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Spezialanfertigungen für die Wissenschaft aus Göttingen

Campus-Ansichten: Werkstätten der Fakultät für Chemie Spezialanfertigungen für die Wissenschaft aus Göttingen

Die Tageblatt-Serie „Campus-Ansichten“ bietet Einblicke und Ausblicke, die die Universität und Forschungsinstitute in Göttingen von Seiten zeigen, die nur wenigen Menschen bekannt sind. Um die Chemie-Werkstätten dreht sich Folge 25.

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Quelle: Hinzmann

Göttingen. Das Gebäude ist von Grund auf saniert, die Sicherheitstechnik auf den neuesten Stand gebracht worden. In der Tammanstraße 6 hat die Universität 2015 die Chemie-Werkstätten unter einem Dach zusammengeführt. Das sorgt für Synergieeffekte.

Zusammengearbeitet haben die Feinmechaniker, Elektroniker und Glasapparatebauer schon immer. Anders lassen sich die Wünsche der Wissenschaftler, die zum Beispiel Geräte für spezielle Messungen benötigen, gar nicht erfüllen. Nun aber sind die Kollegen erstmals für alle drei Bereiche der Fakultät (Physikalische, Anorganische und Organische Chemie) tätig. Das macht stärkere Spezialisierungen möglich.

Mit dem Umzug mussten die Handwerker enger zusammenrücken. Sie haben ein Drittel ihres bisherigen Platzes eingebüßt. Aus den alten Werkstätten brachten sie ihr Mobiliar mit, das zum Teil noch aus den 70er-Jahren stammt. Älteren Baujahrs sind zudem einige Maschinen der Feinmechanik. „Das reicht aber für viele Arbeitsschritte aus“, meint Bernd Wichmann, einer der stellvertretenden Leiter.

Daneben verfügen die Handwerker über moderne CNC-Maschinen. Mit ihnen lassen sich vollautomatisch Teile drehen und fräsen, die Mitarbeiter zuvor am Computer entworfen haben. Einen eigenen Raum erhielt die neue Wasserstrahlschneidemaschine. „Sie schneidet fingerdicke Stahlplatten sauber zu, ohne das Material zu erwärmen“, erläutert Rainer Hildebrandt, ein anderer stellvertretender Werkstattleiter.

„Bei uns sind moderne Arbeitsplätze ein Muss“, sagt Andreas Knorr, der einen der beiden Elektronik-Bereiche führt. Viele Bauteile sind mittlerweile so klein, dass sie sich nur noch unterm Mikroskop verwenden lassen. Immer mehr Geräte benötigen zudem eine Computersteuerung. Kollegen müssen sie programmieren.

Zu den Aufgaben der Handwerker gehört neben Neuentwicklungen die Reparatur kaputter Laborgeräte, etwa der Kühl- und Vakuumapparaturen. Jährlich gilt es bei mehr als 1000 Elektrogeräten die Sicherheit zu überprüfen. „Die Chemikalien in der Laborluft greifen Metalle verstärkt an“, erläutert Rainer Ehrhardt, Leiter des zweiten Elektronikbereichs. Schließlich findet sich in der Tammanstraße die einzige Glastechnische Werkstatt der Universität. Sie verfügt über drei Arbeitsplätze unter der Leitung von  Meisterin Annika von Roden.

Die Universität will mit der Zusammenführung der Werkstätten mittelfristig einige der heute 26,5 Stellen abbauen. Schon jetzt halte sich die Hochschule bei Neubesetzungen zurück, berichten die Mitarbeiter. Die aktuell elf Auszubildenden hätten daher meistens keine Aussicht auf Übernahme. Das verringere die Attraktivität der Lehrstellen im Vergleich mit denen der Industrie, zumal die Bezahlung bei längerer Arbeitszeit, fast 40 Wochenstunden, geringer sei. „Dafür ist die Ausbildung breit, abwechslungsreich und anspruchsvoll“, betont Wichmann. Die Werktätten haben Kammersieger hervorgebracht. Viele Auszubildende machten später eine Techniker-Ausbildung oder studierten Ingenieurwissenschaften.

Von Michael Caspar

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