten nach dem vermittelten Islambild. Schließlich entwickelten sie ihre eigene Bildersprache. Im kommenden Schuljahr gibt es eine Wiederholung des Projekts. Noch sind Plätze frei. Informationen: Prof. Jens Scheiner, Telefon 05 51 / 3 91 08 55.

 

Von Michael Caspar

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