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Städtisches Museum Göttingen setzt Provenienzforschung fort

NS-Raub- und Beutekunst Städtisches Museum Göttingen setzt Provenienzforschung fort

Das Thema Raub- und Beutekunst beschäftigt das Städtische Museum Göttingen seit mehreren Jahren, erstmals anlässlich einer Ausstellung über den jüdischen Maler Hermann Hirsch im Jahr 2009. Restitution – so die Bezeichnung für die Rückgabe geraubter oder zwangsverkaufter Kulturgüter – gehört seitdem zu den vordringlichsten Anliegen der städtischen Kulturverwaltung und der Museumsleitung.

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Familie Hahn sieht sich im Städtischen Museum die Möbel ihrer Vorfahren an.

Quelle: Heller

Göttingen. „Das Thema wird in Museen zunehmend diskutiert“, sagt Ernst Böhme, Göttinger Stadtarchivar und Leiter des Städtischen Museums. Während einer Tagung des Deutschen Museumsbundes zur Provenienzforschung – Herkunftsbestimmung von Objekten – berichtete Böhme über die Göttinger Erfahrungen mit den Themen NS-Raubgut und Restitution. „Wir haben das Thema als eines der ersten Museen in Deutschland und als erstes in Niedersachsen von Anfang bis Ende recherchiert.“

 
115 Fundstücke aus dem Museumsbestand sind in der Internet-Datenbank Lostart.de der Koordinierungsstelle für Kulturgutverluste registriert. Im Zuge der Recherche zu Hermann Hirsch, einem regional bekannten jüdischen Maler und Opfer des nationalsozialistischen Terrors, stießen die Museumsmitarbeiter beim Durchforsten der Museumsbestände auf weitere Gegenstände aus jüdischem Besitz, die das Museum während der Zeit des Nationalsozialismus zumeist bei Finanzamtsversteigerungen erworben hatte.

 
Im Falle Hermann Hirsch konnten Nachfahren ermittelt werden, die eine Einladung zum Besuch der Ausstellung in Göttingen annahmen. Enkel und Urenkel anderer ehemaliger Göttinger, des jüdischen Ehepaars Max Raphael und Gertrud Hahn, suchten aus eigenem Antrieb den Kontakt nach Göttingen und freuten sich, hier zu erfahren, dass Gegenstände aus dem Besitz ihrer während des Nationalsozialismus ermordeten Vorfahren zurückgegeben werden sollten.

 
In beiden Fällen verzichteten die Erben auf die Restitution. Die Hahnschen Möbel sollen als Dauerleihgabe Bestandteil der Ausstellung des Museums bleiben. Die Reaktion der Nachfahren im vergangenen November hat Böhme zutiefst bewegt. Es sei zu spüren gewesen, „dass die Familienmitglieder angefangen haben, Deutschland als Teil ihrer Biografie anzunehmen“. So, sagt Böhme, sei mit der Restitution nicht nur ein Kapitel abgeschlossen worden, „sie kann auch positiv in die Zukunft wirken“. Das Museum setzt die Provenienzforschung fort – und hofft auf Kontakte zu weiteren Nachfahren von Göttinger-NS-Opfern, deren ehemalige Besitztümer zur Rückgabe ausgeschrieben sind. Einen Verwandten ehemaliger jüdischer Geschäftsleute hat Böhme gerade erst ausfindig gemacht, „in den nächsten Tagen werde ich Kontakt aufnehmen“.

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