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Stadtführung zum Thema Studentenleben

Stadtführung zum Thema Studentenleben

Wie lebten die Studenten in Göttingen im 18. und 19. Jahrhundert? Bei einer Stadtführung klärte Enno Grebe als fiktiver Student Georg August Tennstedt über Stadtgeschichte und Studentenleben Göttingens auf.

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Georg Christoph Lichtenberg-Skulptur auf dem Hof der Paulinerkirche: Station der Stadtführung zum Studentenleben in Göttingen.

Quelle: Hinzmann

Göttingen. Den Respekt der älteren Studenten mussten sich Erstsemester im Jahr 1835 erst verdienen. Die Neuzugänge an der Georgia Augusta waren den älteren Semestern zunächst untergeordnet. Sie mussten älteren Studenten auf dem Gehweg Platz machen und zum Gruß den Hut lupfen. Erkennbar waren sie an der neuen Ledermappe für ihre Unterlagen. Der Rat von Tennstedt: „Geben Sie Acht, dass Sie nicht zu viel Acht geben“. Je abgenutzter die Mappe aussehe, desto weniger falle man auf.
Die Georg-August-Universität hatte einen guten Ruf und Abgänger exzellente Berufsperspektiven. Die Lehre war dementsprechend anspruchsvoll. Von Montag bis Sonnabend fanden die Vorlesungen statt. Teils begannen sie schon um 6 Uhr morgens. Auch war das Studium sehr kostspielig, berichtet Grebe, der die Führung für den Tourismus Göttingen leitet. Etwa 300 Taler benötigte ein Student im Jahr. Das Hörgeld, welches in jeder Vorlesung an den Dozenten entrichtet werden musste, hatte daran erheblichen Anteil. Für die Lehrenden hingegen war das Hörgeld von Vorteil, denn so konnten sie ihr Jahresgehalt von 300 Talern aufbessern. Georg Christoph Lichtenberg (1742-1799) übertraf dabei alle anderen Professoren. Die Vorlesungen des deutschen Experimentalphysikers und Mathematikers waren so beliebt, dass er sein Gehalt durch das Hörgeld nahezu verdreifachen konnte. Grund für seine Beliebtheit waren Grebe zufolge neben seinen physikalischen Experimenten, wohl auch seine kritischen Sprüche. Über die Französische Revolution sagte er demnach: „Es gärt in Frankreich, aber man weiß noch nicht, ob es Wein oder Essig wird“. Bei den seit jeher kritischen und revolutionären Studenten hinterließ er damit Eindruck. Zu Lichtenbergs Beerdigung im Jahr 1799 kamen mehr als 500 von ihnen.
Die aufrührerischen Tendenzen der Studenten waren nach Grebe auch ein Grund, weshalb die Universität im Jahr 1737 in Göttingen entstand. Der Namensgeber und Gründer der Universität, Georg August, Kurfürst von Hannover und König von Großbritannien, fürchtete zu viel Unruhe durch das revolutionäre Gedankengut der Studenten in der Landeshauptstadt Hannover.

 
Informationen und Termine zu den Entdeckungstouren des Tourismus Göttingen unter goettingen-tourismus.de.

Von Finn Lieske

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