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Stefan Hell erklärt seine Arbeit der Niedersächsischen Landesregierung

Wöchentlichen Routineberatung Stefan Hell erklärt seine Arbeit der Niedersächsischen Landesregierung

„Man sieht schärfer und man sieht es spezifisch“, kurz und präzise hat Prof. Stefan Hell am Dienstag die ultrahochauflösende Lichtmikroskopie erklärt. Seine Zuhörer waren die Mitglieder der Niedersächsischen Landesregierung, die zuvor im Max-Planck-Institut für biophysikalische Chemie zur wöchentlichen Routineberatung zusammengekommen waren.

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Quelle: Hinzmann

Göttingen. „Wir möchten mit unserem Besuch die besondere Bedeutung dieses außerordentlich erfolgreichen Instituts unterstreichen“, sagte Ministerpräsident Stephan Weil (SPD). Ihn und die Kabinettsmitglieder informierte Prof. Herbert Jäckle, Geschäftsführender Direktor, über das Institut. Danach ging es in die Abteilung Bio-Nanophotonik von Physiker Hell.

Als Hell, der im Dezember 2014 den Chemie-Nobelpreis für seine Erfindung auf dem Gebiet der ultrahochauflösenden Mikroskopie erhielt, davon sprach, dass diese sich einfach in einer Erweiterung der Formel der Abbeschen-Lichtbeugungsgrenze abbilde, lachten die Regierungsmitglieder. So simpel es heute erscheinen mag, so schwierig war es für Stefan Hell in den 90er-Jahren, diese Entwicklung von der Theorie in die Praxis umzusetzen.

In seinem Vortrag ging der 52-jährige Forscher darauf ein. Er betonte, dass die Chance, die er damals am Max-Planck-Institut für biophysikalische Chemie erhalten habe, ihm den Durchbruch verschafft habe. Der Erfolg habe sich eingestellt, als die ersten Aufnahmen mit der (Fluoreszenz)-Lichtmikroskopie-Methode, der STED-Mikroskopie, akademischen Wert und Relevanz bewiesen. Hell sagte zu seinem Werdegang: „Daran kann man erkennen, dass es sich lohnt, in der Wissenschaft einem Außenseiter eine Chance zu geben.“

Forschung, die von Neugier getrieben ist

Inzwischen hat mit der Göttinger Firma Abberior Instruments ein Unternehmen Erfolg, das, so Hell, „die besten kommerziellen Lichtmikroskope baut“. Er sei stolz darauf, dass seine Erfindung mit Steuermitteln dieses Landes entwickelt werden konnte und er sei deshalb der Auffassung, dass der Gewinn auch in diesem Land bleiben soll. Und auch seine Ablehnung eines Rufes der Universität Harvard (USA) im Jahr 2008 liege darin und in den ausgezeichneten Forschungsbedingungen, die ihm die Max-Planck-Gesellschaft biete, begründet.

„Das Durchbrechen der Beugungsgrenze in der Lichtmikroskopie ist ein schönes Beispiel dafür, dass Forschung, die von Neugier getrieben ist, zu wichtigen Entdeckungen führt. Und wenn etwas wichtig ist, so führt es auch über kurz oder lang zu wirtschaftlich relevanten Anwendungen“, sagte Prof. Hell. So habe die STED-Mikroskopie in Göttingen hochqualifizierte Arbeitsplätze geschaffen. „Und die Entwicklung hat gerade erst begonnen“, betonte er.

Von den Möglichkeiten der Anwendung konnten sich die Regierungsmitglieder anschließend überzeugen. In einem der Labore zeigten Dr. Elisa D‘Este und Dr. Dirk Kamin Aufnahmen vom Zellskelett und der Untersuchung der Wirkung des Proteins Tubulin. Dieser Blick in lebende Zellen wurde durch die STED-Mikroskopie ermöglicht.

Ministerpräsident Weil betonte, dass die Politik Geduld haben sollte, bei der Unterstützung von Forschungsvorhaben: „Das gilt für alle Regierungen.“ Wissenschaftsministerin Gabriele Heinen-Kljajic (Grüne) wies darauf hin, „dass Herr Hell heute noch hier ist, liegt auch daran, dass das Land Niedersachsen an den Bleibeverhandlungen beteiligt war und über das Programm VW-Vorab seine Forschungsvorhaben fördern konnte.“

©Hinzmann

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Max-Planck-Institut für biophysikalische Chemie

Das Max-Planck-Institut für biophysikalische Chemie mit seinen rund 850 Mitarbeitern ist eines der größten Institute der Max-Planck-Gesellschaft. Es hat elf wissenschaftliche Abteilungen und 31 unabhängigen Forschungsgruppen.

„Die klassischen Naturwissenschaften Physik, Chemie und Biologie werden hier am Institut kombiniert, um die Gesetze aufzudecken, welche die Prozesse in lebenden Zellen steuern – auf der Ebene einzelner Moleküle bis hin zur Entwicklung komplexer Organismen. Unser Institut ist ein Zentrum, wo gerade durch dieses Zusammenspiel verschiedener Wissenschaftsdisziplinen immer wieder große neue Ideen entstehen”, erläuterte der Geschäftsführende Direktor des MPI-BPC, Prof. Herbert Jäckle, am Dienstag den Mitgliedern der Landesregierung, die ohne Innenminister Boris Pistorius und Kultusministerin Frauke Heiligenstadt ihr wöchentliches Arbeitstreffen in Göttingen absolvierte.

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