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Sommernacht mit Hexe und Förster im Wald bei Ertinghausen

Waldsommernachtstraum von Förster Sepan Sommernacht mit Hexe und Förster im Wald bei Ertinghausen

Ein Faible fürs Theater hat Revierförster Ralf Sepan seit Jahren. Nun hat er mit vier Schauspielern seinen „Waldsommernachtstraum“ wahr gemacht. In einem einsamen Solling-Tal zwischen Hardegsen und Ertinghausen bot die Gruppe 80 Zuschauern, die anschließend im Wald übernachteten, Programm.

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Förster Ralf Sepan gibt den Platzanweiser: Stroh sitzt das Publikum trocken und warm.

Quelle: mic

Ertinghausen. Der Andrang zu der gemeinsamen Produktion der Niedersächsischen Landesforsten und des Deutschen Theaters war groß. Zur geplanten Premiere des Abends im Juni, die damals aufgrund von Regen ausfiel, waren es mehr als 140 Anmeldungen gewesen. 80 Zuschauer stiegen nun, mit Schlafsäcken, Isomatten und Picknick-Körben bepackt, am Parkplatz Ertinghäuser Grund aus ihren Autos.

Eine halbe Stunde ging es auf einem matschigen Weg bergauf und bergab durch Brennesseln, Brombeer-Gestrüpp und herabhängende Zweige. Dann knallte es. Ein Förster (Fred Kerkmann) mit Gewehr tauchte zwischen den Bäumen auf. Eine Kräuterhexe (Karin Kettling) bahnte sich grummelnd den Weg durchs Unterholz. „Macht euch gefällgst die Schuhe sauber“, schimpfte eine Hausfrau (Gaby Dey), die mit ihrem Wischer die Baumstämme schrubbte.

So waren die Zuschauer mit einem Mal mittendrin im Programm. Sie querten noch die improvisierte Bühne am Waldrand, stiegen über den kleinen Bach am Talgrund und betteten sich auf dem Stroh, das auf der Hang-Wiese lag. Wie ein Amphietheater steigt sie an und sorgt für gute Akustik. Ernst Seelhorst blies sein Jagdhorn. Ausdrucksstark erzählte Dey, wie der Hirsch zu seinem Geweih gekommen ist. Das Tier, erfuhren die Zuschauer, rettete einst das Töchterchen des Waldkönigs aus den Fängen des bösen Riesen. Zur Belohnung gabs die Krone. Launig warb Kettler um Sympathie für den röhrenden, mit seinem Geweih protzenden und die Tannenschößlinge vertilgenden Rothirsch.

Förster Sepan, der Moderator des Abends, trugt ein Gesicht von Heinz Erhard vor („Hinter eines Baumes Rinde wohnt die Made mit dem Kinde“). Bei einem Zauberwettbewerb sperrte die Hexe (Kettling) Ehepaar Picknick mit Tochter Chantal Jennifer in Bäume ein. Die genervten Baumgeister erzwingen die Befreiung der zänkischen Gattin und der verzogenen Tochter. Nur der Ehemann bleibt in seinem Baum, wo er endlich Ruhe vor Frau und Kind gefunden hat. Dey sang melancholisch zu Kerkmanns Gitarrenspiel.

Die Kanzlerin, deren Tonfall Kettling meisterhaft zu imitieren vermag, schickte das Publium mit urkomisch-verschrobenen Ausführungen über den deutschen Wald in die Pause. Das Publium nahm in der einbrechenden Dämmerung seine SchlafpIätze ein. Nach der Pause ging es auf der – nun mit Kerzen und einem Lagerfeuer erhellten – Bühne mit Musikbeiträgen weiter. Der Vollmond schien hell am wolkenlosen Sternenhimmel. Dann schwiegen die Schauspieler und nur noch die Geräusche des Waldes und das Murmeln des Baches waren zu hören.

Von Michael Caspar

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