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Sinnliches Experimentieren

Göttinger Sinnesforscher Sinnliches Experimentieren

Hören, Sehen, Riechen, Schmecken und Tasten: Wie geht das eigentlich? Die wissenschaftliche Wahrheit hinter diesen scheinbaren Selbstverständlichkeiten war am Sonnabend Thema im Göttinger Max-Planck-Institut für Experimentelle Medizin.

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Göttinger Sinnesforscher erklären Kindern die Welt der Wahrnehmung.

Quelle: Peter Heller

Göttingen. Hören, Sehen, Riechen, Schmecken und Tasten: Wie geht das eigentlich? Die wissenschaftliche Wahrheit hinter diesen scheinbaren Selbstverständlichkeiten war am Sonnabend Thema im Göttinger Max-Planck-Institut für Experimentelle Medizin.

Mit diesen fünf wichtigen Sinnen, sagen die Wissenschaftler des Max-Planck-Instituts für Experimentelle Medizin in der Hermann-Rein-Straße und des gegenüberliegenden Universitätsklinikums, nimmt der Mensch die Umwelt wahr und kann sich nur deswegen darin orientieren und überleben. Grund genug für die beiden Abteilungen der Göttinger Universität und die Mitarbeiter des Sonderforschungsbereichs „Zelluläre Mechanismen der sensorischen Verarbeitung“, Kindern und Jugendlichen, aber auch Erwachsen zu erklären, wie diese Sinne funktionieren und was die Forschung dazu sagt.

Das Gezwitscher von Vögeln, der Geschmack von Eis, der Duft einer Rose, die Schönheit eines Regenbogens erlebt der Mensch durch seine Sinne. Gedacht für Kinder ab drei Jahren, hatten sich die Organisatoren an ihrem „Tag der Sinne“ dazu eine ganze Reihe einfacher, aber sehr anschaulicher Experimente, unter anderem mit Schall, Geruchs- und Geschmacksstoffen, ausgedacht - spielerisches Ausprobieren inbegriffen. Zu Beginn bekam jeder Teilnehmer ein Laufblatt mit den verschiedenen Lernstationen ausgehändigt. Wer alle Stationen erfolgreich absolviert hatte, bekam zum Schluss eine kleine Überraschung.

Darunter waren auch durchaus anspruchsvolle Lektionen. Zum Beispiel die Frage, wie die gemeine Fruchtfliege (Drosophila) überhaupt sehen kann. Auch an dieser Station wurden den jungen wie auch den nicht mehr ganz so jungen Zuschauern die Hintergründe und Funktionsbedingungen hinter diesem Phänomen auf sinnfällige Weise, auch mittels eines Simulators, erläutert. Unter anderem mit dem komplexen Aspekt der genetischen Manipulation von Nervenzellen.

Offenbar mit Erfolg. „Die Kinder unter unseren Besuchern sind wirklich sehr motiviert“, sagte Mai Linh, Augenärztin im Universitätsklinikum, anerkennend. Das wurde ihnen mit einfach nachzuvollziehenden Experimenten leichtgemacht. Wie laut Alltagsgeräusche wie Blätterrascheln, eine Unterhaltung oder eine Bohrmaschine sind, konnten die Kinder ebenso erfahren wie sich alleine mit dem Tastsinn Objekte identifizieren lassen und welche Gefühle es hervorruft, wenn man etwas berührt, aber nicht sieht. Dazu wurden Experimente zur Erkennung von Gewürzen geboten oder mit einer einfachen optischen Konstruktion aus Papier zur Frage, wie schnell das Auge Gegenstände so erfassen kann, dass sie erkannt werden.

Ein weiteres Experiment ließ sich nur zu zweit absolvieren: Eine Testperson riecht längere Zeit an einer Substanz, die zweite an einer anderen. Danach riechen beide an einem dritten, derselben Material. Der Effekt dabei: Die beiden Testpersonen nehmen die dritte Substanz völlig unterschiedlich wahr. Die Erklärung: Der Mensch gewöhnt sich schnell an einen anhaltenden Geruch und nimmt ihn bald gar nicht mehr als solchen wahr. „Sonst“, so erklärte es der verantwortliche Wissenschaftler, „würden wir auch dauernd unseren eigenen Körpergeruch riechen.“

Dazu gab es Grundsatzvorträge über das Riechen, das Sehen, das hören und zum Thema Forschung mit Tieren. Die Sinnesforscher diskutierten mit den Besuchern zudem über die Frage, ob und warum diese Art der Forschung für manche wissenschaftlichen und medizinischen Fortschritte unverzichtbar ist.

Von Matthias Heinzel

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