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Göttingen „Multijobbing isoliert die Menschen“
Campus Göttingen „Multijobbing isoliert die Menschen“
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22:32 05.10.2018
Die Göttinger Soziologin Dr. Natalie Grimm vom Soziologischen Forschungsinstitut (Sofi) Quelle: kpw-photo
Göttingen

Wenn immer mehr Menschen mehrere Jobs gleichzeitig haben, dann droht nach Ansicht der Göttinger Soziologin Dr. Natalie Grimm eine schädliche Individualisierung. „Multijobbing isoliert Menschen voneinander, weil Arbeit so immer mehr Lebenszeit einnimmt, aber kaum sozialen Zusammenhang stiftet“, sagte die Forscherin. Besonders Menschen mit mehreren Teilzeit-Jobs müssten quasi permanent arbeiten.

„Zwang zum Zweitjob“

„Jeder ihrer Arbeitgeber erwartet von ihnen Flexibilität“, erläuterte Grimm, die die Auswirkungen von prekären Arbeitsbedingungen in Privathaushalten untersucht – und dabei auf viele Menschen mit mehreren Jobs trifft. Mit Selbstverwirklichung oder Sich-Ausprobieren habe Multijobbing auch für Qualifizierte nichts zu tun, sagte die Expertin: „Es geht darum, den Lebensstandard und sozialen Status zu erhalten, für den eine Arbeitsstelle nicht ausreicht.“ Einen inhaltlichen Wert habe diese Joberfahrung nicht. Auch arbeiteten viele Menschen im Hauptjob unfreiwillig in Teilzeit, erklärte Grimm den daraus folgenden „Zwang zum Zweitjob“.

Wer mehrere Jobs habe, sei für die Arbeit ständig erreichbar - „wie ein Manager“. Schichten würden oft kurzfristig in WhatsApp-Gruppen verteilt und müssten dann mit denen der anderen Jobs abgestimmt werden. Das Problem: Für Erholung, soziale Kontakte und auch fürs Kümmern um berufliche Veränderung fehle dann die Zeit. Auch Hobbies fallen flach.

Studienarbeit von Natalie Grimm

„Mehr als schlafen oder auf der Couch liegen geht für viele in der Freizeit nicht“, berichtet Grimm aus ihrer Studienarbeit. Die kleinen Jobs wechselten zudem oft. Auch, weil die Koordination mehrerer Jobs nicht immer klappt und Betroffene „dann als unzuverlässig gelten“.

Ein Aufstieg gelinge angesichts solcher Arbeitsverhältnisse kaum, erklärt die beim Soziologischen Forschungsinstitut (Sofi) in Göttingen tätige Soziologin: „Die Zusatzjobs qualifizieren ja nicht. Und durch die unregelmäßige Anwesenheit und den Zeitdruck entsteht auch kein beruflich nützliches Netzwerk aus Arbeitskollegen.“

Von Miriam Bunjes

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