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Soziologen Ingo Bode und Felix Wilke über Alterssicherung

Handlungsdruck Soziologen Ingo Bode und Felix Wilke über Alterssicherung

Die Teilprivatisierung der Altersvorsorge macht den Ruhestand großer Bevölkerungsschichten unsicherer und wird darüber hinaus zu Altersarmut sowie neuartigen Formen sozialer Ungleichheit führen.

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Hilfe bei Berater von Banken und Versicherungen gesucht: anbieterübergreifender Produktvergleich eingeschränkt.

Quelle: Büttner

Kassel. Zu diesem Ergebnis kommen die Kasseler Soziologen Prof. Ingo Bode und Felix Wilke in einer Studie über das deutsche Alterssicherungssystem.

„Dem Einstieg in die private Vorsorge als Standardsäule des Rentensystems liegt eine Illusion zugrunde“, sagt Bode, der an der Universität Kassel das Fachgebiet Sozialpolitik leitet, „nämlich die Vorstellung, die Menschen würden vor dem Abschluss einer Police ausgiebig den Markt sondieren, Optionen vergleichen und dann eigenständig ein passendes Produkt auswählen.“

Die Wirklichkeit ist laute den Wissenschaftlern aber eine andere, wie die Ergebnisse der soeben im Campus Verlag erschienenen Untersuchung zeigen. Sachargumente seien oft nicht ausschlaggebend. Die Materie sei zu komplex, außerdem ließe sich die ferne Zukunft ohnehin kaum planen – dafür sei das Leben schlicht zu wechselhaft. Entsprechend suchten die Menschen in ihrem sozialen Umfeld sowie bei Beratern von Banken und Versicherungen nach Orientierung und werden von diesen beeinflusst.

"Auf tönernen Füßen"

Bode und Wilke haben für ihre Studie in den vergangenen zweieinhalb Jahren Bürger zu ihrer Vorsorgesituation interviewt, Berater von Verbraucherzentralen befragt und Längsschnitterhebungen ausgewertet. Die Beratung durch Banken und Versicherungen vollziehe sich meist in auf Dauer angelegten Geschäftsbeziehungen, so die Autoren weiter. Dies stehe anbieterübergreifenden Produktvergleichen im Wege.

„Die Behauptung, mit ein wenig Nachhilfe könne sich das Gros der Bevölkerung in der Unübersichtlichkeit des Alterssicherungsmarktes zielsicher orientieren und das gewünschte Absicherungsniveau erreichen, steht nach unseren Erkenntnissen auf tönernen Füßen“, so Bode. Mit dem neuen Rentenmodell lasse sich eine Alterssicherung auf einem Niveau und in einer Sicherheit, wie sie lange der Normalfall war, in der Breite nicht mehr gewährleisten. Nicht zuletzt steige das Armutsrisiko im Alter.

„Die Finanzkrise und das niedrige Zinsniveau haben das Strukturproblem der privaten Rente zu Tage gefördert: Eine dem Finanzmarkt überlassene Altersvorsorge kann keine Zukunftssicherheit schaffen, vielmehr zeigt sich jetzt, dass sie mit erheblichen Risiken für die Sparer und die Volkswirtschaft behaftet ist“, sagt Bode. „Der Weg in die Teilprivatisierung wurde im öffentlichen Diskurs als unumgehbar dargestellt, aber die breite Bevölkerung erwartet vom Staat noch immer eine Lebensstandardsicherung im Alter.“ Weil diese mit dem neuen Modell für viele unerreichbar sei, werde die Rentenpolitik auch zukünftig permanent unter Handlungsdruck stehen, meint Bode.

eb

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