Volltextsuche über das Angebot:

26 ° / 19 ° Gewitter

Navigation:
Afrikaner und Asiaten suchen Alternativen

Agrochemie Afrikaner und Asiaten suchen Alternativen

Um eine intensive Landwirtschaft, die Ressourcen schonend und effizient einsetzt, ist es während einer Konferenz im Göttinger Mahatma-Gandhi-Haus gegangen. Die Wissenschaftler, darunter viele aus Asien und Afrika, wollen die Politik für eine Finanzierung solcher Projekte gewinnen.

Voriger Artikel
Erfolgreiche UMG-Medizininformatiker
Nächster Artikel
Wissenschaftsministerin besucht Universität
Quelle: GT

Göttingen. Sie forschen über den Einsatz von organischem Dünger, über Pilze, die das Pflanzenwachstum anregen oder über die Verwendung von erneuerbaren Energien (Sonne, Biomasse) etwa zum Betrieb von Wasserpumpen oder zum Trocknen der Ernte. Sie untersuchen, ob ein Verzicht auf das Pflügen des Bodens möglich ist. „Pflügen hält Unkräuter zurück, es trocknet aber gleichzeitig den Boden aus und verringert die Zahl nützlicher Bodenlebewesen“, erläutert Insa Kühling von der Hochschule Osnabrück, einem Mitveranstalter des Seminars.

Andere Wissenschaftler beschäftigen sich mit Fruchtfolgen. „Wir loten auch die Möglichkeiten aus, die genveränderte Pflanzen bieten“, sagt Prof. Rishi Kumar Behl, der im inidischen Hisar lehrt. Inder und Chinesen, Nord- und Südamerikaner seien da im Gegensatz zu den Europäern aufgeschlossen. Der sogenannte „Goldene Reis“, der viel Vitamin E enthalte, helfe etwa Probleme durch Fehlernährung zu lindern.

Die Wissenschaftler präsentierten ihre Forschungsergebnisse während des neunten Seminars über „Nachhaltige Intensivierung der Landwirtschaft“, zu deren Organisatoren auch die Internationale Stiftung für nachhaltige Entwicklung in Afrika und Asien sowie die Afrikanisch-Asiatische Studienförderung gehörten.

„Seit der Jahrtausendwende wird über dieses Thema viel geforscht“, berichtet Behl. Damit zeichne sich eine Abkehr von der Grünen Revolution ab. Sie habe seit den 70er-Jahren die landwirtschaftlichen Erträge durch den Einsatz von Kunstdünger und Pflanzenschutzmitteln zunächst stark gesteigert. Mit der Zeit laugten die Böden jedoch immer mehr aus. Unkräuter und Schädlinge entwickelten Resistenzen. Die Folge sei, dass mehr Dünger und Pflanzenschutz eingesetzt werden müsse. Das schmälere den Gewinn der Bauen.

„Pflanzenschutz erleichtert Landwirten die Arbeit“, gibt Kühling aus Osnabrück zu bedenken. „Die Landwirte wissen oft wenig über die Mittel, die sie einsetzen“, berichtet der promovierte Agraringenieur Sam Essiamah. In seiner Heimat Ghana verschenkten Politiker vor Wahlen Pflanzenschutzmittel. Die Bauern brächten sie nach dem Motto aus: Je mehr, desto besser. Die Folge sei, dass westliche Konzerne die Ernte wegen der Überschreitung von Grenzwerten nicht kauften. Die Feldfrüchte landeten auf örtlichen Märkten und verursachten zum Teil Lebensmittelvergiftungen.

„Eine Rückkehr zur traditionellen Form der Bewirtschaftung, die deutlich kleinere Ernten erzielt, ist nicht möglich“, betont der indische Professor Behl. Die Bevölkerung sei gewachsen. Zudem wüchsen die Nutzpflanzen auf den ausgelaugten Böden ohne chemische Hilfe kaum noch. So gelte es die produzierten Mengen durch neue Methoden, die die Ressourcen schonten, zu halten.

„In den vergangenen 20 Jahren sind viele Konzepte entwickelt worden“, sagt Mitveranstalter Kahsai Wolde-Giorgis. Nun gelte es, diese Konzepte umzusetzen. Dazu müssten junge Menschen für den Beruf des Landwirts gewonnen werden. Die Politik müsse das unterstützen. Im vergangenen Jahr hätten sie den äthiopischen Botschafter zu Gast gehabt. Er suche den Kontakt zu Göttinger Politikern. Agrarökonom Prof. Ludwig Theuvsen von der CDU habe den Festvortrag während des Seminars gehalten. Mit Thomas Oppermann (SPD) und Jürgen Trittin (Grüne) stehe er in Kontakt.

Voriger Artikel
Nächster Artikel
Amnesty-Protest auf dem Campus