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Göttingen Sommersemester beginnt mit Chinesisch
Campus Göttingen Sommersemester beginnt mit Chinesisch
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17:27 27.04.2018
Kinder lernen bei Prof. Andreas Gude Chinesisch. Quelle: Habermann
Göttingen

Die meistgesprochene Sprache sei zwar Englisch, aber die chinesische Sprache habe mit Abstand die meisten Muttersprachler auf dieser Welt, erläuterte Gude. Er ist Professor am Ostasiatischen Seminar der Uni Göttingen. Chinas sei mit 1,4 Milliarden Einwohnern fast zwanzig Mal so bevölkerungsreich wie Deutschland. „Wenn man Chinesisch und Englisch kann, kann man sich mit der Hälfte der Menschen auf der Welt unterhalten“, erklärt Gude. In Göttingen werde Chinesisch am Hainberg-Gymnasium und am Theodor-Heuss-Gymnasium gelehrt. In Northeim könnten Schüler es an den Berufsbildenden Schulen lernen.

„Göttingen“ in drei Tonlagen

Gude zeigte Ausschnitte einer chinesischen Kindersendung, die vor dem Gänseliesel auf dem Göttinger Marktplatz aufgezeichnet wurde. Das Wort „Göttingen“ konnten ein paar der Kinder in der Vorlesung raushören, denn das chinesische Wort hat die gleichen Silben. Sie werden aber anders betont. Das Chinesische ist eine Tonsprache: Die Tonlage, in der man die Laute spricht, macht die Bedeutung des Wortes aus. Das „Gö“ in Göttingen sprechen die Chinesen in hoher Tonlage aus. Bei der Zweiten Silbe sinkt die Tonlage, um bei der Letzten wieder in die Höhe zu steigen.

Das chinesische Wort für Buch hört sich an, wie das deutsche Wort „Schuh“. Nur muss man es in hoher Tonlage sprechen. Sonst kann es auch „Ratte“ bedeuten. Das ist der Fall, wenn der Sprecher die Silbe erst tief anstimmt, um dann die Stimme langsam zu heben. Spricht jemand das Wort fragend aus, heißt es „reif“. Wird es ausrufend und in fallender Tonlage gesprochen, bedeutet es „Baum“. Als hundert Kinder im großen Hörsaal versuchten, die Wörter auszusprechen, erinnerte das ein wenig an die Geräuschkulisse in einem Zoo. „Man muss lange üben, bis man das kann“, sagte Gude.

6000 Schriftzeichen bis zur Universität

2500 Schriftzeichen lernten die Kinder in der chinesischen Grundschule, teilte Gude mit. Sie dauere sechs Jahre. „6000 Schriftzeichen sind ungefähr das, was man braucht, um in China studieren zu können“. Die Schriftzeichen sind sich manchmal ähnlich: So stehen drei charakteristische Striche in einem Zeichen für Wasser. Sie finden sich unter anderem in dem Zeichen für das Wort „Fluss“ und dem für „fließen“. Gude zeigte, wie man einen chinesischen Wunsch schreibt. Der chinesische Ausdruck „Alles nach Wunsch“ bedeute soviel wie „Alles Gute“.

Warum es die chinesische Schrift gibt und wer sie erfunden hat, wollten die Zuhörer wissen. „Es hat keine einzige Person sie erfunden“, erklärte Gude. Das sei bei der koreanischen Sprache so gewesen, die der Kaiser in Auftrag gegeben hatte. Die chinesische Schrift habe sich jedoch wie andere auch über Jahrhunderte entwickelt. „Weil die Menschen Informationen von einem Ort an einen anderen Ort bringen wollten, wo sie selber nicht waren“, erläuterte der Professor. „Warum schreibt man Chinesisch von oben nach unten?“, lautete eine weitere Frage. Gude erklärte, dass die Chinesen das heute nur noch sehr selten machen. Die meisten Texte schrieben sie von links nach rechts. „Weil man festgestellt hat, dass das für die Augen noch schneller geht. Vielleicht auch, weil man ein bisschen so wie die Europäer sein wollte.“

Von Julian Habermann

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