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Schwarze Löcher und Doppelsterne

Vortragsreihe "Faszinierendes Weltall" Schwarze Löcher und Doppelsterne

Mehrere Millionen Grad Celsius heiß sind die Regionen, die Röntgenastrophysiker in den Blick nehmen. Sie beobachten unter anderem Schwarze Löcher und schmarotzende Doppelsterne. Das hat Iris Traulsen vom Leibniz-Institut für Astrophysik Potsdam bei einem Vortrag in Göttingen berichtet.

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Künstlerische Darstellung des Satelliten XMM-Newton.           

Quelle: ESA

Göttingen. „Hochenergetisch ist die Röntgenstrahlung, die Wilhelm Conrad Röntgen 1895 in Würzburg erstmals beschrieb“, erklärte Traulsen, die als Referentin in der Reihe „Faszinierendes Weltall“ sprach. Die Strahlung entstehe in sehr heißen Regionen. Von der kosmischen Röntgenstrahlung komme auf der Erde kaum etwas an. Die Atmosphäre schütze den Planeten.

„Erst 1949 stellten Wissenschaftler fest, dass auch die Sonne Röntgenstrahlung abgibt“, führte Traulsen aus. Riccardo Giacconi habe 1962 im Sternbild Skorpion die erste Röntgenquelle außerhalb des Sonnensystems entdeckt. Weitere 40 solcher Quellen seien bis 1970 identifiziert worden.

„Heute sind hunderttausende solcher Objekte bekannt“, führte die Wissenschaftlerin aus. Weltraumsatelliten, die oberhalb der Atmosphäre den Himmel beobachten, hätten sie aufgespürt. Traulsen, die ihre Dissertation in Göttingen geschrieben hat, arbeitet für den europäischen Satelliten XMM-Newton. Er startete 1999 und wird von 14 Staaten betrieben. An Bord hat er drei Röntgenteleskope. Die amerikanische Nasa betreibt seit 1999 ihren eigenen Satelliten, Chandra.

„Viele Objekte, die Röntgenstrahlen hervorbringen, lassen sich in Sternentstehungsgebieten beobachten“, erklärte die Potsdamerin. Junge Sterne seien nämlich sehr heiß. Ein anderes Objekt seien die Röntgen-Doppelsterne, bei denen die Gravitationen einen Neutronenstern mit einem anderen Stern verbinde. Neutronensterne entständen nach einer Supernova, einer Sternenexplosion, aus den kollabierenden Gasresten. Neutronensterne seien extrem kompakt und zögen den mit ihnen verbundenen Sternen Materie ab, die dabei sehr stark beschleunige. Ähnliche Phänomene gebe es, wenn Materie in die Schwarzen Löcher im Kern aktiver Galaxien hineinstürzten.

„Diese Prozesse lassen sich nicht im Labor nachstellen“, betonte Traulsen. Wenn Wissenschaftler die dabei wirkende Physik verstehen wollten, müssten sie die Phänomene im All beobachten. XMM-Newton werde voraussichtlich bis Ende 2018 Daten liefern. 2017 werde das neue europäische Röntgenteleskop eRosita mit einer russischen Rakete ins All geschickt. Es solle den Himmel noch einmal gründlich absuchen. Die Europäische Weltraumagentur ESA wolle 2028 dann als XMM-Newton-Nachfolger das Großraumteleskop Athena in Betrieb nehmen.

Mit dem Vortrag „Funny Sky – Astronomie von ihrer humorvollen Seite“ startet die zweite Hälfte der Vortragsreihe „Faszinierendes Weltall“ am Dienstag, 10. Januar. Um 20 Uhr spricht Dr. Klaus Herzig, Nicolaus-Copernicus-Planetarium Nürnberg, im Zentralen Hörsaalgebäude der Universität Göttingen, Platz der Göttinger Sieben 5, Hörsaal 008, darüber, dass Astronomie auch lustig sein kann.

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