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Science Festival Göttingen: Bericht über Fund eines Krebsauslösers

Kein Geld für Krebs-Medikament Science Festival Göttingen: Bericht über Fund eines Krebsauslösers

Er ist im menschlichen Körper fast ausschließlich im Nervengewebe sowie seltener in der Plazenta zu finden. Bei Krebspatienten lässt er sich aber auch in anderen Körpergeweben nachweisen. Die Rede ist von einem bestimmten Ionenkanal. Das ist eine Pore, die jene Stromimpulse vermittelt, über die Zellen miteinander kommunizieren.

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Die Geschäftsführende Direktorin des Xlabs begrüßt die Zuhörer beim ersten Vortrag des Science Festivals: Prof. Eva-Maria Neher (l.).

Quelle: Hinzmann

Göttingen. Auf den Zusammenhang zwischen dem spannungsgesteuerten Kalium-Ionenkanal 10.1 (Kv 10.1) und dem Krebsgeschehen ist Prof. Walter Stühmer vom Göttinger Max-Planck-Institut für experimentelle Medizin durch Zufall gestoßen. Das berichtete er 420 Schülern und Lehrern beim Science Festival des Xlabs, des Experimentierlabors für junge Leute.

„Eigentlich wollte meine Arbeitsgruppe nur verstehen, wie solche Kanäle funktionieren“, sagte Stühmer. Die Grundlagenforscher gingen dem Befund nach. So fanden sie heraus, dass das Vorhandensein des Kalium-Inonenkanals ein früher Anzeiger für eine Krebserkrankung ist. Anschließende Tierversuche deuteten darauf hin, dass der Kanal ursächlich mit der Entstehung von Tumoren zusammenhängt. Die Kanäle spielen bei der Zellteilung eine Rolle. In der Plazenta sorgen sie für rasches Wachstum.

Als nächstes prüfte die Arbeitsgruppe, ob sich die Tumorbildung durch das Blockieren der Ionenkanäle verlangsamen oder stoppen lässt. „Es gibt ein bereits zugelassenes Medikament, das als Blocker wirkt, das Aniheuschnupfenmittel Astemizol“, führte Stühmer aus. Im Tierversuch wirkt es erfolgversprechend. Eine klinische Studie, die das für Menschen bestätigen könnte, würde 100 Millionen Euro kosten. Kein Pharmaunternehmen bringe dieses Geld auf, da das Medikament bereits am Markt ist. Weil es keinen Patentschutz gäbe, würde das Unternehmen das investierte Geld nicht durch Gewinne wieder hereinholen. „So funktioniert unserer Wirtschaftssystem“, bedauert der Wissenschaftler.

Im Laufe der Evolution sind Kalium-Inonenkanäle vergleichsweise früh entstanden, sagte Stühmer. Rund 100 verschiedene solcher Kanäle sind bekannt. Einige finden sich auch bei Pflanzen. Daneben existieren Natrium- und Kalzium-Ionenkanäle. Das elektrische Ströme eine Rolle bei der Übertragung von Nervenimpulsen spielen, entdeckte der Mediziner und Biophysiker Luigi Galvani 1780. Er brachte Froschschenkel mit solchen Impulsen zum Zucken, ohne die Zusammenhänge allerdings zu verstehen. Das gelang 1792 Alessandro Volta.

Vorträge am Donnerstag 29. Januar, in der Fakultät für Geowissenschaften und Geographie, Goldschmidtstraße 3, Hörsaal MN08: 9.30 Uhr „Von Membran-Modellen zu Modell-Membranen (Prof. Claudia Steinem, Universität Göttingen), 11 Uhr „Fracking zur Energiegewinnung“ (Prof. Rolf Emmermann, Deutsches Geo-Forschungszentrum Potsdam) und 14 Uhr „Lichtinduzierte Wasserspaltung in der Photosynthese“ (Prof. Wolfgang Lubitz, Max-Planck-Institut für chemische Energiekonversion, Mülheim an der Ruhr)

Von Michael Caspar

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