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Sommernachtstraum und die Aktualität der Werke von Shakespeare

Subversives über Liebe Sommernachtstraum und die Aktualität der Werke von Shakespeare

Wie nähert sich ein Regisseur einem Klassiker? Um Augenhöhe zu erreichen, gebe es im Wesentlichen zwei Methoden, sagt Matthias Kaschig. Zum einen könne man ihm die Beine abschlagen und ihn aufs Sofa setzen.

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„Ein Sommernachtstraum“: Szene aus der DT-Inszenierung mit Andreas Jeßing, Benedikt Kauff, Vanessa Czapla, Benjamin Krüger (v. l.).

Quelle: Aurin

Göttingen. Zum anderen könne man eine Leiter an das Denkmal stellen und Sprosse für Sprosse hochklettern. Ihm liege eher die zweite Variante. Kaschig hat in dieser Spielzeit Shakespeares Sommernachtstraum am Deutschen Theater Göttingen inszeniert hat. Unter dem Motto „Wenn wir Schatten euch gekränkt … – Zur Aktualität Shakespeares“ sprach er mit Prof. Barbara Schaff und Prof. Ralf Haekel vom Seminar für Englische Philologie über seine Inszenierung und sein Umgehen mit Shakespeare. Die Diskussion ist Teil der Vortragsreihe „William Shakespeare – 450 Jahre produktive Rezeption“.

Zur Arbeit an einem Stück wie dem Sommernachtstraum, das eigentlich ausinszeniert ist, gehöre auch die Frage, was man weglassen könne, wo Schwerpunkte gesetzt werden. Ihn habe beispielsweise das Thema Paarbildung interessiert. Das Stück sei ja wahrscheinlich eine Auftragsarbeit für eine Hochzeit gewesen. „Ich kann mir vorstellen, dass Shakespeare Lust hatte, subversiv was über Liebe zu erzählen“, so Kaschig. Und unter anderem das fände er reizvoll zu zeigen. Die jungen Liebenden mit ihren ersten Erfahrungen stünden dem auf ewig verbundenen Elfenpaar Titania und Oberon gegenüber, für die es schwierig werde, die „Sexualität am Laufen zu halten“.

Wichtig sei für ihn, so Kaschig auch Authentizität. Shakespeare sei eben keine bürgerliche Veranstaltung gewesen. Das seien sehr pralle Stücke gewesen. Deswegen werde in der einen Szene die nackte Wand auch von einem nackten Schauspieler dargestellt. „Das sollte drin bleiben!“ Und er sei dem Schauspieler auch sehr dankbar, dass er das macht.

Eine große Rolle spiele in seinen Überlegungen auch die Übersetzung. Es gebe viele deutsche Fassungen, die Shakespeares Original zu sehr geglättet haben, romantisiert und alles vulgäre raus genommen. Er habe die Fassung von Frank Günther gewählt. Sie sei für ihn die sprachmächtigste. Eigenständig genug und doch auch nah am Original. Es gebe noch neuere Fassungen, aber die seien ihm zum Teil zu flapsig.

Bewusste Verfremdungen eines Klassikers schätze er nicht. Ihm sei es wichtiger, die Vielfältigkeit aufzudecken und im Wissen um die Historie zu inszenieren. „Der Zuschauer muss das Stück auch ohne Vorkenntnisse verstehen“, so Kaschig.

Von Christiane Böhm

Am Donnerstag, 27. November spricht Iris Wenderholm (Hamburg) über „Die fassbare Oberfläche der Geschichte: zur Shakespeare-Rezeption in der Historienmalerei des 19. Jahrhunderts“. Beginn ist um 18.15 Uhr in der Paulinerkirche, Papendiek 14.
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