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Stadt der Zukunft Thema bei Göttinger Akademiewoche

Vortragsreihe Stadt der Zukunft Thema bei Göttinger Akademiewoche

„Die Stadt als Lebensraum der Gesellschaft“ lautet das Thema der 11. Göttinger Akademiewoche. Im Alten Rathaus begann am Montag die Reihe mit Vorträgen von vier Wissenschaftlern: Um Stadtplanung, Design und Investoreninteressen drehte sich der erste Vortrag.

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Kritiker der Stadtplanung von heute: Helmut C. Schulitz.

Quelle: CH

Göttingen. Herausforderungen, die moderne Städte als Ballungszentren von Wirtschaft, Kultur, Konsum und Lebensraum zu meistern haben, stellte der Braunschweiger Architekt und Städteplaner Prof. Helmut C. Schulitz zur Diskussion. „Das Problem der Stadt von morgen ist nicht ihr Design“, lautete der Titel des Vortrages.

 

„Die Stadt ist krank“, so die These des Referenten. Im Gegensatz zu Medizinern, die den Soll-Zustand des gesunden Menschen genau vor Augen haben, tun sich Architekten und Städtebauer schwer, zu definieren, was eine „gesunde Stadt“ ist. Gleichzeitig, so machte Schulitz anhand eines geschichtlichen Abrisses über städtebauliche Großprojekte deutlich, sei es seit jeher schwierig, zu bestimmen, in wessen Aufgabenbereich die „Stadt von morgen“ fällt: Architekten seien einem Bauherrn oder einem Investor verpflichtet, der Städtebauer hingegen arbeite im Auftrag der Allgemeinheit. Die Interessen der Investoren und der Allgemeinheit konfligierten, so Schulitz, und das sei die Ursache vieler Probleme: Die Bürger wollen ihre Stadtkerne grün und erholsam, die Investoren wollen sich zentral mit spektakulären, großen Gebäuden ansiedeln. Städtebauer lassen sich zusehends von Investoren beeinflussen, fasste Schulitz zusammen.

 

Im vergangenen Jahrhundert gab es „in sich eine Einheit bildende“ Städte. Zwischen den Städten, so verdeutlichte Schulitz anhand einer Fotopräsentation von Städten wie Santorin, München und Bern, habe es aber charakteristische Unterschiede gegeben. Architekten und Städtebauer planten im Sinne des Stadtbildes und der Verträglichkeit mit natürlichen Gegebenheiten, nicht im Sinne der Unternehmen.

 

Das Einzigartige sei den Städten abhanden gekommen. Ob Los Angeles, Sydney oder Abu Dhabi: Heute, in Zeiten der Globalisierung, eint die Großstädte nicht nur das einheitliche Äußere. Auch die Tatsache, dass ohne Wasser, Müllabfuhr und sonstige Infrastruktur kein Stadtleben möglich ist, ist allen Ballungszentren gemein. Und überall finden sich Beispiele dafür, es der Wirtschaft und der Kaufkraft recht zu machen: Wasserleitungen von 400 Kilometern Länge, effektlos erweiterte Autobahnen und kostspielig bewässerte Wüsten. „Die Stadt von heute will Spaß haben“, so Schulitz.

 

In architektonischen Wettbewerben wie im belgischen Gent, in denen es darum gehe, die Innenstädte vor Hochhaus-Wucher und Investoren zu schützen, sah Schulitz abschließend Hoffnung. Stadtplaner sollten mehr Einfluss erhalten, um Investoren zu reglementieren, um Stadtbild, Umwelt und den Lebenswert in Städten zu erhalten.

 

Göttinger Akademiewoche 2015: Am Mittwoch, 23. September, fragt Prof. Dietmar Brandes, Braunschweig: „Wie grün darf die Zukunftsstadt sein?“; am Donnerstag, 24. September, spricht Prof. Reinhard Lauer, Göttingen, über „Petersburg in der russischen Dichtung: Ein Beispiel für Stadt-Literatur“. Die Vorträge beginnen um 18.15 Uhr im Alten Rathaus, Markt 9.

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