Volltextsuche über das Angebot:

4 ° / -4 ° wolkig

Navigation:
Souveränität auf dem Prüfstand

Vorlesungsreihe: „Zur Zukunft der politischen Theorie im 21. Jahrhundert“ Souveränität auf dem Prüfstand

Neue Perspektiven statt alter Klassiker – so das Motto der Vorlesungsreihe des Instituts für Politikwissenschaft der Georg-August-Universität Göttingen. Zum Thema „Staat und Souveränität in der transnationalen Konstellation“ sprach Gastdozent Prof. Christian Volk aus Trier.

Voriger Artikel
Ehrung für „Angelprofessor“
Nächster Artikel
Henner Simianer über moderne Tierzucht

Christian Volk

Quelle: r

Göttingen. „Um es zu vereinfachen, könnte man statt von der ‚transnationalen Konstellation‘ auch von ‚Zeiten der Globalisierung‘ sprechen“, erklärt Volk den etwas sperrigen Titel seiner Vorlesung. In seinem Vortrag geht er auf die Frage ein, welche Auswirkungen die Globalisierung auf den souveränen Staat hat. Dabei geht es ihm vor allem um die Begrifflichkeit der Souveränität und ob dieses Konzept die politische Wirklichkeit im 21. Jahrhundert noch adäquat beschreiben kann. „Souveränität ist ein Fundamentalbegriff. Er hat weltsichtkonzipierenden Charakter“, führt Volk seine Überlegung aus.

Es geht bei dem Begriff der Souveränität um Gegensatzpaare wie innen/außen, national/global, eigenes/fremdes. Doch wenn man sich der Souveränität als Analysewerkzeug bediene und aktuelle politische Prozesse beschreibe, beschränke man seine Sicht auf die Welt freiwillig. Denn wenn man in diesen Gegensatzpaaren denkt, verschließt man den Blick vor Nuancen oder Prozessen, die nicht in dieses Schema passen. Die Globalisierung ist ein solcher Prozess, der das Souveränitätsdenken grundlegend in Frage stellt.

Die Trennung von Nationalem und Globalem sei nicht mehr gegeben. „Globalisierung findet zum großen Teil im Nationalstaat selbst statt“, sagt Volk. So würde die nationale Rechtsstaatlichkeit globales Wirtschaften ermöglichen, indem beispielsweise ein Urheberrecht implementiert werde. „Dabei sind die nationalen Institutionen wichtige Triebkräfte. Sie werden mit einer neuen, globalen Logik ausgestattet“, resümiert Volk.

„Wenn man ein Problem benennt, muss man eigentlich auch eine Lösung herausarbeiten. Zunächst die Enttäuschung: es wird hier keine Lösung geben“, warnt Volk seine Zuhörer. An Stelle einer Lösung formuliert er jedoch eine Forderung: „Es braucht eine neue Staatstheorie. Eine solche Reflektion scheint mir schwer mit dem Souveränitätsbegriff. Er erfasst nicht die normative Ambivalenz des Staates in globalen Zeiten.“

In der Politischen Theorie werden Theorien und Begriffe nicht als objektive oder richtige Kategorien begriffen. Volk leistet damit einen Beitrag in seiner Fachdisziplin und hinterfragt die gegebenen Begrifflichkeiten dahingehend, ob sie immer noch sinnvoll politische Wirklichkeit beschreiben können. Die Suche nach einer neuen Vokabel hat bereits begonnen.

Weitere Veranstaltungen in der Vorlesungsreihe „Zur Zukunft der politischen Theorie im 21. Jahrhundert“ finden dienstags von 16.15 Uhr bis 17.45 im ZHG 103 der Universität Göttingen, Am Platz der Göttinger Sieben 5, statt. Am 3. Mai spricht Frau Dr. Franziska Martensen über „Das europäische Subjekt der Menschenrechte“.

Von Jorid Engler

Voriger Artikel
Nächster Artikel
Uni Göttingen begrüßt zum #unistartgoe Studienanfänger